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In Brandenburg 1500 Euro Lohn, in Polen ein Drittel davon

Grenzüberschreitende Jobsuche: Jacqueline Paape vom Arbeitgeber-Service Frankfurt berät einen polnischen Kunden.
Grenzüberschreitende Jobsuche: Jacqueline Paape vom Arbeitgeber-Service Frankfurt berät einen polnischen Kunden. © Foto: Clarissa Matos Bernal
Dietrich Schröder / 29.03.2017, 18:01 Uhr - Aktualisiert 29.03.2017, 18:08
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Zahl der sozialversicherungsbeschäftigten polnischen Arbeitnehmer in Brandenburg wächst stetig. Allein im Bereich der Arbeitsagentur Frankfurt(Oder), zu dem auch die Landkreise Märkisch Oderland und Oder-Spree gehören, stieg sie in den vergangenen Jahren von 662 auf aktuell über 3000. In ganz Brandenburg sind rund 6000 Polen beschäftigt, von denen viele fast täglich über die Grenze pendeln.

Die meisten von ihnen sind in den großen Logistikzentren rund um Berlin, als Kraftfahrer, in Hotels und Gaststätten oder mit dem jetzt beginnenden Frühjahr auf dem Bau beschäftigt. "Der Hauptgrund für diese Entwicklung sind die nach wie vor bestehenden Lohnunterschiede", sagt die Beraterin Regina Gebhardt-Hille. In Deutschland kommt man mit dem gesetzlichen Mindestlohn auf wenigstens 1500 Euro im Monat. Östlich der Oder beträgt der Mindestlohn 2000 Zloty, also umgerechnet nur 500 Euro.

Entsprechend groß war auch das Interesse aus dem Nachbarland bei der ersten deutsch-polnischen Infomesse, an der am Dienstag in der Frankfurter Arbeitsagentur auch die IHK und die Handwerkskammer, mehrere Krankenkassen und die Deutsche Rentenversicherung teilnahmen. "Viele Polen wollen sich auch über ihre Rechte und Ansprüche beraten lassen, die sich aus einer Beschäftigung in Deutschland ergeben. Und die meisten wissen noch gar nicht, dass wir unseren Service der fortlaufenden Information über offene Arbeitsstellen auch für sie anbieten", sagt Agentur-Sprecherin Clarissa Matos Bernal.

Jacek Kaminski aus Slubice war gemeinsam mit seiner Tochter Teresa gekommen. Doch während die 19-Jährige, die in Kürze ihre Berufsschulausbildung beenden wird, die Messe gleich mit einem ganzen Packen an Ausbildungsangeboten verlässt, schaut ihr Vater etwas betrübt drein. Über die Gründe dafür berichtet er freimütig: "Wissen Sie, ich bin ein 56-jähriger Geodät und habe meinen Job verloren. In dem Alter etwas zu finden, ist schwierig, doch ich würde auch in einem Versandhandel oder Lager in Deutschland arbeiten. Aber täglich bis fast nach Berlin zu fahren, ist doch etwas anstrengend."

Am wenigsten hatten die Mitarbeiter des Slubicer Arbeitsamts zu tun, obwohl auch sie freie Stellen bieten. Bauarbeiter mit bis zu 3500 Zloty Lohn, Kassiererinnen in Wechselstuben (2000 Zloty und etwas Gewinnanteil) und sogar ein Grundschuldirektor (4000 Zloty plus Prämie) werden etwa gesucht. "Weil so viele Slubicer in Deutschland arbeiten, finden bei uns immer mehr Ukrainer einen Job", berichtet eine Mitarbeiterin. Diese ersetzen die Einheimischen.

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