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Wagner-Ausstellung in Cottbus: Liebe zum Griffigen

Thomas Klatt / 22.03.2016, 10:02 Uhr
Cottbus (MOZ) Hans-Georg Wagner ist ein guter Erklärer. Gern nutzt er solche Gelegenheiten wie den Start seiner eigenen Ausstellung, um das Erwartete "lustvoll zu unterlaufen". Und hält gleich seine eigne Rede darüber, was in der Cottbuser Galerie 23 zu sehen ist. Das hat den Vorteil, dass die übliche langwierige theoretisch-fundierte Laudatio ausfällt.

Wagner redet Klartext. Dass er nun schon 30 Jahre in Cottbus - früher weniger, heute mehr beachtet - Kunst macht. Dass er eigentlich vom Design kommt und noch immer davon träumt, "Räume zu öffnen". Das Holz habe es ihm angetan, überhaupt alles, was ein Relief, was griffige Oberflächen zu bieten habe und haptisch "begreifbar" sei. Dieser Raum der Galerie 23 sei ein schwieriger Partner, sagt Wagner. Da ist bei ihm viel Ehrfurcht vor dem alten Holzboden, der selbst genug Struktur aufzuweisen hat. "Am liebsten hätte ich hier einfach nur das Holz signiert", sagt er launig. Das nun würde man ihm doch übelnehmen, deshalb habe er Eigenes mitgebracht.

"Frühlingssinfonie" nennt Wagner seine aktuelle Ausstellung. Die Figur ist noch immer das Grundthema des MOZ-Kunstpreisträgers. Den Umgang mit ihr nennt er einen "permanent offenen Prozess". Kaltnadelradierungen, die hier auch zu sehen sind, seien dagegen seine spontanen Arbeiten.

Bei großformatigen Holzschnitten arbeitet er mit japanischen Shoji-Papier. Das nicht gilbende, sehr stabile Paper benutzen die Japaner auch zum Wohnungsbau - zum Beispiel für verschiebbare Innenwände. In Cottbus hängen die Blätter nacheinander mit wenig Platz dazwischen, sie zwingen den Betrachter in den schmalen Raum hinein und wirken beinahe wie ein Wäscheplatz mit zu kurzem Leinenabstand. "Tarnkunst für die Konflikte des 21. Jahrhunderts" heißt diese Serie der Drucke, die der Besucher allerdings am Tage sehen sollte. Das besondere Papier verlangt sein Recht auf Tageslicht.

Dass Wagner auch in Bronze kann, zeigen mehrere kleinere Figuren. "Tänzerin im Sturm" heißt eine und erinnert unweigerlich an einen Ulla-Meinecke-Song. Auch die anderen sind in Haltung und Profil oftmals reellen Personen zugeordnet.

Und natürlich die Holzskulptur - Wagners "Markenkern" - ist vertreten, mehrmals in Lebensgröße. Die Figuren heißen "breit aufgestellt" oder noch einmal "Tänzerin", die im Nebentitel zu einer "Galionsfigur" wird.

Manche von Wagners Bildern, mehr wie Reliefs wirkend, sind mit einem QR-Code versehen. Wer mit dem Smart-phone draufhält, erfährt etwas über Entstehungsgeschichte und Hintergründe - in jedem Fall Zusatzinformationen. Revolutionär ist das nun nicht, aber manch altgedienter Vernissage-Gänger rümpft die Nase. Dabei handelt es sich um eine Idee von Wagners Sohn Peter, der auch die Eröffnung hervorragend auf der Gitarre begleitete.

Für den Herbst bereitet Hans-Georg Wagner eine große Design-Ausstellung vor.

bis 16. April: Hans- Georg Wagner "Frühlingssinfonie", Galerie 23, Cottbus, Führungen des Künstlers am 4. und 16. April, jeweils 15 Uhr, Tel: 0355 702357

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