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Ausstellung der Gruppe Šiška endet mit Galeriegespräch

Von der Kunst, Worte zu finden

Im Gespräch: Christian Kölbl, Jonas Höschl und Gäste (v. l.) an Barbara Sophie Höcherls Werk "Unnatürliche Natur"
Im Gespräch: Christian Kölbl, Jonas Höschl und Gäste (v. l.) an Barbara Sophie Höcherls Werk "Unnatürliche Natur" © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Simon Rayß / 14.07.2016, 06:15 Uhr
Eberswalde (MOZ) Begleitend zu jeder Ausstellung in der Kleinen Galerie gibt es ein Künstlergespräch - so hat es sich eingebürgert. Doch ganz selbstverständlich ist das nicht. Schließlich will nicht jeder Künstler über seine Werke sprechen. Für Jonas Höschl und Christian Kölbl ist das kein Problem. Die beiden gehören zum Künstlerkollektiv Šiška und sind am Dienstagabend im Sparkassen-Forum zu Gast, um mit dem überschaubaren Kreis an Besuchern ihre ausgestellten Werke zu besprechen.

"Ich finde das schon wichtig, über meine Arbeiten zu reden", sagt Christian Kölbl. "Obwohl ich aus der Malerei komme und da ist das ja eigentlich verpönt." Vollkommen unproblematisch ist es allerdings auch für ihn nicht: "Man läuft dabei schon Gefahr, sich im Nachhinein in seinem Denken einzuschränken."

Dabei trägt die Schau der insgesamt sechsköpfigen Gruppe den Denkprozess bereits im Titel: "Analyse der Idylle" ist sie überschrieben. Diese vermeintliche Idylle haben die jungen Künstler - Kölbl ist 22, Höschl 21 Jahre alt - auf dem Flohmarkt entdeckt: den Druck einer Landschaftsmalerei eines unbekannten Urhebers. Darauf ist eine Bergszenerie abgebildet, ein wenig zu schön, um wahr zu sein.

Wie sie diese Vorlage auseinandernehmen, sie in Fragmente zerlegen, Details herausgreifen und verfremden, wie sie das Thema "Idylle" aufgreifen und weiterspinnen, das regt am Dienstag auch die Galerie-Besucher zum Gespräch an.

So erkennt Renate Tschuschke hinter den Arbeiten die Aufforderung an den Betrachter: "Öffnet die Augen und seht genau hin!" Waltraud Voigt gefallen die Fotografien von Jonas Höschl, für die er an die griechisch-mazedonische Grenze gereist ist. Gerade dann, als Flüchtlinge aus dem Lager "Idomenie" versuchten, die Zäune zu überwinden, und von der Polizei mit Tränengas zurückgeschlagen wurden. "Die haben Sie vor Ort gemacht? - mutig", stellt die Besucherin fest.

Da die beiden Künstler diesmal von Leipzig und Regensburg aus anreisen, bildet das Galeriegespräch den Abschluss der Ausstellung. So können Höschl und Kölbl die Kunstwerke noch am gleichen Abend wieder abbauen und so Platz schaffen an den Wänden - für neue Kunst.

Die kommt ab nächster Woche von Boyun Choi, einer Marburgerin mit koreanischen Wurzeln. Unter dem Titel "Sweets" zeigt sie Süßigkeiten - Bonbons, Schokolade, Gummibärchen, vergrößert, im Detail und immer richtig schön bunt. Die Eröffnung findet am 20. Juli um 19 Uhr statt. Bis zum 28. September sind die Arbeiten dann in der Galerie zu sehen. Einen Tag vor dem Ende der Schau wird auch Boyun Choi für ein Galeriegespräch zurück nach Eberswalde kommen. Mal sehen, wie leicht es ihr dann fällt, ihre Kunst in Worte zu fassen.

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