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Sabine Rakitin 28.04.2017 08:00 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Ausprobieren im Männer-Beruf

Biesenthal (MOZ) 5901 Brandenburger Schüler absolvierten am Donnerstag beim alljährlichen "Zukunftstag" ein eintägiges Praktikum in Betrieben und Einrichtungen. Sieben Mädchen aus Berlin und Barnim hatten sich bei Bildhauermeisterin Anne Schulz in Biesenthal angemeldet.

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Die 13-jährige Emma Köhn bearbeitet einen Sandstein aus dem sächsischen Reinhardtsdorf.

© MOZ/Sergej Scheibe

"Du hast einen etwas leichten Knüpfel", sagt Anne Schulz und sieht sich um. Sie findet den schwereren holzhammerähnlichen Gegenstand, den sie sucht und drückt ihn der 13-jährigen Emma in die Hand. "Hier, nimm den", rät sie dem Mädchen. "Der hier ist ideal. Der arbeitet fast von allein. Man braucht nur ein bisschen Kraft", sagt Anne Schulz aufmunternd.

Doch Emma hat auch mit diesem Knüpfel arge Mühe, das Flacheisen so zu schlagen, dass es das geplante Herz in den Sandstein meißelt. "Du musst die Faust richtig schließen und das Flacheisen etwas schräger halten, noch schräger", kommentiert Anne Schulz. Sie schaut dem Mädchen noch eine Weile zu. "Na, Du kommst noch dahinter", ist sich die Bildhauerin sicher und geht zur nächsten Schülerin.

"Schwer und vor allem anstrengend" findet Emma Köhn die Arbeit, die sie an diesem "Zukunftstag" im "Steinwerk" von Anne Schulz ausprobiert. Die Achtklässlerin aus dem Paulus-Praetorius-Gymnasium ist mit ihrer Freundin Luise Gartmann in die Biesenthaler Werkstatt gekommen. "Luise wollte unbedingt hierher", erzählt Emma. Die Freundin nickt. Auch sie bearbeitet einen Sandstein nach einem Entwurf, den sie selbst angefertigt hat. "Es soll ein Grabstein für meine verstorbenen Kaninchen werden", sagt die 13-Jährige. Die Idee ist ihr erst an diesem Vormittag gekommen - Anne Schulz, die Bildhauerin, ist auch bekannt für die individuellen Grabsteine, die sie anfertigt.

Die Künstlerin hat ihre Werkstatt zum zweiten Mal am Zukunftstag geöffnet, Steinmetz der Beruf, den sie den Schülerinnen nahe bringen will. "Ich will das schon ernsthaft machen", sagt Anne Schulz. Am Morgen hat sie den sieben Mädchen, die aus Bernau, Werneuchen, Heckelberg-Brunow und aus Berlin-Köpenick gekommen sind, das Berufsbild erläutert und ihnen erklärt, was sie lernen müssten, wenn sie die dreijährige Ausbildung zur Steinmetzin absolvieren wollen. Sie hat darüber gesprochen, dass dieser Beruf immer noch eine Männerdomäne ist und in der Tat körperlich sehr schwer - gerade für Frauen. Die kleine, zierliche Bildhauerin weiß, wovon sie spricht. "Es gibt viel, was man mit Technik überbrücken kann", sagt sie. "Aber manches ist und bleibt eben für eine Frau aufgrund deren körperlicher Konstitution sehr schwer", nimmt die Biesenthalerin kein Blatt vor den Mund. Andererseits seien es die Frauen, "die sich besser schützen und bewusster im Umgang mit ihrem Körper sind", glaubt sie. Und gebe es nicht in jedem Beruf Einschränkungen?

Vielleicht im nächsten Jahr wolle sie einen Lehrling als Steinmetz ausbilden, erzählt Anne Schulz. "Ich überlege mir noch, ob es ein Mädchen oder doch besser ein Junge sein soll", sagt sie." Auf jeden Fall findet die Bildhauerin: "Ich habe mutige Mädchen hier. Viele andere können sich nämlich nicht vorstellen, so eine schmutzige Arbeit zu machen", weiß sie aus Erfahrung.

Maxima Hubbert hat keine Probleme, staubig zu werden. "Ich mache viel mit Kunst und töpfere auch", erzählt die 14-jährige Schülerin, die die Montessorischule Niederbarnim besucht. Das Bearbeiten des Sandsteines geht ihr flott von der Hand. Das Motiv, das sie sich ausgesucht hat, ist bereits gut zu erkennen: ein Fuchs. Unermüdlich setzt das Mädchen das Flacheisen an den aufgezeichneten Konturen an und schlägt kräftig mit dem Knüpfel dagegen.

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