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Kleine Kletteraffen im Briesetal

Ihren Traum verwirklicht: Nicola Nöske auf dem Parcours, den sie sich selbst ausgedacht hat. Wenn alles gut läuft, öffnet sie bis in die Wintermonate hinein
Ihren Traum verwirklicht: Nicola Nöske auf dem Parcours, den sie sich selbst ausgedacht hat. Wenn alles gut läuft, öffnet sie bis in die Wintermonate hinein © Foto: . Kurtz
Sandra Kurtz / 06.03.2012, 19:11 Uhr
Birkenwerder (MZV) Sie sitzt auf dem Holzpodest und lacht. Nicola Nöske hat sich einen Traum erfüllt. Einen, der 150 Meter lang ist. Sie hat den ersten brandenburgischen Kletterpark für jene realisiert, die auch gern in der Luft baumeln würden, aber nie dürfen, da sie noch nicht 1,30Meter groß sind.

Dieses Maß ist fast immer das Ausschlusskriterium bei den großen Kletterparks in Deutschland. Dabei ist gerade beim Klettern, Hüpfen, Balancieren und Springen die „Dafür-bist-Du-noch-zu-klein!“-Ausrede richtig gemein. Dreijährige wollen genauso hangeln und rutschen wie die Achtjährigen. „Mit meinem Großen könnte ich jetzt geradeso in die Kletterparks. Der ist jetzt acht Jahre alt.“ Nur hat die Bergfelderin Nicola Nöske noch zwei Kinder – Marc und Amalia, sechs und drei Jahre alt. Genau für die beiden hat Nicola Nöske vor zwei Jahren begonnen, über einen Kletterwald für Minis nachzudenken.

Jetzt, Anfang März, sitzt sie zwischen Eichen und Kiefern im Briesetal, in direkter Nachbarschaft zur Waldschule Briese. Der Kletterpark ist fast fertig. 150 Meter lang ist er geworden, 22 Teilstücke umfasst er. Eine Seilbahn, ein Tarzan-Seil, rote Schlaufen für Hände und Füße, wacklige Rundhölzer, ein Abschnitt zum Balancieren – die einzelnen Elemente hat sich Nöske größtenteils selbst ausgedacht oder von den Kletterparks für die Großen umgewandelt. Materialien wie Spanngurte und Schiffstaue hat sie erst nach einigen Überlegungen ausgewählt. Auch ein Buch über Seemannsknoten gehört jetzt zu ihrem Haushalt.

Auf einer Höhe von nur 1,50 Metern können sich die Kinder ausprobieren, am besten alleine, ohne dass sich die Eltern verbal einmischen. Denn: „Die körperlichen Fähigkeiten gehen Hand in Hand mit der geistigen Entwicklung“, sagt die studierte Psychologin, die in Frankreich aufgewachsen ist. „Die Kinder sollen sich selbst überlegen, wie sie zum nächsten Baum kommen. Sich vorher Gedanken zu machen, wohin das Holzstück pendeln könnte, wo man sich am besten festhält, was schwanken könnte – das schult die Koordination, das gesamte Körpergefühl.“

Wer sich anfangs gar nicht traut, wird durch einen Gurt gesichert und kann sich an den mitlaufenden Sicherungsseilen verankern. „Das machen die Kinder beim ersten Mal. Beim zweiten, dritten Mal wollen sie es dann alleine probieren.“ Wer fällt, fällt auf weichen Waldboden und vor allem nicht tief. „Aber es ist noch keiner runtergefallen“, sagt Nöske, die die Strecke schon mal für Freunde ihrer Kinder und für Verwandte geöffnet hat.

Große Überzeugungsarbeit musste Nöske auf dem Weg zur Realisation nicht leisten. „Sobald sie hören, dass ich ein Kinderprojekt machen möchte, sind alle begeistert.“ Die Gemeinde, die Forst, niemand rollte ihr Steine in den Weg. „Ich musste nur das Grundstück eine Weile suchen, weil ich am liebsten mitten im Wald gewesen wäre. Das ist jetzt nicht ganz der Fall. Aber ich aber ich den Parkplatz gleich nebenan und die Waldschule, auch nicht schlecht“, so die dreifache Mutter.

Ihr großer Sohn geht in Bergfelde zur Schule, ihre beiden kleinen in die Kita Krümelkiste in Borgsdorf – kurze Wege also, die es Nöske erlauben, ihre Kinder nachmittags mit zum Mini-Monkey-Paradies zu nehmen. „Ich wollte nachmittags gern mit meinen Kindern zusammen sein. Und ich denke, hier werden sie sich nicht langweilen.“

Neben dem Parcours für die Kinder bietet Nöske auch Crêpes, Waffeln und Kaffee aus einem Imbisswagen heraus an. Ein Atelier zum Basteln, Malen und Hämmern sowie ein Sandkasten sollen noch in diesem Sommer entstehen. Das 18000 Quadratmeter große Grundstück hat sie erst einmal für zehn Jahre gepachtet, 20000 Euro allein haben die Kletterwald-Elemente und deren Aufbau gekostet – ganz zu schweigen von den Kosten für die Fachleute, die ein Auge auf das Bauwerk werfen müssen, bevor es genehmigt werden kann.

„Am 1.April werde ich eröffnen. Dann war der TÜV hier.“ Bis dahin werden auch die Bauservice-Firma von Rene Uhlitzsch aus Leipzig und die Berliner Stilholz-Manufaktur von Thomas Liebe so weit sein, dass alles wackelt und dennoch hält. Das Gelände ist bereits jetzt umzäunt, so dass sich die Eltern auch wirklich entspannt hinsetzen und ihren Kaffee genießen können.

Nicola Nöske sucht noch studentische Hilfskräfte oder Praktikanten, die gerne draußen sind und mit Kindern umgehen möchten. Die können sich telefonisch bei ihr melden – oder gleich vorbeikommen und mal testen, was Mini-Monkeys so können müssen.

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