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Olav Schröder 20.06.2017 06:45 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Der Mensch hinter der Fassade

Biesenthal (MOZ) Die Galerie im Rathaus Biesenthal widmet sich gegenwärtig der Malerei und Grafik der Bernauer Künstlerin Annett Schauß. Bekannt ist sie unter anderem aufgrund ihrer Mitwirkung an Projekten in der Bernauer Marienkirche und bei Fassadengestaltungen in der Stadt.

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Menschenbilder im Atelier: Annett Schauß widmet sich gern den verdeckten Signalen und Gesten, die in einem Gespräch unmissverständliche Botschaften der Zu- oder Abneigung übermitteln

© MOZ/Sergej Scheibe

Hausfassaden, Straßenschluchten und Stadtlandschaften prägen die Bilder von Annett Schauß, die gegenwärtig in der Galerie im Fachwerkrathaus Biesenthal gezeigt werden. Die Ausstellung trägt den Titel "Traum-Stadt" und nimmt damit Bezug zu dem Dichter Peter Paul Althaus, der in seinem Zyklus der Traum-Stadt-Gedichte die "Zerrissenheit zwischen realem politischen Handeln und dem Spiel mit Absurditäten" aufzeigt, wie Marieluise Schaum ausführt: Die Gaststätte, das Konzert, das Café oder die Kneipe, eine Trennung oder die Suche nach dem anderen Geschlecht - sie werden von einer "durchgängig erkennbaren Bildsprache" bestimmt und lösen "subtile Erfindungen bei den Betrachtern aus, so die Professorin für Kunstwissenschaft in der Vernissage zu der Ausstellung.

Annett Schauß arbeitet in der Denkmalpflege, als Designerin und Grafikerin sowie in der baubezogenen Kunst. In Bernau hat sie mit ihren Untersuchungen unter anderem an den Farbrestaurierungen des Henkerhauses, des Kantorhauses und des Rathauses mitgewirkt. Bekannt ist ihre großflächige Giebelgestaltung am Kulturhof in der Breitscheidstraße. Weniger auffällig, da dezent mittelalterlich gestaltet, präsentiert sich die Giebelwand an der früheren Bernauer Gesamtschule, der heutigen Grund- und Oberschule am Rollberg. Darüber hinaus arbeitet sie mit der Blumberger Restauratorin und Bildenden Künstlerin Christa Jeitner und dem Schönwalder Kirchenhistoriker Hartmut Kühne in der dreiköpfigen Projektgruppe zur Bernauer St. Marienkirche mit. Zurzeit bereitet sie gemeinsam mit dem Bernauer Udo Wilke ein Ausstellungsprojekt für die Wallfahrtskirche in Bad Wilsnack vor.

"Ich kann nicht dekorativ malen, auch wenn es vielleicht so wirkt", sagt Annett Schauß. "Man muss in Bildern Wahrheit finden", lautet ihr Credo und nimmt damit Bezug zu Kurt Tucholsky, von dem eines ihrer Lieblingszitate stammt: "Das Leben ist gar nicht so - es ist ganz anders."

Dass sie Kunst studieren wollte, stand für die heute 52-Jährige schon von kleinauf fest. Dies sei in der DDR zwar schwieriger gewesen, da es weniger Hochschulen gegeben habe, doch an dem Ziel, frei und unabhängig arbeiten zu können, habe sie stets festgehalten. Nach dem Abitur und einer Lehre zur Keramtechnikerin besuchte sie die Fachschule für Angewandte Kunst in Potsdam und schließlich die Fachhochschule für Werbung und Gestaltung. Nach dem Abschluss 1991 stieg sie sogleich in die selbstständige Arbeit im Denkmalbereich ein.

Das Malen hat sie jedoch nie aus den Augen verloren. Mitunter, wenn sie mit anderen Aufgaben eingedeckt ist, reserviert sie sich die Wochenenden, um an ihren Bildern zu arbeiten. Sie entstehen oft als Zyklen. In der Biesenthaler Ausstellung zeigt sie nicht allein Außenansichten. Manchmal fällt der Blick aus einem geschützten Innenraum durch das Fenster auf die Fassade des Nachbarhauses. Annett Schauß faszinieren die Ansichten urbanen Lebens. Sie malt in kleinen Städten ebenso gern wie in den Metropolen Berlin und Paris. Die Straßenfluchten werden durch die Fassaden lebendig, die Zeitspuren aufnehmen und Geschichte ablesen lassen.

"Fassaden sind wie Menschen", sagt sie. Doch auch Menschen tauchen in ihren Stadtlandschaften immer wieder auf, in stark stilisierter Form, ohne Mimik, dafür aber mit aussagekräftigen, ausladenden Gesten, die die Figuren miteinander kommunizieren lassen. "Die Gestik beschreibt einen Prozess des Reibens - mit der Hoffnung, eine gemeinsame Basis zu finden", wie sie sagt.

In Mappenkursen leitet Annett Schauß junge Talente an, die sich an einer Hochschule für ein Kunststudium bewerben wollen. "Besucht Ausstellungen er Gegenwartsmalerei oder der alten Kunst", rät sie und fügt hinzu: "Aber schon auf dem Weg in die Galerie oder das Museum werdet ihr dem Leben begegnen, das es wert ist, im Skizzenbuch festgehalten zu werden."

Annett Schauß: Die Ausstellung Traum-Stadt - Grafik und Malerei ist bis zum 9. Juli in der Galerie im Rathaus Biesenthal, Am Markt 1, zu sehen: dienstags und donnerstags 9 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr, freitags 9 bis 14 Uhr, sonnabends und sonntags 10 bis 14 Uhr; Galeriegespräch am Sonnabend, 8. Juli, 11 Uhr

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