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Renate Meliß 30.01.2017 19:20 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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"Ich mag die Menschen, die ich fotografiert habe"

Biesenthal (MOZ) Abdiazis, Nuradin und Sirad, Asha, Ali und Ahmed, Maryia oder Issan sind alle Flüchtlinge, die ihr Land verlassen mussten, um Krieg und Terror zu überleben. Am Sonntagnachmittag fand dazu die Ausstellungseröffnung "Flüchtig" von Josie Rücker im Kulturbahnhof Biesenhal statt. Gekommen waren etwa einhundert Gäste. Darunter viele Besucher aus Syrien, Afghanistan, Somalia und Nigeria. Und gleich den Blicken der Porträtierten aus ihren tiefbraunen Augen, schauten viele Besucher - schien die Luft zu vibrieren, tauchten sie ein in das Schicksal, welches hinter ihnen lag?

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Die Fotografin Josie Rücker mit Ahmed aus Syrien, einem der Flüchtlinge.

© Renate Meliß

Josie Rücker geht auf eine Gruppe junger Männer zu. Sie alle sind aus der Stadt Homs in der Mitte Syriens her gekommen. "Da seid ihr ja, meine Freunde!" ruft sie. Ein Lächeln im Gesicht - das zurück kommt. Ahmed ist 30 Jahre alt, seit einem Jahr und drei Monaten in Basdorf. So wie er sind auch die anderen gekommen: zu Fuß, mit dem Boot, mit dem Zug und dem Bus. "Etwa einen Monat lang waren wir unterwegs", erzählen sie. Über die Türkei, Griechenland und Mazedonien. "Es kann keiner bleiben im Krieg. Wir versuchen hier, ein neues Leben aufzubauen, vielleicht studieren oder arbeiten", erzählen sie. Und natürlich wollen sie eines Tages zurück in die Heimat. Wenn es wieder möglich ist. "Habt ihr Kontakt zu eurer Familie daheim?"  "Manchmal, wenn es dort Strom gibt, dann können wir per WhatsApp schreiben", sagen sie. Ob ihnen die Ausstellung gefällt? Das bejahen sie alle.

Langsam füllt sich der Raum in dem ehemaligen Bahnhofsgebäude. Stimmengewirr in vielen Sprachen. Eine rothaarige ältere Dame beugt sich über die Stuhlreihen, um mehrere dunkelhäutige junge Männer mit Händedruck zu begrüßen. "Ein Übersetzer wird noch gesucht! Kann hier jemand gut englisch?" kommt es von vorn. Helge Schwarz, Vorstandsmitglied im Verein Kulturbahnhof Biesenthal, begrüßt die Gäste mit einem "Herzlich Willkommen zu dieser besonderen Ausstellung!" "Everybody ist welcome to this exposition", übersetzt jemand. Später kommt eine Dame hinzu, die auch in Farsi übersetzt. Josie Rücker nimmt mit Flüchtlingen um einen Tisch Platz, das Mikrofon in der Hand. Issan ist 62 Jahre alt und kommt von den Golan-Höhen in Syrien. Er hat 30 Jahre als Umwelt-Ingenieur gearbeitet. Auf der Flucht verlor er zwei seiner Söhne. Ali ist seit zwei Jahren hier, kommt aus der Stadt Homs. Ahmad al Singen ist gerade dabei, deutsch zu lernen. "Ich bin einfach mal reingegangen in die Heime und habe mir die Zeit genommen und total nette Leute kennengelernt", erzählt Josie Rücker. "Das ist eben das Wunder, das passiert, wenn man sich mal traut. Ich mag die Menschen alle, die ich fotografiert habe."

Viele der Bilder haben einen Goldrand. Er war ursprünglich der Goldfolie jener Wärmewesten nachempfunden, die die Flüchtlinge erhalten, wenn sie mit dem Schlauchboot übers Meer gekommen sind. "Doch hier bei der Ausstellung ist das Gold auch eine symbolische Farbe, die die Menschen veredelt, die ein solch schweres Schicksal erlitten und geflüchtet sind", sagt Josie Rücker.

Die Ausstellung, in der rund 30 Fotos und Texte zu sehen sind, ist noch bis März geöffnet.

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