to_top_picture
Anmelden
Anmelden

Samstag, 23. September 2017
ABO-ButtonePaper-ButtonKONTAKT-Button


Sie haben 8 von 10 Gratis-Artikeln gelesen.
x
Registrieren Sie sich jetzt und lesen Sie im Monat bis zu 20 Artikel kostenlos.
Jetzt kostenlos registrieren
Bereits registriert? Bitte anmelden

Heike Weißapfel 08.04.2016 06:22 Uhr
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

details/dg/0/

Von der Anatomie zur Kunst und zurück

Bergfelde (OGA) Anatomie von Mensch und Tier, sichtbar gemacht mit den Mitteln der bildnerischen Kunst, ist das Thema einer Ausstellung, die der Bergfelder Professor Dr. Manfred Zoller jetzt im Tieranatomischen Theater auf dem Berliner Charité-Campus zeigt. Seine Studenten haben unter seiner Lehre Anschauungsmodelle entwickelt.

details/dg/0/1/1472750/
 

So bewegt sich die Hirschkuh: Gelenke, Muskeln, Knochen und ihr Zusammenspiel sind Themen einer Ausstellung, die jetzt im Berliner Tieranatomischen Theater auf dem Charité-Campus zu sehen sind. ora-160408-lsb-bergf-zoller-hw-kw1614

© MZV/Heike Weißapfel

Drei alte rote Bücher über die menschliche Anatomie hält Professor Manfred Zoller in der Hand. Mindestens eins passte damals immer in die Jackentasche des Studenten, der sich mühte, anhand der kleinen Schwarz-Weiß-Illustrationen die Verbindung von Sehnen, Muskeln, Knochen und Gelenken, die Funktion des Bewegungsapparats auswendig zu lernen. "Das fiel mir nicht so leicht", erzählt er den rund 30 ersten Besuchern der Ausstellung. Deshalb habe er sich die Zusammenhänge selbst durch Zeichnungen visualisiert. Diese Übertragung des Rationalen, Natürlichen ins künstlerisch Anschauliche habe er später mit den Kunststudenten in die Dreidimensionalität geführt.

Den Gedanken dieser Dreidimensionalität haben Felix Sattler als Kurator des Hauses sowie Mona Wischhoff und Ines Liszko aufgegriffen und in den Vitrinen des Tieranatomischen Theaters bewusst in Szene gesetzt. Die Besucher sollen nicht in ein Regal schauen, sondern sich den Objekten von allen Seiten nähern können. Sind sie auch nicht in der Bewegung zu sehen, bieten sich doch vielschichtige Perspektiven. Der dynamische Charakter der Objekte, die sich im Spannungsfeld von Natur und künstlerischer Umsetzung bewegen, wird dabei ebenso unterstrichen wie der museale Aspekt betont.Manfred Zoller sieht die Modelle buchstäblich ins rechte Licht gerückt und als Kunstobjekte präsentiert. "Sie werden das erste Mal so in ihrer Tiefe gezeigt."

Als Manfred Zoller 1978 seine Prüfung zum Facharzt für Anatomie im Anatomischen Institut in Rostock ablegte, war er innerlich bereits in eine andere Richtung aufgebrochen: Als Maler und Bildhauer sollte sein Lebensweg weitergehen, hatte der 1947 in Zeitz geborene Mediziner beschlossen. Doch losgelassen hat den Künstler, der heute in Bergfelde lebt, die Anatomie nicht. 1990 nahm er seine Lehrtätigkeit an der Kunsthochschule Weißensee auf. Anatomie/Morphologie als modernes Grundlagenfach an Kunsthochschulen hat Zoller entwickelt. Sein Buch "Gestalt und Anatomie" überführt die körperliche Darstellung in die Kunst. Zwischen 1993 und 2013 entstanden unter seiner Lehre Hunderte von Modellen, die gleichzeitig präzise gearbeitet sind und mehr als ein Abbild der Natur. Natürliche Bewegungsabläufe werden mit unterschiedlichsten Materialien wie Holz und Papier, Stoff, Draht, Gummi und Fäden fantasievoll dargestellt, abstrahiert oder überhaupt erst sichtbar gemacht.

Mittels Holzreifen und Hühnerei auf Stäben wird für den Betrachter vorstellbar, wie eine Ente watschelt, wie das menschliche Ohr aussieht, wie sich eine Hirschkuh bewegt und wie der Flügel einer Fledermaus aufgebaut ist. Die Studenten waren angehende Designer, Maler oder Bildhauer, ihre Werke gehen über Abbildungen weit hinaus. "Die Studierenden haben sich ihre Themen selbst ausgesucht", erläutert Zoller die Objekte mit viel Hochachtung vor deren Leistung. "Ich hätte doch nie jemandem zugemutet, den Saug-Schnapp-Mechanismus eines Fisches darzustellen."

Kurator Felix Sattler hofft auf ein breites Publikum. "Wir sind ein Haus für Wissensausstellungen", sagt er. "Aber der Besucher kann auf jeden Fall eine museale Präsentation erwarten." Die Titel der Modelle erhellen, was der Betrachter sieht - denn nicht jedem ist das "Innenleben" von Kehlkopf, Ohren oder Augen vom Anblick her wirklich vertraut. Zudem haben die Ausstellungsmacher den Vitrinen kurze Erläuterungen zu Stichwörtern wie "Bewegung", "Struktur" und "Mechanik" beigestellt. Wie sich die Natur in den Kunstformen wiederfindet, Körper zu Skulpturen werden und der künstlerische Ausdruck auf natürliche Strukturen zurückgespiegelt wird, ist faszinierend anzusehen. Für die Vereinfachung komplexer Vorgänge sind jeweils passende Materialien eingesetzt worden.

Die Ausstellung ist auf jeden Fall eine Reise nach Berlin wert - und das Tieranatomische Theater mit seinem historischen Hörsaal auch: Das von Carl Gotthard Langhans entworfene Gebäude ist das älteste erhaltene akademische Lehrgebäude Berlins.

Die Modelle sind noch bis 13. August im Tieranatomischen Theater zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonnabends von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Der Ausstellungsraum ist das Haus 3 auf dem Campus Nord, Philippstraße 12/13.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Artikel kommentieren   Lesezeichen setzen   Nachricht an die Redaktion   Druckversion

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel
MOZ

Ort, PLZ oder Redaktion