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Oliver Schwers 19.04.2015 07:16 Uhr
Red. Uckermark, schwedt-red@moz.de

details/dg/0/

Versuchsanlage ohne Nutzung

Biesenbrow (MOZ) Ein Großraumlabor für den Landschaftswasserhaushalt liegt in Biesenbrow. Wissenschaftler untersuchen hier die neue Nutzung alter Niedermoore. Doch bürokratische Hürden verhindern die angedachte volle Auslastung der mit viel Geld geschaffenen Pilotanlage.

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Pilotanlange Biesenbrow

© MOZ/Oliver Voigt

Die Idee war fast schon genial: Man nehme Schmutzwasser aus den Haushalten der Dörfer, kippe es in eine mechanisch-biologische Reinigung und lasse anschließend das Wasser über einen natürlichen Filter in ein altes vom Absterben bedrohtes Niedermoor fließen. Davon könnten alle Seiten profitieren: Die Abfuhrwege für Klärwasser würden kurz sein, das frühere Grundwasser würde dem Landschaftswasserhaushalt wieder zufließen und das Niedermoor könnte als riesiger Wasserspeicher für trockene Zeiten fungieren.

Aber so einfach wie sich das die Wissenschaft denkt, läuft das in der Praxis eben nicht. Die einst mit fünf Millionen Mark gebaute Pilotanlage in Biesenbrow wird kaum ausgelastet. Jahrelang stand die Fläche zwischen dem Ort und dem Schönermarker Bahnhof ganz leer und trocknete weiter vor sich hin. Denn aufgrund vieler gesetzlicher Regelungen darf eben kein Abwasser ohne Weiteres in so ein Versuchsprojekt gekippt werden. Vor allem die EU-Vorgaben zum Gewässerschutz sind das größte Hindernis, obwohl die fast zehn Hektar große Pilotanlage mit zwei Teichen und einem Bio-Feld hintendran extra für den Landschaftswasserhaushalt angedacht war. "Man könnte die Anlage voll mit den Abwässern aus Biesenbrow beschicken", sagt Karsten Stornowski vom Wasser- und Bodenverband Welse. "Aber eine dauerhafte Nutzung dieser Art ist nicht vorgesehen." Denn niemand will die Verantwortung übernehmen, falls doch unvorhergesehene Altlasten entstehen. So lässt der Wasser- und Bodenverband nun die Fläche als Großlabor für die Wissenschaft stehen. Die hat sich auch bereits zu schaffen gemacht. Wissenschaftler aus Eberswalde, aus Berlin und Müncheberg arbeiten mit dem Wasser- und Bodenverband zusammen. Das Ziel ist klar: Einerseits will man Wasser in der Landschaft halten, um gegen den Klimawandel und extreme Witterungsverhältnisse gewappnet zu sein. Andererseits will man die einst meliorierten Niedermoore vor dem kompletten Austrocknen retten und wiedervernässen.

So fanden die Mitarbeiter einen Kompromiss, in dem sie vorsichtigerweise geklärtes Wasser aus Passow und Klarwasser in einem Umfang von 11 000 Kubikmeter miteinander mischten und dann in die Anlage brachten. Sie untersuchten dann in einer zweijährigen Versuchsphase den Boden und beobachteten das Grundwasser. Auf mehreren Hektar wurden anschließend Schilf und Seggen als Biomasse geerntet. Fazit: Bei einem stabilen Wassermanagement ist auf wiedervernässten Mooren sogar eine Wertschöpfung durch Biomassenutzung möglich. Genau das will auch der Wasser- und Bodenverband. "Man könnte im Grunde diese Nutzungsform auf die komplette Randow-Welse-Sernitz-Niederung übertragen", sagt Karsten Stornowski. Einige Landwirte hätten daran durchaus Interesse gezeigt. Sie wissen, wie wichtig natürlich Wasserspeicher in trockenen Jahren sein können. Bei einer Nutzung solcher Vernässungsflächen käme dann sogar ein betriebswirtschaftliches Plus heraus.

Ob solch ein Großraumversuch wirklich Realität wird, muss die Zukunft zeigen. Die Wissenschaft arbeitet weiter daran. Und der Wasser- und Bodenverband will die Biesenbrower Pilotanlage weiter für ähnliche Untersuchungen instand halten. Allerdings müssten sich dann auch gesetzliche Bestimmungen ändern.

Dazu zählt auch die Verantwortlichkeit über die Niedermoorstandorte. Denn bislang ist nicht gesetzlich geregelt, wer eigentlich für die Wasser-Rückhaltung in genutzten Niedermooren zuständig ist.

Zurzeit steht die Anlage in Biesenbrow wieder still. Derzeit läuft kein wissenschaftliches Projekt.

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