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Peter Buske 02.03.2015 18:50 Uhr

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Die Macht des Gesanges

Frankfurt (Oder) (MOZ) Was einer jung gebliebenen 200-jährigen alten Dame zu ihrem Geburtstag schenken? Um keinen Reinfall zu erleben, erfüllte sie sich, die einst auf den Mädchennamen "Singe-Gesellschaft in Frankfurt a. d. Oder" hörte und nun von der laudatierenden Kulturministerin Sabine Kunst (SPD) als "chorisches Aushängeschild des Landes Brandenburgs" bezeichnet wurde, ihren Geburtstagswunsch selbst. Und bestellte beim renommierten Komponisten Siegfried Matthus eine entsprechende Gabe.

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Restlos gefüllt: Sänger und Musiker auf der Bühne, davor der ausverkaufte Zuschauerraum der Konzerthalle.

© Winfried Mausolf

Der Meister lieferte, und zwar ein Oratorium, das "Von der Macht des Gesanges" kündet. Den Text dazu lieferte die Librettistin Eika Herlyn, die der Frage nachspürte: Wie sähe eine Welt aus ohne Gesang, ohne Klänge? Sehr unwirtlich, denn Musik und Gesang sind "die direkteste künstlerische Ausdrucksmöglichkeit, welche dem Menschen gegeben ist", so Chordirektor Rudolf Tiersch in der Festschrift. Er weiß, wovon er spricht und wofür er in Frankfurt seit knapp 30 Jahren höchst erfolgreich tätig ist. Und so ist ihm Matthus' Novität zugleich willkommener Seelenbalsam, die er am Sonntag in der voll besetzten Konzerthalle beim Festkonzert mit allen Chorgruppen der Singakademie und dem Staatsorchester im Rahmen der 50. Musikfesttage an der Oder erfolgreich uraufführte.

Das Podium ist mit den Musikern und fast allen Chorgruppen restlos gefüllt. Dagegen müssen sich der Jugend- und auch der deutsch-polnische Projektchor "Singing All Together" vor dem Podest platzieren. Doch ehe sie alle von ihrem exzellenten Können künden, erfüllt martialisches Schlagwerkgetöse den Raum. Was suggeriert, dass Krieg und Chaos in der Welt sind - aktueller Ausgangspunkt für den von der Librettistin skizzierten Zustand einer Zivilgesellschaft.

In der herrscht die von Luzifer (kraftvoll und gestaltungsintensiv Bassbariton Jared Ice) angefeuerte Geldgier effizienzsüchtiger Einzelkämpfer, Digitalitis, Facebook-Wahnsinn. Die Folge? Eine von Stille gelähmte Erde. Aoide, die griechische Muse des Gesangs, will sich damit nicht abfinden (lyrisch und kämpferisch: Marija Mitic). Im ständigen Widerstreit mit dem Teufel will sie den Menschen den Gesang wiederbringen. Als erstes beginnen die Kinder mit ihren Liedern. Luzifer muss klein beigeben. Umso stärker ist die Macht des Gesanges, der im nunmehr von allen angestimmten Kanon "Dona nobis pacem" als hoffnungsfrohe Botschaft an die menschliche Vernunft kulminiert.

Zwischen Getöse, Klagegesang und zaghaften Versuchen, dem Bösen zu widerstehen, bis hin zum Siegeshymnus ist dem Komponisten erneut ein "typischer Matthus" gelungen. Er hat Klänge erschaffen, die einen sofort anspringen und ansprechen. Weil sie auf einem unmittelbaren, verständlichen, bildhaften und sehr differenzierten musikalischen Ausdruck basieren.

Das alles ist raffiniert instrumentiert, stellt anspruchsvolle, bewunderungswürdig gelöste Aufgaben an alle Mitwirkenden. Mit stehend dargebrachtem Beifall wird der Tonschöpfer gefeiert. Schade nur, dass bei allem sängerischen Engagement des Chores und der Solisten vom Text nur wenig zu verstehen ist. Dagegen können im ersten Teil des Festkonzertes alle Chorgruppen in A-cappella-Stücken aus fünf Jahrhunderten mit ihren gestalterischen und stimmtechnischen Fertigkeiten brillieren. Während der Große Chor der Singakademie sieben Stücke präsentieren darf (und in der einleitenden, jubilierend gespielten "Akademischen Festouvertüre" von Johannes Brahms das instrumental zitierte Studentenlied "Gaudeamus igitur" anstimmen darf), müssen sich die anderen Chöre mit nur je zwei Stücken begnügen. Doch auch so dauert die musikalische Geburtstagsfeier knapp dreieinhalb Stunden, lobpreisend die Macht des Gesanges.

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