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Chirurgenbesteck und Särge

Julia Lehmann / 22.01.2017, 20:10 Uhr
Eberswalde (MOZ) Diesmal gilt es, diesmal hat nicht wie im vergangenen Jahr ein Schneesturm die Besucherzahlen drücken können. Etwa 1300 Eltern und Schüler sind am Sonnabend zum 21. Berufemarkt ins Leibnizviertel gekommen. Für die regionalen Aussteller gilt: auffallen um jeden Preis.

Die Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt ist für Bewerber oft unübersichtlich. Viele junge Menschen wollen nach der Schule gleich in ihre berufliche Zukunft starten, nur in welche Richtung soll es gehen? Berufsausbildende Unternehmen stehen in Konkurrenz zu den Hochschulen und haben es oft schwer, gesehen zu werden. Auch im Barnim ist das so, und das trotzdem es in der Regel mehr Bewerber als Plätze gibt, sagt Sabine Endmann von der Agentur für Arbeit Eberswalde.

Traditionelle Formate wie der Berufemarkt, den am Sonnabend das Oberstufenzentrum II in Eberswalde gemeinsam mit der Agentur für Arbeit und dem Eberswalder Bürgermeister Friedhelm Boginski als Schirmherr zum 21. Mal ausgerichtet hat, hätten allein wegen des Sehens und Gesehenwerdens nichts an ihrer Funktion eingebüßt, findet Sabine Endmann. Das zeige die gute Nachfrage und die steigende Zahl der Aussteller auf in diesem Jahr 76. Besucher finden eine Bandbreite von Unternehmen aus Barnim, Uckermark oder Frankfurt (Oder) bis hin zu Schulformen. Das große Ziel der Messe formuliert André Haase, stellvertretender Schulleiter des OSZ, so: "Lehrstelle annehmen, bleiben und als Fachkraft die Region bereichern."

Doren Keding, Assistentin der Geschäftsführung beim Holzimporteur Enno Roggemann aus Wandlitz, ist schon nach der ersten Stunde bester Laune: "Sieht so aus, als fände man hier seine zukünftigen Azubis." Es sei das erste Mal, dass das Unternehmen überhaupt aktiv nach neuen Azubis suchen müsse. "Holzhandel ist eben nicht mehr so attraktiv", sagt die 39-Jährige. 20 junge Menschen lernen aktuell bei Roggemann Berufskraftfahrer, Kaufmann für Groß- und Außenhandel oder Fachkraft für Lagerlogistik. Um neue Bewerber zu gewinnen, hat Doren Keding eine einfache Strategie: "Moin" und "Hallo" ruft sie den Besuchern entgegen, die sich durch die Flure und Klassenräume schlängeln. Doren Keding ist schnell, sucht sofort das Gespräch und stößt bei Sören und Niklas Zander auf Interesse. Vater und Sohn suchen gezielt nach kaufmännischen Berufen für den 16-Jährigen. Von Werneuchen, wo Familie Zander lebt, ist die Wandlitzer Firma gut zu erreichen, erklärt ihnen Doren Keding einen Vorteil.

Eine Strategie hat sich auch die Schnorrenberg Chirurgiemechanik GmbH, ebenfalls aus Wandlitz, überlegt: Falko Trinne, Meister seines Berufs, hat sich drei ausgeschlafene Azubis im zweiten Lehrjahr mitgebracht und vor ihnen eine Vielzahl von Chirurgieinstrumenten aufgebaut. Das ziehe Besucher an. "Ich habe lange nach einer Berufsausbildung gesucht und das Richtige gefunden", berichtet Azubi Joshua Maurer und blickt auf die Utensilien vor ihm. Es sei ein "unsagbar spannender Beruf". Bei Schnorrenberg baut der 19-Jährige mit sechs weiteren Azubis Chirurgiebesteck.

So wie das Chirurgenbesteck zieht auch der geöffnete Sarg, den Christian Haas vom Eberswalder Bestattungshaus Deufrains mitgebracht hat, die Besucher an. Der 27-Jährige ist in das Familienunternehmen seiner Mutter hineingewachsen. Zu seinem Beruf als Bestatter gehört auch, selber Särge zusammenzuzimmern. Selina Schirrmeister will nicht einfach nur den Sarg sehen. Die 15-Jährige aus Wriezen denkt über eine Ausbildung zur Bestatterin nach und haut kurzerhand auch einen Nagel in das verzierte Holz. "Das ist für mich kein Problem", sagt sie.

Gute und engagierte Azubis finden, das wünschen sich alle Unternehmen. "Mein Eindruck ist, dass viele gute Gespräche geführt werden", sagt Sabine Endmann nach einer Runde durch das OSZ. Die Jugendlichen seien gut vorbereitet. Noch immer sei eine solche Messe ein guter Weg, Ausbilder und Azubis zusammenzubringen. Engagement von beiden Seiten sei wichtig. So könnten die 450 freien Lehrstellen für das diesjährige Lehrjahr durchaus noch besetzt werden.

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