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Vom Spagat zwischen Beruf und Kindern

CDU-Landtagsabgeordnete Kristy Augustin, Leiterin der AWO Erziehungs- und Familienberatungsstelle Petra Heinze, Jamie und Christine Köhn (v. li.).
CDU-Landtagsabgeordnete Kristy Augustin, Leiterin der AWO Erziehungs- und Familienberatungsstelle Petra Heinze, Jamie und Christine Köhn (v. li.). © Foto: Simone Weber
Simone Weber / 19.05.2017, 12:02 Uhr
Rathenow (MOZ) "Fast 84.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Brandenburg sind armutsgefährdet. Das ist jedes vierte Kind", sagte Petra Heinze, Leiterin der AWO Erziehungs- und Familienberatungsstelle in"Viele dieser Kinder leben in Familien mit nur einem Elternteil." Unter dem Motto "Supermom/Superdad" lud der Bezirksverband Potsdam der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Rahmen ihrer Aktionswoche "Armutsfalle alleinerziehend" die Landtagsabgeordnete Kristy Augustin in die Wohnung der Rathenowerin Christine Köhn ein.

Die gelernte Einzelhandelskauffrau ist seit 18 Monaten alleinerziehende Mutter zweier Söhne (zwölf und drei Jahre). Nur einer der beiden Väter zahlt Unterhalt. Die finanzielle Situation ist schon wichtig. "Es wäre eine große Hilfe, wenn es für Alleinerziehende einen Ansprechpartner gäbe, um Hilfe und Unterstützung zu erhalten. Man läuft von einer Stelle zur anderen", so die 38-jährige Frau. "Die Antragstellung bei Behörden ist viel zu bürokratisch. Beim Ausfüllen der Anträge und dem Beibringen von Unterlagen weiß ich manchmal nicht, wo mir der Kopf steht."

Das wird auch die CDU-Abgeordnete mit nach Potsdam nehmen können. Kristy Augustin ist familienpolitische Sprecherin ihrer Landtagsfraktion und stellvertretendes Mitglied im Sozialausschuss. "Derzeit wird dort gerade das familienpolitische Maßnahmenpaket diskutiert und im September steht das Thema Unterhaltsvorschuss noch einmal auf der Tagesordnung", erzählte die Abgeordnete.

Nach zuletzt zehn Jahren Selbständigkeit und Weiterbildung begann Christine Köhn im Mai eine zweijährige Ausbildung zur Erzieherin bei einem Träger in Potsdam. Das bedeutet viel Zeit, die sie täglich zusätzlich im Zug verbringt. Der Dreijährige muss vorher in die Kita und der Große in die Schule. Derzeit absolviert Christine Köhn ein dreimonatiges Praktikum im AWO-Familien-Café in der Rosenberg-Straße. "Werde ich das alles schaffen?", fragt sich Christine Köhn. "Für einen Mann habe ich eigentlich gar keine Zeit."

Auch wenn Sohn Jamie im Gespräch sehr verständig und selbständig wirkte und grundsätzlich gute schulische Leistungen zeigt, vor allem in Mathematik, ist die Situation "Alleinerziehend" für die Kinder kein wünschenswerter Start ins Leben. "Es würde mir gefallen, wenn Mama mehr Zeit für uns hätte, um gemeinsam etwas zu unternehmen", so der Zwölfjährige. "Und Mama hätte auch mal etwas Zeit für sich." In diesem Moment konnte Christine Köhn ein paar Tränen nicht mehr halten. So zeigte auch der Wunsch Jamies für seine Zukunft ein verständliches Bild: "Ich möchte ein glückliches Leben mit meinem Bruder und meiner Mutter. Und später eine schöne Wohnung, Kinder und eine tolle Frau."

Der AWO-Bezirksverband Potsdam beteiligte sich an der diesjährigen bundesweiten Aktionswoche der AWO "Echtes Engagement - echte Vielfalt - echt AWO" vom 13. bis 19. Mai unter dem Thema "Armutsfalle alleinerziehend" (www.awo-potsdam/alleinerziehende). Zu den Veranstaltungen und Aktionen lud die AWO auch jeweils Landtagsabgeordnete verschiedener Parteien ein. Die AWO Erziehungs- und Familienberatungsstelle befindet sich in der Rosa-Luxemburg-Straße 3.

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