Biesenthal (moz) Die demografische Entwicklung wird die Region verändern. Gibt es keinen Umkehrtrend, werden nicht alle Nahverkehrsverbindungen, Geschäfte und Dienstleistungsangebote zu halten sein. Das geht aus einer Analyse des Amtes Biesenthal-Barnim über die Einwohnerzahlen hervor.
Seniorenbetreuung im Blickpunkt: Betreuerin Claudia Remmert löst in der Tagespflegestation des Seniorenzentrums „Regine Hildebrandt“ Kreuzworträtsel mit Anna Hahn, Klaus-Dieter Weislowski und Anna-Maria Runge (v.l.) Foto: Ernst Günter Ehlert
Am krassesten fällt der Vergleich der Gruppe der bis zu Zehnjährigen mit den 41-bis 50-Jährigen aus. Alle Orte des Amtes zusammen genommen haben 2266 Bürger in dieser Altersklasse, aber nur 967 Kinder im Alter bis zu zehn Jahren. Das ist weniger als die Hälfte. Dies bedeutet künftig einen viel höheren Anteil älterer Bürger in den Gemeinden und in der langfristigen Folge jedoch in etwa eine Halbierung der Einwohnerzahlen.
In der Mehrzahl der Orte gibt es bei den bis zu zehn Jährigen nur noch die Hälfte oder ein Drittel der Anzahl der Gruppe der 41 bis 50 Jahre. In Danewitz ist das Verhältnis noch drastischer: 11 (0-10 Jahre) zu 57 (41-50) und ähnlich in Ruhlsdorf mit 23 (0-10) zu 86 (41-50 Jahre).
Die 41- bis 50-Jährigen sind mit 2266 die stärkste Bevölkerungsgruppe im Amtsgebiet überhaupt. Es folgen mit 2002 die 51- bis 60-Jährigen und mit 1459 die 61- bis 70-Jährigen. Die kleinste Gruppe sind die Elf- bis 20-Jährigen. Zu dieser Gruppe zählen 904 Bewohner im Amtsgebiet. Dies zeigt zugleich den dramatischen Trend, der lediglich durch den kleinen Lichtblick von einer Zunahme bei den bis zu Zehnjährigen aufgehellt wird. Dazu gehören 967 junge Menschen im Amtsgebiet.
Für die kleinen Gemeinden des Amtes zog Angelika Hummel von der Amtsverwaltung Biesenthal-Barnim in der Gemeindevertretersitzung in Breydin das Fazit, dass junge Menschen zunehmend abwandern, die Bevölkerung schrumpft und überaltert, Auslastung und Erhalt von Infrastruktur schwieriger werden und sich die Ausgaben für die Seniorenbetreuung erhöhen werden. Man könne aber auch davon ausgehen, dass die meisten älteren Bürger bis ins hohe Alter aktiv seien und ihr Leben selbstständig gestalten könnten. „Erforderlich ist auch, eine kommunale Seniorenpolitik in Angriff zu nehmen“, so Angelika Hummel.
Jetzt müsse man zudem der Abwanderung junger Menschen entgegen wirken. Angelika Hummel sprach davon, eine „Wohlfühlatmosphäre“ zu schaffen und das „Wir-Gefühl“ in den Gemeinden zu stärken. „Die Situation bedeutet aber auch, familienfreundliche Angebote zu fördern und auszubauen“, sagt die Fachfrau von der Amtsverwaltung.
Breydins Bürgermeister Peter Schmidt verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Gemeinde mit dem Standort von Repower einen Vorteil habe. Mit den dort vorhandenen mehr als 200 Arbeitsplätzen gebe es einen Magnet, der junge Leute in die Gemeinde zieht. Mit Blick auf das Landhotel sprach er davon, dass dort vielleicht seniorengerechte Wohnungen eingerichtet werden könnten.
In der Gemeinde Melchow wird man sich demnächst in der Gemeindevertretersitzung ausgiebig mit der demografischen Entwicklung befassen, kündigte Bürgermeister Wolfgang Lindt an. „Zum einen müssen wir das Leben im Alter lebenswert gestalten und zum anderen ist es auch wichtig, junge Leute heranzuziehen“, sagte das Melchower Gemeindeoberhaupt. Er glaube, dass man in Melchow mit dem Touristischen Begegnungszentrum schon einen guten Anfang gemacht habe. „Es wird gut angenommen, auch von den jungen Leuten. Zum Beispiel gibt es eine ganz aktive Tischtennisgruppe.“ Nicht zuletzt verweist der Bürgermeister auf vorhandenes Bauland, auf dem junge Leute bauen könnten, darunter auch das Gebiet „Am Rüggen“, das sogar schon erschlossen sei. Darum müsse man sich kümmern.
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