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Debatte über Amadeu-Antonio-Straße

Antrag auf Umbenennung ausgebremst

Sven Klamann / 13.10.2011, 07:51 Uhr
Eberswalde (MOZ) Der von der Initiative „Light me Amadeu“ unterbreitete Vorschlag, ein Teilstück der Eberswalder Straße nach Amadeu Antonio Kiowa zu benennen, ist auf dem Weg durch die Instanzen schon auf der ersten Etappe ausgebremst worden.

Im städtischen Ausschuss für Kultur, Soziales und Integration blieb Andreas Steiner von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen nach einer denkwürdigen Debatte nichts anderes übrig, als seinen Antrag auf eine Straßenumbenennung fürs Erste zurückzuziehen.

Amadeu Antonio Kiowa war ein Vertragsarbeiter aus Angola, der am 6. Dezember 1990 an den schweren Verletzungen verstarb, die ihm wenige Tage zuvor eine Horde Neonazis in Eberswalde zugefügt hatte. Der Übergriff auf den damals 28-Jährigen, dem seine dunkle Hautfarbe zum Verhängnis wurde, ging als erste rechtsradikal motivierte Gewalttat mit Todesfolge gegen einen Ausländer in den neuen Bundesländern in die Geschichte ein und gehört unauslöschlich zu den schlimmsten Kapiteln der Stadtgeschichte.

Doch in der Diskussion im Ausschuss für Kultur, Soziales und Integration spielte die brutale Straftat von vor fast 21 Jahren nur am Rande eine Rolle.

Zunächst verwies Frank Banaskiewicz, FDP/Bürgerfraktion, auf einen Ende August in der MOZ veröffentlichten Leserbrief, den Jürgen Stolpe aus Sommerfelde verfasst hatte. Darin hatte es geheißen, dass extremistische Gewalttaten, erst recht wenn sie Menschenleben kosten, zutiefst zu verurteilen und durch nichts zu rechtfertigen seien. „Es erschließt sich dem Normalbürger von Eberswalde jedoch nicht, warum nach dem Opfer auch noch eine Straße benannt werden soll“, hatte Jürgen Stolpe in der MOZ geschrieben. „Ich sehe das genauso und werde gegen den Antrag stimmen“, kündigte Frank Banaskiewicz an.

Dann meldete sich Carsten Zinn von der Fraktion der Fraktionslosen mit der Bemerkung zu Wort, er habe mit sechs Unternehmern an der Eberswalder Straße gesprochen, die alle mit Blick auf „den unwahrscheinlichen Kostenaufwand“ gegen eine Umbenennung seien. Der Ortsvorsteher des Brandenburgischen Viertels regte an, die Debatte über die geeignetste Ehrung für Amadeu Antonio Kiowa breiter zu führen. „Warum benennen wir nicht die Räumlichkeiten des Jugend- und Kulturvereins Exil nach ihm?“, empfahl Carsten Zinn. Er werde sich an einer Abstimmung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht beteiligen.

Für Kai Jahns von der Initiative „Light me Amadeu“ ist das Zögern der Stadtverordneten kein Beinbruch. „Wir legen auf eine vorbehaltlose Diskussion in der Stadt mindestens ebenso großen Wert wie auf die Umbenennung selbst“, sagte der Hausherr im „Exil“.

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Ronja M. 17.10.2011 - 14:37:50

Eigene Schuld?

Die "Normalbürger" meinen offenbar, dass andere Normalbürger wie ich entweder ihrer Ansicht sind oder das "Normal" streichen sollten. Ich finde, dass wir in Eberswalde sehr wohl eine Straße nach dem Opfer benennen sollten. Amadeu Antonio hatte keine Chance, denjenigen zu entkommen, die damals meinten, sie seien die Normalbürger, und die "Andersartigen" gehörten weg / raus / ausgemerzt. Eberswalde sollte an dieses Opfer rassistischer Gewalt mit einer Amadeu-Antonio-Straße unbedingt erinnern. So könnte auch langfristig deutlich gemacht werden: Nazis wollten ihn auslöschen, wir sorgen dafür, dass er im Gedächtnis und im Straßenbild sichtbar bleibt.

Räuber Hotzenplotz 14.10.2011 - 13:03:42

Recht hat der Mann...

Genau dieses Zitat von Hr. Stolpe trifft absolut den Kern der Sache: „Es erschließt sich dem Normalbürger von Eberswalde jedoch nicht, warum nach dem Opfer auch noch eine Straße benannt werden soll“

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