to_top_picture
Anmelden
Anmelden

Dienstag, 19. September 2017
ABO-ButtonePaper-ButtonKONTAKT-Button


Sie haben 8 von 10 Gratis-Artikeln gelesen.
x
Registrieren Sie sich jetzt und lesen Sie im Monat bis zu 20 Artikel kostenlos.
Jetzt kostenlos registrieren
Bereits registriert? Bitte anmelden

Frauke Adesiyan 01.05.2015 05:15 Uhr - Aktualisiert 01.05.2015 07:25 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

details/dg/0/

"Ich gehöre zu etwas Großem"

Frankfurt (MOZ) Das große Festwochenende steht bevor. Am Sonnabend lädt die Singakademie zum Konzert (16 Uhr) und Festball (20 Uhr) in der Messehalle. Am Sonntag folgt um 16 Uhr in der Konzerthalle das Frühlingssingen. Über den Stress im Jubiläumsjahr sprach Frauke Adesiyan mit Chordirektor Rudolf Tiersch.

details/dg/0/1/1386876/
 

Projektchor Singing all together

© Lothar Tanzyna

Vor 200 Jahren gründete eine Handvoll Frankfurter die Singakademie. Wie viel ist von diesem Geist heute übrig?

Auch heute engagieren sich Bürger, um die Stadt lebenswerter zu machen. Wir geben Benefizkonzerte - damals für die Armen, heute für die Glocken von St. Marien oder den Lennépark. Am allerwichtigsten war damals und ist heute die Freude an der Musik und am Musizieren.

Sehen Sie die Leistung der Singakademie genügend gewürdigt?

Man will und kann nicht permanent gestreichelt werden. Aber die Stadt hat sich in den entscheidenden Punkten zu uns bekannt. Ich würde mir nur manchmal wünschen, dass man uns als den städtischen Chor wahrnimmt.

Das Publikum vergisst bei der Singakademie oft, dass es Laien vor sich hat. Wie erreichen Sie diese Professionalität?

Üben, üben, üben. Da stecken unzählige Stunden drin und großes Engagement. Die meisten können am Anfang keine Noten lesen und nicht vom Blatt singen.

Verlangen Sie viel Disziplin?

Ich könnte noch mehr verlangen , das gebe ich zu. Derzeit bin ich dran, dass Handys in den Proben verboten sind.

Was erwarten Sie von dem Festjahr für ihre Chöre?

Ein Erfolg ist es, wenn sich bei den Mitgliedern das Gefühl durchsetzt: Ich gehöre hier zu etwas Großem. Toll wäre es auch, wenn sich mehr finden würden, die mitsingen wollen.

Woran hakt es bei ihrer Mitgliedersuche?

Wenn alle bleiben würden, die wir ausgebildet haben, hätten wir keine Probleme. Inzwischen kommt hinzu, dass die Jüngeren nicht mehr die DDR-Erziehung genossen haben, sie sind nicht mehr des Singens mächtig.

Im nächsten Jahr sind Sie 30 Jahre Leiter der Singakademie. Hätten Sie 1986 gedacht, dass sie so lange dabei bleiben?

Ich hatte damals die Angst: Das war es jetzt, viel höher, viel schöner geht ja nicht. Gerade in der Nachwendezeit war es aber mehr als reizvoll die Singakademie am Leben zu halten. Es war nicht immer abzusehen, dass wir es schaffen. Es gab hin und wieder Vorstöße, warum man uns nicht mehr braucht. Da musste ich hellwach sein und dagegen vorgehen. Heute dürfte das kaum noch einer so denken.

Nach all den Jahren und diesem Jubiläum - wie erholen Sie sich?

Schön wäre es, wenn ich mal eine längere Zeit lang Kraft tanken könnte. Ich würde gern ganz allein auf meinem Boot über die Ostsee fahren. So lange das Adrenalin fließt und Druck ist, merke ich die Erschöpfung nicht. Aber wenn so ein Höhepunkt vorbei ist, wird das Loch, in das ich falle, immer größer.

Was schreiben Sie der Singakademie in die Geburtstagskarte?

Dass sie weiter blüht und gedeiht, mit vielen frischen, engagierten Mitgliedern, die Freude daran haben, Musik zu machen und darzubieten. Dass sie weiter ein wichtiger Kulturträger der Stadt bleiben kann. Dass es nicht an Einzelleuten zerbricht.

Werden Sie den Chören denn treu bleiben?

Als Rentner werde ich nicht mehr dabei sein. Das geht nicht. Da muss man einen absoluten Schnitt machen. Ich habe die Angst, dass nach mir keiner gefunden wird, dass man nicht genug Honorar bereitstellt, um jemanden mit Niveau zu verpflichten.

Aber im Publikum werden Sie bei Chorkonzerten doch sitzen, oder?

Ach, man wird dafür, dass man seine ureigenste Liebe, die Musik, zu seinem Beruf machen durfte, bestraft. Ich kann der Musik von anderen kaum mehr genussvoll zuhören. Es rattert permanent. Alles wird automatisch sofort seziert.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Artikel kommentieren   Lesezeichen setzen   Nachricht an die Redaktion   Druckversion

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel
MOZ

Ort, PLZ oder Redaktion