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16.06.2017 21:50 Uhr - Aktualisiert 16.06.2017 21:47 Uhr

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Denkmalschutz für SED-Waldsiedlung

Wandlitz (dpa) Lange gab es Befürchtungen, einen Wallfahrtsort für Ewiggestrige zu schaffen. Jetzt hat das SED-Privatrefugium Wandlitz doch noch Denkmalschutz erhalten.

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Wohnhaus von Erich und Margot Honecker in der Wandlitzer Waldsiedlung

© dpa

Fast drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall ist die einst abgeschottete Privatsiedlung der SED-Führung bei Wandlitz unter Denkmalschutz gestellt worden. Karl-Josef Michels, der seit Anfang der 1990er Jahre auf dem Areal eine Rehaklinik betreibt, erhielt am Freitag die entsprechende Plakette. "Nach 27 Jahren bekommen wir endlich Hilfe vom Land, um bei vollem Klinikbetrieb alles für die Nachwelt zu erhalten", sagte Michels.

Die Waldsiedlung, etwa 30 Kilometer von Berlin entfernt, sei ein bauliches Zeugnis über die Funktionsweise einer Diktatur, erklärte Landeskonservator Thomas Drachenberg. Das Areal könne jetzt auch deshalb unter Denkmalschutz gestellt werden, weil sie sich die teils hochemotionale Debatte um die Aufarbeitung der DDR-Geschichte ein Stück weit gelegt habe.

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) erklärte: "Die Waldsiedlung ist aufgrund ihres singulären Charakters und ihrer besonderen Authentizität in besonderer Weise dafür geeignet, sich mit der Geschichte und insbesondere den Machtstrukturen auseinanderzusetzen."

Einst hatte das Land den Denkmalschutz mit der Begründung abgelehnt, das Gebäude-Ensemble habe keine architektonischen Besonderheiten. Inzwischen gebe es ein gestiegenes Interesse der Öffentlichkeit, sagte Münch. Unter Schutz gestellt wurde das komplette Areal samt den 23 ehemaligen Wohnhäusern der SED-Eliten, dem früheren Funktionärsclub, dem gusseisernen Eingangsportal und dem Gartenensemble.

"Es wäre kurz nach der Wende schlichtweg ein Skandal gewesen, der Waldsiedlung Schutzstatus zuzugestehen", sagte der Historiker Jürgen Danyel vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF). "Wandlitz wurde in der DDR zu einem Symbol für den wachsenden Realitätsverlust der gerontokratischen SED-Eliten und für die uneingeschränkte Selbstbedienungsmentalität der Bewohner. Es war eine perversion der kommunistischen Idee", sagte Landeskonservator Drachenberg.

1989 hatten die Privilegien der SED-Oberen erheblich zum Unmut in der Bevölkerung beigetragen und die Erosion des Systems beschleunigt. Der Historiker Danyel brachte ins Gespräch, im ehemaligen Haus des früheren DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht ein Besucherzentrum mit einer Dauerausstellung zu errichten.

Dieses Gebäude ist nach Angaben von Klinikbetreiber Michels im Inneren nicht umgestaltet worden. Sogar die Bücher der Ulbricht-Bibliothek seien alle noch vorhanden. Er habe den Rat des damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) beherzigt, der ihm 1991 den Erhalt des Hauses mit den Worten empfohlen habe. "Das wird in der Geschichte der DDR irgendwann einen großen Stellenwert haben."

Auf dem Areal, das geografisch zur Stadt Bernau gehört, betreibt Michels seit 1990 eine Rehaklinik sowie Seniorenresidenzen mit 900 Bewohnern. Aufsteller mit QR-Codes sind bereits als Besucher-Leitsystem installiert.

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