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Ein klares Ja zum Campingplatz

Sabine Rakitin / 19.04.2017, 06:50 Uhr
Biesenthal (MOZ) Die Stadtverordneten von Biesenthal wollen den Campingplatz Mittelprendensee erhalten. Sie stimmten jetzt mehrheitlich der Aufstellung eines Bebauungsplanes für ein vier Hektar großes Areal und einer entsprechenden Änderung des Flächennutzungsplanes zu.

Im August 2016 wandte sich die Vereinigung der Campingfreunde Mittelprendensee an die Öffentlichkeit. Nach fast 50 Jahren wollte der Landesforstbetrieb den Pachtvertrag für das drei Hektar große Campinggelände am Mittelprendensee nicht mehr verlängern. Begründung: Nach dem Flächennutzungsplan handelt es sich bei dem Areal um Wald und liegt im Landschaftsschutzgebiet "Wandlitz-Biesenthal-Prendener Seengebiet".

Acht Monate sind seitdem ins Land gezogen. Es gab nicht nur einen umfangreichen Schriftwechsel zwischen den zuständigen Landesbehörden und dem Verein, sondern auch Anfragen im Landtag und ein Gespräch mit Minister Jörg Vogelsänger (SPD). Unter der Voraussetzung, dass die Camper bis zum 31. März alle auf dem Areal errichteten Bauten wie Über- und Unterstände, Stege und ähnliches zurückbauen sowie die Stadt Biesenthal bereit sei, im Flächennutzungsplan aus dem Wald ein "Sondergebiet Campingplatz" zu machen und der Aufstellung eines B-Planes zustimme, stellte das Land dem Verein die Verlängerung des Pachtvertrages in Aussicht.

An die 20 Campingfreunde kamen am vergangenen Donnerstag zur Stadtverordnetenversammlung. In ihrem Namen erklärte Stefan Bauch-Caspari, dass der Verein alles tun wolle, um den Campingplatz, der 1967 entstand und in der DDR als offizieller Campingplatz geführt wurde, zu erhalten. Die Auflagen zum Rückbau seien erfüllt, versicherte er. "Und wir müssen die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen. Davon hängt ab, ob wir bleiben können. Wenn die Stadtverordneten der Aufstellung des Bebauungsplanes und der Änderung des Flächennutzungsplanes nicht zustimmen, bekommen wir keinen neuen Pachtvertrag", erklärte der junge Rechtsanwalt.

Doch nicht jeden überzeugten seine Schilderungen. Mehrere Stadtverordnete hatten sich den Campingplatz angesehen und kamen zu ganz anderen Schlüssen. Andreas Krohne (Bündnis 90/Die Grünen) bemängelte, dass Dauer-Camper das Gelände zu einem "Wochenendhausgebiet" verändert hätten. Von einem Zeltplatzcharakter könne keine Rede mehr sein. Und durch die baulichen Veränderungen sei der Bestandsschutz verwirkt. "Wir hatten Glück, dass Sie 25 Jahre im Stillen gelebt haben und niemand richtig hingesehen hat", bemerkte der Naturschützer, um so dann zu erklären: "Von mir bekommen Sie kein Ja!" Ähnlich äußerte sich auch Andreas Jahn (CDU). Er sei am letzten März-Wochenende auf dem Platz gewesen, erzählte der Vorsitzende des Bauausschusses. "Da war nicht alles rückgebaut." Überhaupt habe er nicht den Eindruck gehabt, dass man im Jahre 2017 angekommen sei. Überall hingen irgendwelche Kabel an den Bäumen herunter, nannte er ein Beispiel. "Mein Votum bekommen Sie nicht", stellte der Christdemokrat klar.

Margitta Mächtig (Linke) konnte sich über ihre Stadtverordnetenkollegen nur wundern. Auch sie sei auf dem Campingplatz gewesen und habe einen ganz anderen Eindruck gehabt, schilderte sie. "Ich find's grotesk, was wir hier machen", sagte die Linke klipp und klar. Auf der einen Seite werde an der Wehrmühle im Außenbereich der Aufstellung eines B-Planes zugestimmt und auf der anderen Seite versucht, naturnahes Camping zu verhindern, kritisierte sie. Die Bündnisgrüne Heike Müller hingegen sagte Konflikte voraus: "Naturschutzgebiet und Campingplatz passen nicht zueinander", stellte sie fest. Außerdem gebe es für die Camper mit dem Platz in Sophienstädt eine Alternative.

Bürgermeister Carsten Bruch erkannte an, dass die Campingfreunde vom Mittelprendensee "wahnsinnig viel geleistet und zurückgebaut haben". Er werde für die Aufstellung des B-Planes stimmen, auch, weil der Verein viel Geld in die Hand nehmen werde. Dieser habe erklärt, dass er alle mit der Planung und Erschließung entstehenden Kosten übernimmt. "Die Stadt Biesenthal ist von allen Kosten freigestellt", bekräftigte Bruch.

Am Ende stellten sich 16 von 19 Stadtverordneten hinter die Camper vom Mittelprendensee. Bei ihrem angekündigten Nein blieben Andreas Jahn, Andreas Krone und Heike Müller.

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