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Beim Musikfestival "Rockende Eiche" in Biesenthal können Nachwuchsmusiker ihren Emotionen freien Lauf lassen

Kein Blatt vor dem Mund

Die fünf Jungs von "Fearless Mind" singen offenherzig darüber, was sie in ihrem Alltag bewegt.
Die fünf Jungs von "Fearless Mind" singen offenherzig darüber, was sie in ihrem Alltag bewegt. © Foto: MOZ/Patrizia Czajor
Patrizia Czajor / 05.09.2017, 07:55 Uhr
Biesenthal (MOZ) Ein Mal im Jahr können sich junge Künstler beim Open-Air-Festival "Rockende Eiche" auf dem Kultigelände in Biesenthal einem größeren Publikum präsentieren. Eines sind die Musiker aus der Region dabei sicherlich nicht: leise. Mitgenommen haben die Bands aus Brandenburg und Berlin auch die Fans aus der Heimat.

Aufgeregt kann er gerade nicht sein. "Der Kopf ist einfach zu voll", sagt Tom Förster. Nicht nur wird der 16-jährige Biesenthaler in weniger als einer Stunde zusammen mit der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Marie-Christin Bema die Moderation zur Rockenden Eiche führen. Auf dem Nachwuchsbandfestival, das es seit nunmehr 15 Jahren gibt, wird er auch mit seiner Band "Deeper Than Fear" auf der Bühne stehen.

Ins Programm gerutscht sind die drei Jungs der Gruppe nur, weil andere kurzfristig abgesagt haben, wie Schlagzeuger Pierre Barton erläutert. "Es ist auch erst der zweite große Auftritt für uns", räumt er ein. Erst im vergangenen Jahr hätten sie sich als Band zusammengefunden und bisher zum größten Teil nur auf kleineren Dorfkonzerten gespielt.

Auf der Bühne scheint dieser Anflug von Unsicherheit hingegen wie verflogen. Tom Förster schreit, brüllt und verzieht das Gesicht, während der energische Sound des Schlagzeugs den wütenden Unterton des Textes unterstreicht. Er singt vom Alleinsein. Von Momenten, in denen niemand einen ertragen kann. Gäste treten allmählich auf die Rasenfläche vor die Bühne und bilden einen Schwarm von sich schupsenden. Andere halten sich mit ihrem Getränk lieber ein bisschen abseits auf.

Jan aus Biesenthal albert mit seiner kleinen Tochter am Rand der Tanzfläche herum. Junge Vater erzählt, dass er erst kürzlich in den Ort gezogen sei und im vergangenen Jahr eigentlich nur zufällig beim Einkaufen durch die laute Musik auf das Festival aufmerksam geworden sei. "Jetzt bin ich wieder hier", freut er sich.

Einige der insgesamt elf Bands, die sich am Samstag auf dem Kultigelände in der Bahnhofstraße präsentieren, bringen Fans und Freunde auch direkt aus der Heimat mit. Lisa Engel etwa, die einige Meter von der Bühne entfernt mit anderen Mitgereisten den Kopf zur Musik von "Fearless Mind" schüttelt, ist selbst mit den Musikern befreundet. "Es ist laut und man kann sich gut dazu bewegen", beschreibt die 18-jährige den Stil der Berliner Gruppe, während ihr Frontsänger mit locker sitzendem Muskelshirt in seiner wilden Performance jeden Zentimeter der Bühne ausnutzt.

Der Auftritt bei der Rockenden Eiche ist für viele Nachwuchsmusiker eine Möglichkeit, Bühnenerfahrung zu sammeln und sich zu präsentieren, weiß Sebastian Henning. "Schon immer ist Musik ein wichtiger Bestandteil des Kulti gewesen", sagt er über die Geschichte des Jugendzentrums, dessen Träger die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ist. Henning, der als Kultur- und Medienpädagoge für die Stiftung arbeitet, hat gemeinsam mit 25 ehrenamtlichen Helfern das Festival in diesem Jahr organisiert und auch die Bands ausgewählt. "Das steht im Einklang mit dem Konzept, jungen Menschen Freiräume, auch zur Selbstentwicklung, zu bieten", sagt er über die Arbeit des Kulti, das zum festen Partner des Amtes der Stadt im Bereich Jugendhilfe und Jugendarbeit geworden ist.

Erst vor einem Jahr hat Marie-Christin Bema das Team des Jugendzentrums verstärkt. Doch bereits jetzt hat das ehrenamtliche Engagement ihren Berufswunsch geprägt. "Ich möchte später etwas mit Medienpädagogik machen", sagt die 15-jährige Schülerin. In diesem Jahr ist sie mit in die Organisation und Planung des Konzerts eingebunden. Schon vorher besuchte sie die "Rockende Eiche" regelmäßig. "Das ist meine Musik", sagt Marie-Christin und präsentiert stolz ein T-Shirt der Band "Being as an Ocean". Es sei der Stil, den sie in der Nachwuchsband "Deeper Than Fear" wiederfindet. "Melodischer Hardrock", wie die Jungs selbst sagen. Das sei Schreimusik mit ruhigen und langsamen Passagen. Für Marie-Christine ist die Musik sehr vielseitig und spannend.

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