. Noch im Oktober hatten die Mürower eine große Benefiz-Veranstaltung zum Kita-Erhalt organisiert, hunderte Unterschriften und 2000 Euro Spenden kamen zusammen. Das ganze Dorf kämpfte geschlossen für einen Erhalt der Kita im Gutshaus. Auch beim MOZ-Stammtisch im Sommer stellten sich viele hinter den Erhalt, darunter der Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen (CDU). "Koste es, was es wolle, die Kita muss erhalten bleiben", sagte er damals.
Der Kampf um die Kita ist nun wohl endgültig beendet. Immer wieder neue Gutachten bescheinigten dem alten Gutshaus einen schlimmen Zustand. Zuerst hatte das Gesundheitsamt im Frühjahr Schimmelbefall festgestellt. Die 28 Kinder mussten aus dem Haus ausziehen. Es gab Überlegungen, das Gutsgebäude zuerst für 30 000, dann 87 000 Euro zu renovieren. Geld, dass die Stadt bereitgestellt hätte.
Doch ein neues Gutachten sah das Haus sogar als einsturzgefährdet an. Die Instandsetzungskosten kletterten auf geschätzte zwei Millionen. Zu hohe Summen.
Nach langen Diskussionen entschied sich der Ortsbeirat dafür, das Gutshaus aufzugeben und stattdessen die alte Schule zum Dorfgemeinschaftshaus auszubauen - ohne Kita. "Es gibt keine Alternative", sagt Ortsvorsteher Jens Wittstock. "Das Gutshaus ist in einem zu schlechten Zustand und in der alten Schule ist kein Platz für die Kita." Er sei traurig darüber, aber er hoffe darauf, dass sich eine Tagesmutter in Mürow niederlässt.
Mehr als traurig sind die Mürower Eltern über das Aus für die Kita. "Ich hab mich damit abfinden müssen", sagt René Mallow zerknirscht. "Als Bürger hat man da ja keine Chance." Sein dreijähriger Sohn Maximilian geht seit September in die Kita in Kerkow. "Für mich ist die Stadt Mitschuld, man hätte das Haus schon vorher besser in Stand halten müssen." Das Gutshaus gehört der Stadt Angermünde, allerdings übernahm sie es von der Gemeinde erst nach der Eingemeindung vor sechs Jahren. Besonders ärgert Vater René Mallow die Informationspolitik der Stadt. "Schleichend ist das Kita-Problem im Sande verlaufen.Man hat das Gefühl einer Hinhaltetaktik. Wir haben unser Kind selber umgemeldet. Nie gab es ein Schreiben der Stadt, dass es die Kita nicht mehr gibt."
Einen Teil der eingesammelten Spenden, 250 Euro, hat Ortsvorsteher Jens Wittstock zurückgegeben. Für die restlichen 1750 Euro wurde der Verwendungszweck geändert, sie sollen jetzt für Kinder- und Jugendarbeit im Ort etwa bei Dorffesten verwendet werden.
Wie geht es weiter mit dem Gutshaus? Noch sind der Chor und die Seniorenbetreuung hier untergebracht. 6000 Euro gibt die Stadt jetzt für ein weiteres Gutachten aus, dass die Tragfähigkeit der Decke ihrer Räume untersucht. Das beschlossen die Stadtverordneten vor Kurzem. Obwohl Steffen George (BfG) meinte, man könne die Vereine gleich irgendwo neu einmieten, das wäre weitaus preiswerter. Denn das neue Gutachten könnte bedeuten, dass auch die Vereine aus dem Haus müssen. "Was dann passiert, ist noch offen. Ich hoffe, dass das Gutshaus nicht einfach verfällt, so wie der Getreidespeicher", sagt Ortsvorsteher Jens Wittstock. Es gebe einen interessierten Investor für das Gutshaus. Angedacht sei ein Mehrgenerationenhaus oder eine Seniorenbetreuung.
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