. Dreimal hatte die Tagesmutter in der Barnimer Behörde angerufen und darauf hingewiesen, dass der einjährige Junge nun schon längere Zeit nicht mehr in ihre Obhut gegeben wurde. Weil das Kind Läuse hatte, hatte die Tagesmutter zuvor die Kindsmutter gebeten, mit dem Jungen zum Arzt zu gehen. Der sollte sein Einverständnis geben, wenn der Junge wieder in die Gruppe kann. Doch dann erschien das Kind gar nicht mehr. Da die Familienverhältnisse beim Jugendamt schon vorher als problematisch bekannt waren und ein Familienhelfer sich zeitweise um die damals noch minderjährige Mutter gekümmert hatte, sorgte sich die Tagesmutter um das Wohl des Kindes und informiere das Jugendamt.
Doch da kam ihre Meldung offenbar anders an. "Durch die Informationen war für die Mitarbeiter zunächst nicht erkennbar, dass es sich um eine Kindesgefährdung handeln könnte", gibt Carsten Bockhardt die Aussagen der entsprechenden Mitarbeiter weiter. "Die hatten es so verstanden, als wenn es nur um das Thema Läuse ging." Außerdem habe die Tagesmutter keinen "Kindesgefährdungsbogen" ausgefüllt. Wie sich später herausstellte, haben die Barnimer Tagesmütter solche Bögen überhaupt nicht. Tätig wurde daher niemand.
Weitere Panne: Die eigentliche Ansprechpartnerin der Tagesmutter war im Urlaub. Die Anruferin wurde mit vier verschiedenen Ansprechpartnern verbunden. Die Vertretung vergaß nach der Rückkehr ihrer Kollegin, die Information weiter zu geben.
Schließlich war es die Kinderärztin, die den kleinen Jungen wegen des Verdachts auf Unterernährung ins Krankenhaus einweisen ließ.
Dass gleich "mehrere Dinge schief gelaufen" sind, gibt Bockhardt zu. "So etwas darf nicht mehr vorkommen. Die Kommunikation muss verbessert werden."
Nach einem klärenden Gespräch mit allen Beteiligten werde es nun Verbesserungen geben, kündigte der Landrat an. "Wir werden alle Tagesmütter anschreiben. Sie werden informiert, wie und wann sie etwas mitteilen."
Die Mitarbeiter des Jugendamtes werden ebenfalls geschult. "Sie bekommen bestimmte Fragetechniken an die Hand", erläutert Bockhardt. "Das ist dann ähnlich wie bei einem Anruf bei der Polizei. Es werden standardisiert bestimmte Punkte abgefragt, zum Beispiel, ob es in der Vergangenheit schon Anzeichen für Kindeswohlgefährdung gab. Das hat in dem besagten Fall gefehlt. Hätte die Tagesmutter angegeben, dass die Familie schon unter Beobachtung des Jugendamtes stand, wären die Mitarbeiter sofort sensibilisiert gewesen. Das wurde aber nicht abgefragt."
Eine Prioritätenliste soll künftig verhindern, dass wichtige Informationen beim Wechsel der Zuständigkeiten untergehen. "Auch sollen sich die Mitarbeiter künftig enger mit dem Sachgebietsleiter abstimmen", so Bockhardt weiter. "Der Vorfall hat auf die Brisanz der Sache aufmerksam gemacht und wird nun zu Verbesserungen führen", ist er überzeugt.
Das Barnimer Jugendamt war bereits im September 2008 schwer in die Kritik geraten. Kinder waren damals aus einer völlig vermüllten Wohnung in Löhme befreit worden. Das Jugendamt hatte in diesem Fall trotz mehrfacher Hinweise aus der Bevölkerung nicht reagiert.
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