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Sabine Rakitin 22.05.2017 07:50 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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"Ein Garten muss nicht geleckt aussehen"

Biesenthal (MOZ) Am Wochenende öffneten 119 Privatleute in Berlin und Brandenburg ihre Gärten für Schaulustige. Mit dabei waren auch wieder Hans und Hannelore Baumann in Biesenthal. Seit acht Jahren nehmen sie an der seit 2004 existierenden Initiative teil. Viele der Besucher sind bereits Stammgäste des Ehepaares.

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Hans und Hannelore Baumann arbeiten täglich bis zu neun Stunden im Garten.

© MOZ/Sabine Rakitin

Hans Baumann ist vom Fach. Einst lernte er Gärtner in einer Baumschule, dann studierte er Obstbau und legte schließlich noch ein Fernstudium zum Landschaftsbauer obendrauf. Als solcher arbeitete er in Bernau. Bis die Wende kam. "Ich war einer der ältesten Landschaftsbauer und musste als Erster gehen", erzählt der heute 78-Jährige. "Erst saß ich hier im Garten mit Wut im Bauch", erinnert er sich. Doch dann habe er sich aufgerappelt und gedacht, "machst Du eben was hier".

Auch Ehefrau Hannelore hat ein Faible für den Garten. Nach einem Unterrichtstag genoss die Grundschullehrerin geradezu die frische Luft, die Stille. Für sie war es erholsam, im Garten zu arbeiten. "Ich war der Mann vom Fach und wollte ihr sagen, was sie machen soll. Doch das hat nicht funktioniert", sagt Hans Baumann schmunzelnd. Längst ist die Arbeitsteilung unumstritten: "Sie macht die Pflege, ich kümmere mich um die Grobarbeiten, beispielsweise Mauern bauen", erzählt er.

Das Grundstück des Ehepaars am Hegeseeweg ist riesig. Knapp 5000 Quadratmeter bewirtschaften sie gemeinsam. Gut ein Drittel ist Eigentum der Baumanns, die anderen zwei Drittel haben sie dazu gepachtet. "Es hat Hanglage und einen Blick in die freie Natur. Deshalb ist es so besonders", finden sie. Dabei ist es ihre Arbeit, die diesen Garten so einzigartig macht.

140 verschiedene Taglilien, 100 Schwertliliensorten, Sommerblumen, Duftgeranien, Funkien - der Fundus an Blumen und Stauden scheint schier unerschöpflich. Dazu kommt ein riesiger Bestand an Gehölzen. "Mein Arboretum", nennt es Hans Baumann. "Ich habe schließlich in einer Baumschule gelernt..."

Auf Tag- und Schwertlilien hat sich das Ehepaar spezialisiert. "Sie sind pflegeleicht, besser sauberzuhalten und gut mit Rinde zuzudecken", sagt der Fachmann. "Und es gibt ein riesiges Sortiment in den dollsten Farben", schwärmt er. Hans Baumann kann sich noch sehr gut erinnern: "Die ersten Taglilien habe ich Ende der 1980-er Jahre bei einem Gartenmeister in Zepernick gekauft", erzählt er. Auch bei einem Züchter in Werneuchen wurde der Biesenthaler des öfteren fündig. Und die Gärtnerbörse in Berlin-Dahlem gefällt ihm. "Allerdings wird man da verleitet, viel zu kaufen", stellt er fest. "Man kann ja heute die Sterne vom Himmel holen."

"Ein Garten muss nicht geleckt aussehen", findet der Landschaftsbauer. Die Blätter im Herbst lasse er beispielsweise liegen. Wenn er bei seiner Tochter in Bad Homburg zu Besuch ist und die Gärten anschaut, dann sieht er in jedem "die Handschrift eines Landschaftsarchitekten". "Diese Gärten sind sehr schön anzusehen, aber für mich sind die nichts. Da ist nichts zu arbeiten", stellt er fest.

Täglich acht bis neun Stunden werkeln die Baumanns in ihrem Garten. "Selbst zu zweit kommt man nicht rum", bemerkt der Hausherr. Mit dem Gießen sind die Baumanns sparsam. "Wir fangen viel Regenwasser auf", erzählt Hannelore Baumann. "Und ansonsten versuchen wir, möglichst so auszukommen. Nur, wenn's ganz trocken ist, nehme ich mal den Schlauch und halte ihn rein".

Für die Besucher an diesem Sonnabend hat die 74-Jährige nicht nur reihenweise Blumen und Pflanzen zum Mitnehmen eingetopft, sondern auch ein Kuchenbuffet vorbereitet und Kaffee gekocht. Jeder sucht sich in dem weitläufigen Garten ein gemütliches Plätzchen und genießt die Ruhe - wie Dagmar und Ivo Ulrich aus Berlin, die sich an einem Tisch mit Blick auf den Garten und die weitläufige Landschaft dahinter niedergelassen haben.

Der Garten der Baumanns gehöre zu ihren Favoriten, erzählt Dagmar Ulrich, die mit ihrem Mann regelmäßig "Offene Gärten" besucht. "Man lernt viele Menschen kennen, die alle die gleiche Neigung haben: Sie lieben Gärten", sagt Ehemann Ivo Ulrich. "Da entwickeln sich regelrecht Freundschaften", stellt seine Frau fest.

Das Paar hat selbst einen Garten, winzig klein zwar, "aber ich habe aufgepasst, dass ich zu jeder Jahreszeit Pflanzen habe, die blühen", schildert die begeisterte Hobbygärtnerin. Bei den Baumanns holt sie sich an diesem Sonnabend Anregungen - und weiße Winterastern. "Die fehlen mir noch", sagt die Berlinerin.

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