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Unterrichtsausfall: Eltern werfen Schulen Trickserei vor

In Brandnenburg wird Unterrichtsausfall kaschiert.
In Brandnenburg wird Unterrichtsausfall kaschiert. © Foto: dpa
Mathias Hausding / 11.05.2017, 20:02 Uhr
Potsdam (MOZ) In Brandenburg gibt es erneut Streit um die Statistik zum Unterrichtsausfall an den Schulen. Der Regierung wird vorgeworfen, die Situation zu beschönigen. So gilt es etwa auch als Unterricht, wenn Schüler ohne Lehrer im Selbststudium Aufgaben lösen.

Nach Angaben des Bildungsministeriums konnten im ersten Schulhalbjahr 2016/2017 insgesamt 116 329 Stunden nicht unterrichtet werden, die Ausfallquote lag damit ähnlich wie auch in den vergangenen Jahren bei 2,1 Prozent. Das Ministerium betont, dass sich die Zahlen auf einem konstant niedrigen Niveau bewegen würden.

Aber ist das die ganze Wahrheit? Die Lehrergewerkschaft GEW kritisiert die Angaben als zu niedrig und geht von einem wesentlich höheren Stundenausfall aus. Erst im November 2016 hatte eine Elterninitiative aus dem Barnim in einer Petition an den Landtag mehr Lehrer, aber auch mehr Ehrlichkeit bei der Ausfallstatistik gefordert.

Ein aktuelles Beispiel aus Frankfurt (Oder) zeigt, wie groß der Interpretationsspielraum ist. So beschwerten sich Eltern, deren Schützlinge das dortige Liebknecht-Gymnasium besuchen, dass die Jugendlichen in der Schule über Wochen Aufgaben für das Selbststudium erhalten hätten, ohne dass ein Ersatzlehrer dabei war. Grund sei hier die längere Erkrankung eines Mathematiklehrers gewesen.

Diese Unterrichtsstunden wurden nicht als Ausfall gewertet. "So kann man sich die Statistik schönrechnen", kritisiert eine Mutter im Gespräch mit dieser Zeitung. Wenn dies landesweit so wie in Frankfurt praktiziert werde, komme da sicher eine Menge an Stunden zusammen. Das Bildungsministerium bestätigt den inzwischen überwundenen Engpass in Frankfurt und den Umgang damit in der Statistik. Auch anderswo im Land sei es möglich und üblich, dass Schüler beim Ausfall eines Lehrers Aufgaben erhalten, die dann korrigiert werden. "Das gilt offiziell als erteilter Unterricht", sagt Ministeriumssprecher Ralph Kotsch. Die Kriterien der Ausfallstatistik seien im Land allgemein bekannt.

Der Landeselternrat sieht das Frankfurter Beispiel dennoch kritisch. "Diese Praxis sollte die absolute Ausnahme sein. Auch für das selbständige Arbeiten der Jugendlichen ist fachlich qualifiziertes Betreuungspersonal notwendig", betont Sprecher Wolfgang Seelbach. Und Jens Köppen, CDU-Bundestagsabgeordneter aus der Uckermark, bezeichnet die Ausfallstatistik auch mit Verweis auf das Frankfurter Beispiel als "Trickserei". Die GEW schätzt, dass der Unterrichtsausfall an den Brandenburger Schulen acht bis neun Prozent beträgt, wenn man genauer zählt und zum Beispiel auch die Zusammenlegung von Klassen und Kursen sowie den Wegfall von Förder- und Teilungsunterricht als Ausfall wertet.

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