Prenzlau . Die Uckermark hat noch keinen neuen Landrat. Bei der Wahl am Sonntag konnte keiner der vier Bewerber die nötige Mehrheit holen. Die meisten Stimmen bekam Ex-Landrat Klemens Schmitz mit 28,7 Prozent, dicht gefolgt von Roland Resch mit 28,5 Prozent. Beide trennten 83 Stimmen. Damit haben die beiden parteilosen Bewerber die Nase vorn. Enttäuschung herrschte bei den Kandidaten Frank Bretsch (SPD) und Karina Dörk (CDU). Sie sind aus dem Rennen. Am 14. März kommt es zur Stichwahl. Die Wahlbeteiligung lag in der Uckermark bei 37,6 Prozent.
Die Überraschung stand Klemens Schmitz ins Gesicht geschrieben. Er saß am Wahlabend im Sitzungsraum der Prenzlauer Kreisverwaltung und verfolgte gespannt die eingehenden Auszählungsergebnisse. Mit nur 83 Stimmen Vorsprung ging er als Sieger aus dem ersten Wahlgang zur Landratswahl hervor. "Für mich sehr überraschend", so der Ex-Landrat in einer ersten Reaktion. "Ich hatte nicht damit gerechnet, ohne Wahlkampf und ohne die Unterstützung einer Partei so viele Stimmen zu bekommen. Es kann also nicht alles so schlecht gewesen sein, was ich in den vergangenen Jahren gemacht habe."
Keiner der vier Kandidaten hat die Mehrheit aller Stimmen auf sich vereinen können. Und keiner holte die ebenso notwendige Mindestzahl von etwas mehr als 16 000 Stimmen.
Die Wahlbeteiligung lag mit 37,6 Prozent zwar sehr niedrig, aber dennoch höher als von den meisten erwartet. Damit hat die Uckermark unter den Landkreisen in Brandenburg, die zurzeit ihren Landrat wählen, mit die höchste Beteiligung erreicht.
Mit 28,5 Prozent folgte Roland Resch auf Platz zwei bei der Landratswahl. Auch er zeigte sich sichtlich erfreut. "Man muss immer überlegen, unter welchen Bedingungen das Ergebnis zustande gekommen ist", gab Resch zu bedenken. "Denn meine Wahlwerbung fiel relativ bescheiden aus." Eine Vorhersage über den Ausgang der Wahl sei nicht möglich gewesen.
Bretsch und Resch äußerten übereinstimmend, dass die Parteizugehörigkeit entscheidenden Einfluss auf das Wahlergebnis gehabt habe. Denn SPD-Kandidat Frank Bretsch (22,3 Prozent) und CDU-Kandidatin Karina Dörk (20,5 Prozent) lagen deutlich abgeschlagen auf den Plätzen drei und vier.
"Geborgte Macht bringt gar nichts", reagierte Resch auf die starke Wahlunterstützung von SPD und CDU für ihre beiden Kandidaten im Vorfeld der Entscheidung.
"Zwei Parteilose haben über 57 Prozent aller Stimmen bekommen", konstatierte Klemens Schmitz. "Ein Zeichen, dass die etablierten Parteien darüber mal nachdenken sollten."
Große Enttäuschung herrschte bei den Sozialdemokraten. Frank Bretsch galt als einer der Favoriten zur Landratswahl. Jetzt ist er vollkommen aus dem Rennen. "Ganz offensichtlich präferieren die Wähler parteilose Bewerber", bedauerte Bretsch. "Zudem hat die Diskussion um die direkte oder indirekte Wahl in der Uckermark zu dem Ergebnis beigetragen." Bretsch hatte mit dem Ergebnis nicht gerechnet. "Ich habe einen sehr fundierten und auf die Uckermark ausgerichteten Wahlkampf betrieben." Dass Ex-Landrat Klemens Schmitz als Sieger aus dem ersten Wahlgang hervorgegangen sei, habe mit Sicherheit am Amtsbonus gelegen.
Bretsch lag nur in der Schwedt mit fast 36 Prozent aller Wählerstimmen und in Angermünde mit 42,4 Prozent deutlich vor den Mitbewerbern.
Karina Dörk zeigte sich ebenso enttäuscht vom Ausgang der Wahl. Sie erlebte gemeinsam mit dem Bundestagskandidaten Jens Koeppen die Auszählung.
Der amtierende Landrat Reinhold Klaus bleibt damit bis zu seinem letzten Arbeitstag im Amt. Auch er wertete die Wahlbeteiligung als "unwahrscheinlich hoch". Noch vor der Stichwahl am 14. März geht Klaus allerdings in den Ruhestand. "Den Staffelstab konnte ich heute also noch nicht übergeben", bedauerte Reinhold Klaus.
Jetzt sind alle Wähler aufgefordert, in zwei Wochen wieder an die Wahlurnen zu treten. Bleibt die Wahlbeteiligung so hoch, könnte dann einer der beiden Kandidaten Landrat werden. Notwendig ist dabei nicht nur die einfache Mehrheit, sondern auch 15 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten.
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