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Hans Still 03.05.2017 19:58 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Biesenthal plant Windräder im Wald

Biesenthal (MOZ) Die erste Barnimer Kommune votiert für den Bau von Windspargel im Wald. Die Biesenthaler Stadtverordneten wollen im Eignungsgebiet Prenden auf Flächen beiderseits der A 11 Windräder errichten lassen. Das Besondere daran: Diese Flächen sind derzeit mit kräftigen Kiefern bewachsen.

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Der Beschluss fiel im nicht öffentlichen Teil der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in Biesenthal und dürfte eine Zäsur darstellen. Während in vielen Gemeinden gegen Windkraftanlagen im Wald mobil gemacht wird, votiert Biesenthal als erste Barnimer Kommune für diese Lösung. Ein große Mehrheit, so Bürgermeister Carsten Bruch (CDU), habe für die Windspargel gestimmt. Die Zustimmung begründet der Bürgermeister mit dem Umstand, dass die Stadt einerseits dringend Geld brauche und andererseits besagter Wald mit typischen märkischen Kiefern bewachsen sei. "Einer Anlage in einem Buchen- oder Eichenwald hätten wir garantiert nicht zugestimmt. In unserem Fall handelt es sich wirklich um einen Nutzwald", versichert Bruch. 42 Hektar Land umfasst das im bestätigten Regionalplan Barnim-Uckermark ausgewiesene Windfeld Prenden. Die Größe der Biesenthaler Fläche beträgt sich auf 9,5 Hektar und auf 14,4 Hektar. Zudem gibt es weitere private Landbesitzer in diesem Windfeld, dessen Lage sich mit nördlich der A 11-Abfahrt Prenden - quasi links und rechts der A 11-Brücke auf der Verbindungsstraße zwischen Biesenthal und Ruhlsdorf - und rund um den früheren Mielke-Bunker beschreiben lässt. "Wir werden von Biesenthal aus diese Anlagen nicht sehen", versichert Carsten Bruch und räumt ehrlich ein, dass Prendener und Sophienstädter Bürgern dieses Glück möglicherweise nicht zuteil werden wird.

Innerhalb von vier bis fünf Jahren könnten dort bis zu fünf Anlagen entstehen, so Bürgermeister Bruch. Weil die Biesenthaler Politiker aber nicht alle Möglichkeiten der Einflussnahme aus der Hand geben wollen, beschlossen die Stadtverordneten zugleich eine Veränderungssperre für die Flächen. Weiter wurde beschlossen, den Barnimer Kreiswerken den Auftrag zur Planung des Windfeldes anzubieten. Ob die Kreiswerke diesen Auftrag annehmen, wird sich allerdings erst am 16. Mai entscheiden. Dann tagt nämlich der Aufsichtsrat, wie Geschäftsführer Christian Mehnert am Mittwoch bestätigt. Aus seiner Sicht passe dieser Auftrag hervorragend zum Profil des Unternehmens, das im Interesse der Kommunen im Energiebereich wirtschaftlich tätig werden soll, wie es Mehnert beschreibt.

Ähnlich die Intensionen der Biesenthaler: "Die Stadtverordneten wollen die regionale Wertschöpfung fördern und das Mitspracherecht behalten", benennt Christdemokrat Bruch die Gründe für die jüngsten Entscheidungen. Es sollen eben nicht irgendwelche international agierende Hedgefonds den Windpark Prenden entwickeln, sondern die Gesellschaft soll später in Biesenthal ihren Sitz nehmen und in der Stadt auch Gewerbesteuern zahlen.

Dabei weiß Bruch als Fraktionsvorsitzender der CDU im Barnimer Kreistag sehr genau um die Position der Landes-CDU zu Windkraftanlagen im Wald. "Die Landes-CDU lehnt das ab, aber wir Biesenthaler müssen auch an unsere Finanzen denken", rechtfertigt Bruch den Schritt. Beispielsweise befasst sich die städtische Politik derzeit mit dem Bau einer neuen Sporthalle. Allein 160 000 Euro würden die jährlichen Unterhaltungskosten für den Neubau betragen - dieses Geld könnte mit Pachteinnahmen aus Windkraftanlagen dargestellt werden, so das Kalkül.

In der Nachbarschaft kommt diese Idee allerdings keineswegs gut an. "Ich sehe die Dollar-Zeichen in den Augen der Biesenthaler. Sie stellen uns Anlagen vor die Nase und wir leiden darunter", reagiert am Mittwoch der Prendener Ortsvorsteher Hans-Joachim Auge.

Besondere Brisanz erkennt er in der Idee, die Barnimer Energiewerke einzubeziehen. "Der ganze Barnim ist gegen Windkraftanlagen im Wald und ausgerechnet die mit unserem Geld agierenden Energiewerke entwickeln dann ein Windfeld im Wald. Grotesker geht es wirklich nicht", kommentiert Auge.

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