. Von Kai-Uwe Krakau
Es sind zunächst nur wenige Informationen, die aus dem Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde drangen. "Ich kann bestätigen, dass das Arbeitsverhältnis beendet wird", erklärte gestern die Sprecherin der Kreisverwaltung Barnim, Marianne Schlestein. Zu weiteren Einzelheiten wollte sie sich nicht äußern. "Wir werden am Montag die Abgeordneten informieren", so Schlestein weiter. An diesem Tag tritt der Kreisausschuss zu seiner nächsten Sitzung zusammen.
Die Vorsitzende des kreislichen Jugendhilfeausschusses, Sabine Schmalz, war am Morgen noch nicht über die jüngste Entwicklung informiert, zeigte sich aber wenig überrascht. "Die Bewerberin hatte einfach keine Erfahrungen im Jugendbereich", stellte die SPD-Abgeordnete nüchtern fest. Sie forderte die Verwaltung auf, die Stelle unverzüglich wieder zu besetzen. "Wir brauchen dringend eine Fachfrau oder einen Fachmann", so die Lobetalerin. Sabine Grochla hat Rechtswissenschaften studiert und arbeitete zuletzt in der Verwaltung von Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark). Jugend- und Sozialdezernentin Silvia Ulonska hatte sie im September 2009 als "Wunschkandidatin" präsentiert.
Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Petra Bierwirth, reagierte gelassen auf die Personalie. "Die Probezeit ist eben dafür da, um herauszufinden, ob jemand für die Stelle geeignet ist", erklärte sie. Von einer "misslichen Situation" spricht dagegen Danko Jur. Der CDU-Fraktionsvorsitzende zeigt aber Verständnis für die Entscheidung der Verwaltung. "Wenn es nicht passt, muss man sich trennen". Jur empfahl zudem, sollte es eine neue Ausschreibung geben, externe Personalberatungsunternehmen heranzuziehen. Das müsse professioneller gemacht werden, so der Kommunalpolitiker.
"Ich bin ein bisschen geschockt", bekannte Klaus Geißler. Er hoffe, dass es eine plausible Erklärung gibt und verlangte eine zeitnahe Lösung. "Die Leitung eines Jugendamtes kann man nicht wechseln wie ein Hemd", so der Kreistagsabgeordnete (Bürgerfraktion Barnim/Bauernverband).
Am späten Nachmittag erkannte schließlich der amtierende Landrat Carsten Bockhardt die Bedeutung des Themas und äußerte sich gegenüber der Märkischen Oderzeitung. "Die Entscheidung ist auch nach Gesprächen mit freien Trägern gefallen", betonte der CDU-Politiker. Er kündigte zudem an, auf eine weitere Ausschreibung zu verzichten. Man strebe vielmehr eine interne Lösung an. "Damit wollen wir jungen Mitarbeitern eine Chance geben", betonte der Panketaler.
Das Jugendamt war 2008 bundesweit bekannt geworden, nachdem in Löhme vier Kinder in verwahrlosten Verhältnissen leben mussten. Danach wurde der Bereich umstrukturiert.
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