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Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst gegründet

Die Gründung des Landesmuseum ist vollzogen.
Die Gründung des Landesmuseum ist vollzogen. © Foto: MOZ/Thomas Klatt
Thomas Klatt / 01.07.2017, 20:05 Uhr - Aktualisiert 01.07.2017, 21:56
Cottbus/Frankfurt (Oder) (MOZ) So feierlich ging es im musealen Cottbuser Dieselkraftwerk noch nie zu. Musiker des Bach Consort Cottbus waren gekommen, um  - fein gestrichen - mit Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 den festlichen Akt einzuleiten. Was lange dauerte, wurde am Sonnabendvormittag nun auch juristisch formal zur Unterschrift gebracht: Die Gründung eines neuen Landesmuseums für moderne Kunst. Seit dem 1. Juli sind das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus und die beiden Häuser der „Jungen Kunst“ in Frankfurt unter einem Dach vereint und bilden Brandenburgs wichtigstes Museum für Kunst der DDR und des Ostens.  Zusammen beherbergen sie 35 000 Werke.

Dass diese Fusion im Vorfeld völlig konfliktfrei lief, kann man nicht gerade sagen. Groß waren die Bedenken und Ängste seit längerem. Offen geredet wurde darüber selten. Und die Vorbehalte waren wohl in Frankfurt in Künstlerkreisen und auch innerhalb des Hauses stärker als in Cottbus auszumachen. Die Befürchtung, dass die üppige Sammlung, sorgsam zusammengetragen und seit mehreren Jahrzehnten behütet, vom größeren Cottbuser Haus dominiert werden könnte, haben am Sonnabend vor allem die Offiziellen – von der Ministerin Martina Münch bis zum Frankfurter Oberbürgermeister Martin Wilke zerstreut. Münch sprach dabei von einer Fusion „auf Augenhöhe“.  Das Profil zu schärfen und die verstärkte Arbeit mit den eigenen Beständen seien nun wichtig. Die Landesregierung erhöhe ihre bisherige Finanzierung der beiden Museumsstandorte ab dem kommenden Jahr um rund 450 000 Euro auf künftig 1,3 Millionen Euro jährlich für die neue gemeinsame Einrichtung. Die Städte Cottbus und Frankfurt geben etwa jeweils eine halbe Million dazu. Martin Wilke sagte gegenüber dieser Zeitung selbstbewusst: „Dresden hat die alten Meister, wir haben die moderne Kunst.“

Von  langwierigen Verhandlungen war vorab zu hören und von anfänglich unterschiedlichen Konzeptauffassungen, nach denen das Potsdamer Kulturministerium sich auch Blockbuster-Ausstellungen populärer Künstler vorstellen könnte. Gern hätte man vor einem Cottbuser Landesmuseum lange Warteschlangen eines weit gereisten Publikums gesehen. Das scheint sich beruhigt zu haben, denn die Warteschlangen finden sich nun vor dem Privatmuseum des Mäzens Hasso Plattner im Barberini Potsdam – zu recht.

Um die Parität der beiden Standorte zu betonen, reiste eine kulturpolitische Delegation aus Frankfurt mit dem OB an der Spitze extra nach Cottbus – neben Münch und Kremeier redeten noch der Cottbuser Dezernent Berndt Weiße anstelle des Oberbürgermeisters Holger Kelch (CDU), der seinen 50. Geburtstag vorbereitete sowie Martin Roeder, Vorstandsvorsitzender der Brandenburgischen Kulturstiftung. Auch die hat übrigens ihren Namen geändert. Heißt sie doch jetzt „Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus -  Frankfurt (Oder)“. Wenn man berücksichtigt, dass das Staatstheater in der Stiftung der Hauptakteur bleibt, ist die Namensänderung eine Referenz an die Oderstadt, die, was das Staatstheater angeht,  mit Ausnahme von Gastspielen des Musiktheaters, wenig mit Cottbus zu tun hat.

Anschließend fuhr die komplette Delegation weiter nach Frankfurt – um dort den Unterschriften-und Rede-Akt nahezu identisch noch einmal zu vollziehen. Chefin Ulrike Kremeier freute sich in Frankfurt über ein Geschenk von Martin Wilke – ein Originalplakat, das von den Gründungsjahren der „Jungen Kunst“ in Frankfurt kündet. Waren  in Cottbus etwa 300 Besucher gekommen – auch um das anschließende kleine Open-Air-Kulturprogramm zu sehen, waren es in Frankfurt nur etwa 100 Interessierte. Nicht wenige für einen frühen Sonnabendnachmittag in Frankfurt, wie manche sagen. Vielleicht lag es am Punk von Alexander Pehlemann, der noch einmal die Subkultur der 70er-Jahre zurückbrachte und die Rathaushalle rockte. Immerhin passte das gut zu der aktuellen Ausstellung „Malstrom 2“, die dort zu sehen ist. Cottbus zeigte indessen bei regenlosem Wetter kleine artistische Nummern, die auf die aktuelle Ausstellung „Zirkuszauber“ hinweisen sollten. Zweifelloser Höhepunkt: Das Kanu-Ballett des Kunstpreisträgers Hans-Georg Wagner und seiner Frau Katrin. Zentimetergenaue Choreografie zu Wasser im Indianerkanu- ein Hobby von Wagner, der sich nicht nur mit Arbeiten im  Holz bestens auskennt.

Am Ende des Tages waren wohl alle von der Hoffnung beseelt, das nun zusammenwachsen möge, was eigentlich gut zusammenpasst.

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