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03.04.2010 09:12 Uhr

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Filzige Angelegenheit

. Eine Minute und drei Sekunden hat Jens Gerbert mal für eine Schafschur gebraucht. Das war bei der Deutschen Meisterschaft im Speedscheren, wo er den sechsten Platz belegt hat. Im Durchschnitt dauert es drei Minuten, "mal geht ' s schneller, manchmal knetet man aber auch fünf Minuten. Verklebte Wolle schneidet sich nicht gut", sagt der 43-Jährige. Normalerweise lassen die Tiere die Prozedur über sich ergehen, rücklings auf einer Bank liegend: "Wenn ein Schaf alle Viere in die Luft streckt, ist es hilflos wie eine Schildkröte."

Den Schäferberuf hat er in Wettin bei Halle gelernt - an einer von zwei Schäferschulen im Ostblock, wie er erzählt. In Haselberg aufgewachsen, arbeitete Jens Gerbert bis zur Wende bei der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft in Schulzendorf. Danach verdiente er sein Geld mit Holzrücken, machte eine Lehre zum Fliesenleger und schließlich ein Studium in ökologischem Landbau. "Irgendwann kamen Leute und wollten ihre Schafe bei mir scheren lassen", erzählt der Haselberger. Die Aufträge wurden immer größer und jetzt ist er bundesweit unterwegs - als einer von wenigen Schafscherern, die hauptberuflich arbeiten.

Sogar in Australien ist er mal für drei Wochen mit Schafscherern mitgefahren, ein ganz besonderes Erlebnis. Solche riesigen Herden mit fast 20 000 Tieren war er aus Deutschland nicht gewohnt. "Außerdem sind die Schafe kleiner und haben eine ganz feine und weiche Wolle. Die Wollindustrie ist dort ganz groß im Geschäft", erzählt Gerbert. Sogar eine Schafscherer-Gewerkschaft gebe es dort, die für feste Arbeitszeiten sorgt. Bei ihm und seinen Kollegen seien eher Zwölf-Stunden-Tage die Regel, und am Wochenende wird durchgearbeitet.

Wenn Gerbert seine Schweizer Schermaschine ins Auto packt und zu Kunden nach Süddeutschland fährt, ist er schon mal vier Wochen am Stück unterwegs und verbringt die Nächte bei den Schäfern zu Hause oder in Pensionen. "Das war am Anfang gewöhnungsbedürftig", erzählt seine Frau Denise. Auch für die Kinder Paul (11), Gino (18) und Susanna (24). Mittlerweile hat sich die Familie darauf eingestellt, dass Papa ab und zu nicht da ist und freut sich über ruhigere Zeiten wie dieses Osterwochenende. Paul will sogar in die Fußstapfen seines Vaters treten: "Aber wenn sie klein sind, wollen sie das alle", sagt Gerbert achselzuckend.

Der Kleine durfte ihn auch einmal auf einer Tour begleiten, und Denise Gerbert freut sich schon auf den nächsten Termin im Eberswalder Zoo. Denn ihr Mann schert nicht nur Schafe, sondern auch Esel, Alpakas und Lamas. Die sind allerdings lange nicht so zahm wie die Lämmer: "Lamas sind relativ wild, vor allem die Hengste mit ihren Reißzähnen", erzählt Gerbert. Um sie zu bändigen, müssten mehrere Helfer zupacken.

Über zu wenig Arbeit kann er sich jedenfalls nicht beklagen. Schließlich müssen die Schafe laut Tierschutzgesetz einmal im Jahr geschoren werden. "Sonst wächst Gras raus", sagt Gerbert und meint das ganz ernst. Denn in der verfilzten, feuchten Wolle kann der Grassamen prächtig gedeihen. Außerdem könne die Haut unter dem bis zu zwölf Zentimeter langen Haar nicht atmen, die Tiere fühlten sich nicht wohl, würden krank. Pro Schaf holt Gerbert rund vier Kilo Wolle herunter.

Mehr als 60 Stammkunden hat er in Deutschland und Polen - Privatleute mit ein paar Alpakas genauso wie Herden mit mehreren Tausend Schafen. Gemeinsam mit einem Bekannten hat sich der gelernte Schäfer in Haselberg auch wieder eine Schafherde mit 60 Tieren zugelegt. Das Schafscheren sei wie Hochleistungssport: "So spare ich mir das Fitnessstudio. Und Rückenschmerzen kriege ich nur, wenn ich im Sessel sitze", sagt Gerbert und grinst.

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