Port-au-Prince . Unter großem Sicherheitsaufgebot hat das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen am Sonntag in Haiti mit einer großangelegten Verteilung von Lebensmitteln begonnen. Soldaten der UN-Mission und der US-Armee sowie einheimische Sicherheitskräfte überwachten die Aktion. Zunächst wurden keine gewaltsamen Zwischenfälle bekannt. Mitarbeiter mehrerer Hilfsorganisationen gaben jeweils 25-Kilo-Säcke mit Reis aus.
"Wir verteilen zu etwa 85 Prozent an Frauen, weil sie für ihre Familien sorgen", sagte ein Mitarbeiter der Organisation Goal. "Aber wenn es in einer Familie keine Frauen mehr gibt, werden natürlich auch Männer versorgt", fügte er hinzu. Die Empfänger der Hilfe mussten sich durch einen Gutschein ausweisen. Im Stadtteil Petionville kam es zu lautstarken Protesten von Erdbebengeschädigten, die keinen Gutschein erhalten hatten. Bewaffnete Sicherheitskräfte hielten eine Menschenmenge hinter einer Barriere zurück.
WFP richtet 16 feste Verteilstellen in Port-au-Prince ein. In den kommenden beiden Wochen sollen auf diese Weise zwei Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. Die haitianische Regierung hat das Weiterverkaufen von Lebensmittelhilfe für illegal erklärt.
Viele Haitianer kritisieren den Einsatz der zahlreichen Sicherheitskräfte bei der Verteilung. "Die Soldaten schaffen erst Unruhen, weil sie die Leute einschüchtern und arrogant auftreten", sagte ein Beobachter. "Sie behandeln die Bedürftigen wie Unmündige", meinte er. Je länger die Leute auf die Verteilung warten müssten, desto größer werde ihre Sorge, möglicherweise nichts abzubekommen.
In den ersten Tagen nach dem Erdbeben war es mehrfach zu Ausschreitungen bei der Verteilung von Lebensmitteln gekommen. Die Sicherheitskräfte hatten in die Luft geschossen, um die Menge zu zerstreuen. Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele. So verteilt ein Inhaber einer Pizzeria seit mehr als zwei Wochen Lebensmittel an Bedürftige, die zuvor ein Plastikarmband bekommen haben. Jeden Nachmittag bilden sich friedlich lange Schlangen vor seinem Restaurant. Obwohl keine Sicherheitskräfte im Einsatz sind, ist es dort bislang noch nicht zu Rangeleien gekommen.
Knapp drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti mit mindestens 180 000 Toten und etwa 200 000 Verletzten hat das US-Militär vorerst alle Evakuierungsflüge... mehr
Bernice Chamblain schläft mit einer Machete unter der Matratze zur Verteidigung und klemmt den kostbaren Sack Reis unters Bein, damit niemand ihrer Tochter... mehr
Die Erdbebenkatastrophe in Haiti hat nach einer Schätzung der Vereinten Nationen rund eine Million Menschen obdachlos gemacht. Jeder neunte Haitianer... mehr
