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Gedenken an den Volksaufstand

Stilles Gedenken: Hennigsdorfer Politiker legen Kränze und Blumen am Gedenkstein für die Opfer des Volksaufstandes in der DDR vom 17. Juni 1953 nieder. Im Hintergrund ist das stählerne Denkmal zu erkennen, das an den Wendeherst 1989 erinnert.
Stilles Gedenken: Hennigsdorfer Politiker legen Kränze und Blumen am Gedenkstein für die Opfer des Volksaufstandes in der DDR vom 17. Juni 1953 nieder. Im Hintergrund ist das stählerne Denkmal zu erkennen, das an den Wendeherst 1989 erinnert. © Foto: MZV/Friedhelm Brennecke
Friedhelm Brennecke / 18.06.2017, 22:07 Uhr
Hennigsdorf (OGA) Hennigsdorfer Arbeiter protestierten am 17. Juni 1953 gegen eine Verschärfung der vom Ulbricht-Regime festgesetzten Arbeitsnormen. Sie forderten Demokratie und freie Wahlen. Beim Volksaufstand vor 64 Jahren marschierten sie mit nach Ost-Berlin. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen.

Am Sonnabend ist dieses denkwürdigen Datums deshalb auch in Hennigsdorf gedacht worden. "Wir dürfen die mutigen Frauen und Männer, die damals für freie Wahlen und Demokratie in Hennigsdorf auf die Straße gingen, nicht vergessen. Wir gedenken der Toten und Opfer des Arbeiteraufstandes von vor 64 Jahren", sagte Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) am Gedenkstein auf dem Dorfanger an der Berliner Straße. Dort hatten sich Vertreter von Parteien eingefunden, um Kränze und Blumen niederzulegen.

Andreas Schulz, der nach 27 Jahren als Bürgermeister nicht mehr antritt, berichtete, wie auch ihn persönlich der 17. Juni 1953 einprägsam ergriffen habe. Er sei 1990 erst 17 Tage im Amt gewesen, als er als noch unerfahrener Kommunalpolitiker am Gedenkort für den Volksaufstand an den ehemaligen Borsig-Werken in Berlin-Tegel plötzlich über die Geschehnisse von damals sprechen musste. Durch Tegel waren die Hennigsdorfer Arbeiter vor 64 Jahren gezogen, um über den Wedding ins Ost-Berliner Zentrum zu marschieren, wo die Proteste gegen den SED-Staat schließlich blutig niedergeschlagen wurden.

Was die Arbeiter mit dem Aufstand in der gesamten DDR damals nicht erreichen konnte, sei schließlich im Herbst 1989 gelungen und Wirklichkeit geworden, sagte Schulz. Gerade deswegen aber dürften die Menschen nicht vergessen werden, die schon 36 Jahre zuvor für gerechte Arbeitsbedingungen und für freie Wahlen eingetreten seien. Hennigsdorf erinnert auf dem Dorfanger mit einem Denkmal auch an den Wendeherbst vor 28 Jahren.

"Das Wissen um die Ereignisse vom 17. Juni 1953 und vom Herbst 1989 müssen wir auch der jungen Generation vermitteln", sagte Schulz. Denn die Lehren daraus seien aktueller denn je. Schließlich fielen gerechte Arbeitsbedingungen ebenso wie Freiheit und Demokratie nicht einfach vom Himmel. Beides müsse erkämpft und auch täglich gelebt werden, sagte der Bürgermeister im Hinblick auf Zeiten unsichere Arbeitsplätze und auf Kräfte, die es mit der Demokratie nicht so ernst meinten.

Andreas Schulz erinnerte auch an den am Vortag verstorbenen Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). "Was die Menschen in der DDR im Wendeherbst 1989 erkämpft haben, hat Kohl entschlossen in Politik umgesetzt", sagte Schulz. Damit werde Kohl als Kanzler der deutschen Einheit sicher in die Geschichtsbücher eingehen. Aber erst der Kampf der Menschen in Ostdeutschland um Freiheit und Demokratie sei die Voraussetzung dafür gewesen.

Der Bürgermeister appellierte an die Anwesenden, die Erinnerung an den 17. Juni 1953 immer wachzuhalten und die mutigen Menschen von damals nicht zu vergessen. Dieses Datum stehe in einer direkter Verbindung zum Herbst 1989.

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