. Anderthalb Wochen vor der Wahl des neuen Oberbürgermeisters ist das Interesse an den Kandidaten groß.
Trotz vielfältiger Veranstaltungskonkurrenz in der Stadt und eines Fußball-Länderspiels kamen am Mittwochabend zum Wahlforum der MOZ mehr als 350 Menschen ins Audimax der Uni. Sie erlebten zwar keine heftigen Wortgefechte, konnten sich aber ein Bild von den Kandidaten und ihren Ideen machen und wurden zumindestens streckenweise dabei auch gut unterhalten.
Einen kleinen Dreikampf hatte die MOZ für ihr Wahlforum angekündigt. Schließlich sind eine Frau und zwei Männer im Rennen um das höchste Stadtamt angetreten: Martin Wilke, parteilos, der von der SPD nominiert wurde und von CDU, FDP, Frauen für Frankfurt und Bürgerbündnis unterstützt wird; Katja Wolle, SPD-Mitglied, die als Einzelkandidatin antritt, und Stefan Ludwig für Die Linke. Alle drei freuten sich sichtlich über die große Resonanz. Doch der Kampf um das Amt blitzte in der vom Leiter des Frankfurter Stadtboten, Heinz Kannenberg, moderierten Runde nur hin und wieder auf. Harte Wortgefechte blieben aus, es ging fair und überwiegend freundlich zu.
Als sich das Audimax nach etwas mehr als zwei Stunden leerte, ging deshalb für manche die Diskussion weiter. "Den wähle ich", sagte ein Mann beim Rausgehen. Doch längst nicht für alle ist die Wahlentscheidung nach dem Forum schon so klar. Nicht jeder war mit den Antworten der Kandidaten zufrieden, wie einige Zuhörer auch deutlich machten. Auch, wo die größten Sympathien lagen, ließ sich nur schwer ausmachen. So gab es am Anfang zunächst nur Beifall für Stefan Ludwig, später war der Applaus eher gleichmäßig verteilt.
Während Katja Wolle erklärte, sie trete an, weil sie es sich auch nach 20 Jahren Bürgermeister sein - siebeneinhalb davon in Frankfurt - noch lange nicht bequem machen will und noch immer nicht genug hat, verwies Martin Wilke auf sein gutes Netzwerk in Stadt, Region und Land, das er für Frankfurt nutzen will. Stefan Ludwig will dagegen sein in seiner Heimatstadt Königs Wusterhausen und in der Landespolitik erworbenes Wissen zum Nutzen Frankfurts einsetzen und hier vor allem Gräben zuschütten. Das lohne sich für alle, auch für die Linke, sagte er - und bekam Beifall.
In Sachen Haushalt prallten das erste Mal die Auffassungen der Kandidaten aufeinander, etwa als Katja Wolle dafür plädierte, auch die Gehälter aller städtischen Geschäftsführer unter die Lupe zu nehmen, und gegen das 180 000 Euro teure Gutachten für die grenzüberschreitende Straßenbahn wetterte, dessen Slubicer Anteil ihres Wissens nach in diesem Jahr nicht bezahlt werde. Stefan Ludwig, der aus einer Kommune mit ausgeglichenem Haushalt kommt, nannte als wunde Punkte neben der zu schwachen Finanzausstattung solcher Oberzentren wie Frankfurt durch das Land und der hohen Sozialausgaben auch Dinge wie Betriebskosten kommunaler Gebäude. "Der normale Betrieb ist an einigen Stellen in Frankfurt zu kostenaufwendig", erklärte er und sagte, dass umgesteuert werden muss. Voraussetzung sei zu sagen, was ist uns so viel Wert, dass dafür Geld ausgegeben werden muss und wo kostet etwas zu viel. Angesprochen auf die gestiegenen Gewerbesteuern, warnte Wilke vor zu viel Euphorie, denn das städtische Defizit sei dennoch hoch. Deshalb müsse überall, auch in der Kultur, gespart werden. Das brauche strategische Ansätze, wo die Stadt hin will. "Ich möchte die Kultur auf hohem Niveau erhalten, aber dazu müssen wir auch die einzelnen Einrichtungen in die Pflicht nehmen, mehr Einnahmen zu erzielen." Ihm fehle da noch Kreativität, sagte er auch angesichts des Umstandes, dass laut einer Umfrage nur sechs bis sieben Prozent der Viadrina-Studenten die Kultur-Einrichtungen der Stadt kennen - Beifall vom Publikum.
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