. Berlin Als Gerhard Micksch vor 65 Jahren "Von der Erde zum Mond" gelesen hatte, war er fasziniert vom Weltraum. Seitdem ist er auf Spurensuche und besitzt gemeinsam mit seiner Frau Edith die weltweit größte private Sammlung zur Geschichte der Raumfahrt und Raketentechnik.
Ein Zimmer ihrer Drei-Raum-Wohnung haben die Micksch ihrem platzaufwendigen Hobby gewidmet. In den Regalen und Vitrinen stehen "Wostok", "Apollo", das "Space Shuttle" , ein Sciencefiction-Modell von der ersten bemannten Marslandung und das Hubble-Weltraumteleskop. Daneben sind markante Köpfe als kleine Büsten verewigt.
Schimmernde Satelliten und glänzende Raketen wechseln sich ab. Wahrscheinlich würden die meisten das rot-grüne Monster hinter der Glasscheibe nicht mit der Raumfahrt in Verbindung bringen. Doch der chinesische Flugdrache aus dem 13./14. Jahrhundert, gehört zu den ganz besonderen Exponaten des Sammlers. "Vier mit Schwarzpulver gefüllte Raketen trieben einst solche Drachen an", berichtet Gerhard Micksch.
Würde er alle in den vergangenen Jahrzehnten selber gebauten und gekauften Modelle zeigen, würde der Platz in seiner Friedrichshainer Wohnung nicht reichen: Rund 150 Einzelstücke gehören zur riesigen Sammlung. Hinzu kommen 5000 Fotos und Dokumente, 10 000 Briefmarken mit Weltraummotiven, mehr als 4700 Farbdias, rund 45 000 Zeitungsartikel sowie hunderte Medaillen, Aufkleber und andere kosmische Symbole - was sogar zu einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde führte.
Während die meisten Exponate im Keller verpackt sind, drängeln sich viele dicke Ordner, die es über jede Rakete, jeden Satelliten, jede Station gibt, im Weltraum-Zimmer. Da könnte der rüstige Senior schnell nachschlagen, wenn jemand bestimmte Details sucht. Doch Micksch und seine Frau eigneten sich im Laufe der Jahre so viel Wissen zur bemannten und unbemannten Raumfahrt, zur Mond- und Marsforschung sowie über den Einsatz von Satelliten an, dass beide vieles sofort parat haben.
Vor allem zu DDR-Zeiten hielt das Ehepaar immer wieder Vorträge und stellte mehr als 100 Ausstellungen zusammen. "Schade, dass sich kaum noch jemand für meine Exponate und Ausstellungen interessiert", bedauert Micksch. Und er befürchtet, ein Raumfahrt-Museum, das er gern eröffnen würde, wird wohl ein Traum bleiben. Zu den Raritäten der einzigartigen Sammlung gehört eine rot-weiße Tube Milchkaffee: Sie war 1975 beim gemeinsamen Sojus-Apollo-Flug dabei, blieb aber ungeöffnet.
Besonders gern erinnert sich das rüstige Rentnerpaar an die vielen Begegnungen mit "echten Weltraumbesuchern". Sie schüttelten Juri Gagarin und Valentina Tereschkowa die Hand, trafen Sigmund Jähn, Waleri Bykowski sowie Ulf Merbold.
Und immer "wenn historisch etwas Neues passierte" wurden Modelle gebaut. Der "Sputnik 3" war einst sein erstes - aus einem Schnittbogen, den er allerdings verstärkte. Vergangenes Jahr stellte er "Ariane 5" fertig, einen unbemannten Transporter zum Aufbau der ISS-Station.
"Ich wollte immer mehr über das Phänomen Raumfahrt herausbekommen", beschreibt er seine Leidenschaft. Auch seine drei Kinder hat er mit der Leidenschaft angesteckt. Manchmal kreieren sie gemeinsam ein Exponat.
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