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Dauerzustand Lehrermangel

Leere Klassenzimmer
Leere Klassenzimmer © Foto: dpa/Peter Endig
Michael Dietrich / 17.03.2015, 08:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Am Montag fehlten in der Talsandschule vier Lehrer. Mathematik, Deutsch, Geschichte und LER fallen aus. Nur wenige Stunden können vertreten werden. Die Schule hat seit Jahren mit Unterrichtsausfall zu kämpfen. Jetzt hat sich ein Elternsprecher im Ministerium beschwert.

Steffen Knauthe aus Schwedt hat zwei Söhne an der Schule. Der Ältere bekam in Klasse 8 und 9 überhaupt keine Note in Kunst. Gleich zu Beginn der 10. Klasse fällt Deutsch-Unterricht regelmäßig aus. Sein jüngerer Sohn bekommt statt regulär vier nur noch drei Wochenstunden Deutsch-Unterricht. In seinem Brief ans Bildungsministerium beschwert sich der Elternsprecher darüber und fordert, dass schnellstens Abhilfe geschaffen wird. "Die Situation ist nicht hinnehmbar. Ich möchte einfach nicht, dass den Kindern schon in der Schule die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbaut werden. Wenn verbeamtete Lehrer in Brandenburg nicht dorthin versetzt werden können, wo sie gebraucht werden, dann stimmt doch hier was nicht", ärgert sich der Vater. Die Zustände schilderte er ebenso im Bildungsausschuss der Stadt.

Die Anzeigetafel für den Vertretungsplan in der Caféteria der Talsand-Schule ist zu klein, um alle Ausfallstunden anzuzeigen. Deshalb läuft unter der Tabelle ein Newsticker mit der Botschaft: "Montag, 16.03.15: Unterricht bei Frau Schwandtke, Herrn Bieligk, Frau Geißler, Herrn Pieper frei!" Gemeint ist, dass der Unterricht dieser Lehrer ausfällt. Die Lehrer sind krank. Normaler Alltag an der Schule. Rektor Hartmut Zimmermann und Konrektorin Gudrun Riehl mühen sich um Vertretungen, engagieren stundenweise ehemalige Lehrer zur Aushilfe, verlegen Nachmittagsstunden vor, um den übrigen Unterricht zu bündeln. Doch es bleibt eine Verwaltung des Mangels. Lehrermangels.

48 Lehrer sollten an der Schule sein. Wenn wie im vorigen Jahr gleich mehrere Lehrer für Deutsch und Kunst dauerhaft ausfallen, die Neueinstellung aus Jena eine Woche vor Unterrichtsbeginn per Mail absagt, dann kann die Schule auch normale Krankmeldungen wegen einer Grippe nicht mehr kompensieren. "Unser Problem sind Langzeiterkrankungen einiger Lehrer. Wir brauchen dringend wieder junge Kollegen", erklärt Hartmut Zimmermann. Die Vertretungsreserve, um Ausfälle zu kompensieren (in Brandenburg angeblich drei Prozent) käme in seiner Schule nicht an.

"Wir haben höchstens 15 Stunden mehr, theoretisch. Lehrer dafür haben wir keine", erklärt der Rektor. Auch Brandenburgs Antwort auf den Lehrermangel - freie Budgets, um Vorruheständler und Rentner zur Aushilfe anzustellen - ist für die Talsandschule nur ein schwacher Trost. "Finden Sie mal Lehrer!", klagt Zimmermann. Immerhin, eine ehemalige Kollegin sichert zurzeit ab, dass in der 10. Klasse ausreichend Deutschstunden stattfinden, mehr darf sie schon nicht dazuverdienen. Ein weiterer Kollege aus dem Vorruhestand hilft in Mathe aus.

Dennoch musste die Schule die Wochenstunden in Deutsch reduzieren, damit alle Klassen wenigstens wieder regelmäßig Deutsch haben. Kunst bleibt problematisch, im August soll eine Kollegin kommen. In Englisch werden Kurse wieder im Klassenverbund unterrichtet, Förderunterricht findet so gut wie gar nicht mehr statt. "Gute Schule ist anders", gibt auch Zimmermann zu.

Die kurzfristig anberaumten Aushilfen aus Angermünde und Wriezen - immerhin das scheint der Weckruf von Steffen Knauthe erreicht zu haben - werden jedoch das Lehrerproblem der Schule dauerhaft nicht lösen. Sechs neue Lehrer hat Hartmut Zimmermann für nächstes Schuljahr als Bedarf beim Schulamt angemeldet.

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SaahKjoooht 20.03.2015 - 22:58:11

OMG! Es fehlen 4(!!) von 40 Lehrern!

Einfach unglaublich, wie man einfach die Namen von angeblich fehlenden Lehrern erwähnen konnte! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die entsprechenden Lehrkräfte vorher gefragt wurden, ob man ihre Namen veröffentlichen darf und das ist echt dreist! Von Persönlichkeitsrechten hat der Redakteur anscheinend noch nichts gehört... (Da würde ich sofort ganz im social media style #anzeigeistraus sagen.) Woher weiß man denn eigentlich sicher, dass die jeweiligen Lehrer krank waren und nicht vielleicht doch auf verpflichtenden Fortbildungen anwesend gewesen sind? Und dass die Ausfalltafel "zu klein" ist, "um alle Ausfallstunden anzuzeigen" ist ebenfalls kompletter Schwachsinn. Da hätte man mal lieber fragen sollen, warum das so ist und nicht gleich irgendwelche weit hergeholten Behauptungen in den Raum stellen sollen. Dieser Artikel schadet meiner Meinung nach definitiv dem Ruf der Schule. Hier wurde definitiv aus einer Mücke ein Elefant gemacht.

L'OsservatoreRomano 18.03.2015 - 22:18:45

Ich wundere mich...

Ich wundere mich nach wie vor über die Nennung der Namen der vier fehlenden Lehrer. Die stehen nämlich gar nicht, wie hier vermutet wurde, auf dem Online-Vertretungsplan! Mir stellt sich die Frage: Wie ist der Redakteur nun ausgerechnet auf diese Namen gekommen? Ich sehe nämlich keinen Beleg am Vertretungsplan. Ist er in die Schule gegangen und hat direkt gefragt? Oder gar wahllos Namen aufgelistet? Würde mich brennend interessieren! Ich finde es nach wie vor nicht gut, einzelne Werktätige namentlich zu benennen, das wirkt fast wie eine Anklage! Wie sieht der Verfasser des Artikels dieses Vorgehen? Und: Die Talsandschule kommt sehr schlecht weg im Artikel. Das finde ich ungerecht, denn ich weiß, daß es an anderen Schulen nicht besser (teilweise viel schlimmer!) aussieht. Ist diese einseitige Hervorhebung gelungen? Ich glaube nicht!

Rotlackiert 18.03.2015 - 20:22:59

Stimtmt

@Frank, verbessert trotzdem nichts an der Aussage, die können es nicht, vor allem nicht bei der

Frank 18.03.2015 - 20:05:40

Rotlackiert

auch in Baden-Württemberg wird seit einigen Jahren - leider mit Erfolg - ein ehemals vorbildliches Bildungssystem platt gemacht. Seit die Regierung dort eine grün-rote ist. Schlimm dabei: kein nennenswerter Widerstand der Elternschaft oder der Lehrer.

Rotlackiert 18.03.2015 - 19:16:48

@Th Schlatz

Nur paar Anmerkungen. Sicher sind viele Eltern, wenn es sie als solche noch gibt, Patchworker, Singleerziehende überfordert mit der Erziehung ihrer Kinder. Dafür hat der Bund der linken Forderung nachgegeben und das Programm, welches durch das Sprachrohr der Wirtschaft der BertelsmannStiftung heiliggepriesen wird ins leben gerufen mit dem Titel: Kinder ab ins Heim, in die Kitas und ähnliches. Nur der Staat kann Kinder erziehen. Die die allle Linken sind nicht in der ersten Legeslatur in Brandenburg mit tätig. Im Gegenteil, überall wo sie in den Ländern mitnestimmen konnten, ging es mit der Bildung rasant talwärts. Jüngstes Beispiel sind die Entscheidungen in thüringen. Ein funktionierendes Bildunggssystem soll da platt gemacht werden. Daher ist die Kritik an die Linken genauso berechtigt, wie die an der SPD. Das die SPD Bildung nicht kann sieht man im Vergleich der Bundesländer. Überall wo Rot, Rot-Grün oder Rot-Rotbrasun an der Macht ist, steht man in den Ländervergleichen erfolgreich auf den letzten Plätzen. Das ist nun mal der fakt und man könnte über die roten unzulänglichkeiten der letzten 40 jahren noch zahlreich rferieren. Nicht zum Positiven. Bloß die Wähler wo9llen es scheinbar nicht ander4s, da ihnen die Bildung nur dann wichtig ist, wenn sie nicht funktioniert und bei den nächsten Wahlen ist das alles wieder vergessen. Leider.

Th.Schlatz 18.03.2015 - 14:40:54

Schussfeld

Wir sollten mal die Lehrerschaft ein wenig aus dem Schussfeld nehmen und über die Eltern sprechen, die immer wieder, teilweise im übelsten Ghettojargon, die Lehrer ihrer Kinder beschimpfen, mit Anwälten drohen usw.. Da gibt es in nicht wenigen Klassen Kinder, die von Hause aus das Wort Regel noch nicht gehört haben und in der Schule über Tische und Bänke steigen. Lehrer möchte ich heute nicht sein. Und für die, die immer wieder über Rot-Rot herfallen: Das Problem Lehrermangel löst man nicht von heute auf morgen und es entstand auch nicht erst in den vergangenen 6 Jahren. Das ist ein deutliches SPD - und Schulamtproblem. Wo kamen denn die Bildungsminister her? Da wurde in der Vergangenheit versäumt, vorausschauend zu planen und Lehrer entsprechend auszubilden, Anreize zu schaffen, auch in ländlichen Regionen unterrichten zu wollen. Und die Bürokratie und Unfähigkeit in den Schulämtern ist riesig.

Marcel 18.03.2015 - 06:48:31

Albert-Schweitzer-Oberschule Beeskow

Es ist zur Zeit echt Schlimm!!!!! Liebes MOZ Team ihr solltet mal prüfen wie viele Stunden in Beeskow zur Zeit ausfallen...... es ist unglaublich! Einige Fächer wurden in den 7. Klassen seit den Ferien so gut wie gar nicht unterrichtet.... (Mathe) LG

Anne Schwarz 18.03.2015 - 05:57:31

Merkwürdig...

... dass der Krankenstand explizit bei der Lehrerschaft und bei der Polizei (MOZ berichtete vor zwei Wochen) extrem hoch ist. Ein Schelm, der da Böses denkt....

Tobias B. 17.03.2015 - 23:58:32

Da ist aber ein gewaltiger Unterschied...

...zwischen Meckern und berechtigter Kritik. Und nur weil die Vertretungspläne online gestellt werden, möchten die betreffenden Lehrer ganz sicher nicht ungefragt in der Zeitung ihre Namen lesen müssen. Die Internetseite besuche , wenn überhaupt, nur Schüler und Eltern, die MOZ lesen einige Zielgruppen mehr. Drum ist mein Einwand nicht "mies" (sehr unpassend gewähltes Wort im Übrigen), sondern berechtigt. So etwas gehört sich nicht! Und es tut im Übrigen auch nichts zur Sache die Namen dort zu erwähnen...doch: ein paar Wörter mehr...auf die kommt es ja auch an bei einer Zeitung.

Gartzer 17.03.2015 - 23:47:06

Meckerköpfe

Heutzutage stellt fast jede Schule ihre Vertretungspläne Online ins Netz und außerdem sind Schulen öffentliche Einrichtungen. Da jetzt die Zeitung zu beschimpfen ist mies.

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