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Heike Weißapfel 13.09.2017 09:44 Uhr
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Hohen Neuendorfer Ehepaar feiert Eiserne Hochzeit

Hohen Neuendorf (OGA) Zuerst hatte er ein Bild von ihr. Bei Foto-Gerth in der Schönfließer Straße hatte er das Porträt des hübschen Mädchens auf dem Tisch liegen sehen. Die junge Frau schaute ihn an, wird sich Günter Siebert Jahrzehnte später in seiner Autobiografie erinnern, als wollte sie ihn fragen: "Na, willst du mich nicht kennenlernen?"

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Immer noch glücklich, einander zu haben: Ursula und Günter Siebert heute.

© MZV

Günter Siebert wollte - und er wollte lieber nicht, dass das Bild inzwischen noch jemand anders zu Gesicht bekäme, also nahm er es einfach gleich mal mit. Kennengelernt hat der Junglehrer Siebert Uschi Schrage dann doch eher über den Umweg Arbeit. Da ging es darum, Landwirte zu belehren. Sie arbeitete in der Verwaltung in der Abteilung Landwirtschaft, er war schon Lehrer. Nun scheint das Thema "Kartoffelkäfer" auf den ersten Blick nicht wirklich romantisches Potenzial zu haben. Aber später haben die beiden zwei Exemplare als Glücksbringer in einer kleinen Schachtel aufbewahrt, und so kam der Käfer zumindest in der Familie Siebert doch noch zu ungeahnten Ehren.

1-2-3-4-5: Der 24.3.51 ist ein wichtiges Datum im Leben von Ursula und Günter Siebert. Denn da wurde die Verlobung gefeiert. "Da ich etwas älter bin, hatte ich schon das eine oder andere Mädchen kennengelernt", erinnert sich Günter Siebert mehr als 66 Jahre später. "Von Heiraten war da aber nie die Rede. Diesmal habe ich nach acht Tagen gefragt - und sie hat mich Tatsache genommen!"

Jung und verliebt, haben sie damals wahrscheinlich nicht darüber nachgedacht, ob sie einmal ihre Eiserne Hochzeit feiern würden. Aber wer Ursula und Günter Siebert heute fröhlich in ihrem Wohnzimmer sitzen sieht, denkt unwillkürlich, dass genau das ein Plan des sympathischen Paares gewesen sein muss. Den umzusetzen, scheint ihnen nicht unbedingt schwer gefallen zu sein. "Naja, 65 Jahre eisernes Durchhalten war es nicht", sagt Günter Siebert lachend, während seine Frau ihn aus lebhaften blauen Augen mit einem genauso breiten Lächeln anstrahlt und nickt.

"Für das Zusammenleben ist es wichtig, dass man Gemeinsamkeiten hat. Wir können uns austauschen, hatten immer Verständnis für den anderen", sagt der 90-Jährige. Einen Tipp hat er parat: "Es ist besser, alte Streitigkeiten nie wieder aufzuwärmen. Da kommt man sowieso immer nur zu demselben Ergebnis."

Zu ihren Gemeinsamkeiten gehörte der Beruf. Während er schon mit 19 Jahren Lehrer wurde, war Ursula Siebert erst einmal als Verwaltungsangestellte im Rathaus tätig. Sie gab Lebensmittelkarten aus und war unter anderem in der Kasse. Bei ihr zahlten die Hohen Neuendorfer ihre Steuern, sie war im Ort bekannt.

Doch Ursula Siebert wollte schon immer Lehrerin werden, hatte sogar schon die Aufnahmeprüfung gemacht. Mit Handarbeitsunterricht fing sie auch in der Schule an, später wurde sie Unterstufenlehrerin an der Weißen Schule. Das Strickzeug holt sie für ein Röckchen für die Urenkelin bis heute gerne hervor.

Er gab polytechnischen Unterricht auf dem Volksgut Stolpe. Dort sangen sie auch beide im Chor - sie Sopran, er Bariton. "Die erste Frage, die mir gestellt wird, wenn ich jemandem begegne, ist immer: ,Was macht Uschi?' oder ,Wie gehts Ihrer Frau?'", sagt Günter Siebert, der natürlich mindestens ebenso bekannt ist.

Ursula Siebert ging nach einer Krankheit 1987 in Pension. Als "alter Pauker" liebäugelte ihr Mann mit 63 Jahren gerade mit der Rente, als er stattdessen 1990 der erste frei gewählte Bürgermeister seiner Heimatgemeinde wurde. 1992 gab der Sozialdemokrat den Posten zwar auf. Doch Hohen Neuendorf ist nach wie vor "hundert Prozent" die Stadt der Sieberts, deren Geschicke sie stets aufmerksam verfolgen.

Zum familiären Glück zählten zuerst die Töchter Angelika und Martina, die heute 60 und 55 Jahre alt und mit ihren eigenen Familien in der Nähe geblieben sind. Vier Enkel und drei Urenkel haben sich inzwischen dazugesellt. Zu allen haben Sieberts sehr regelmäßigen Kontakt, per E-Mail sogar täglich. "Jeden Morgen gehe ich als Erstes an den Computer und schicke Martina eine Nachricht, damit sie weiß, wie es uns geht", sagt er. Ein Enkel hilft, wenn er im Internet Sachen bestellen möchte. Beide schätzen sich glücklich, dass die Familie ihnen nun so zur Seite steht, wie sie selbst früher für alle da waren, und sie sind froh, das zusammen erleben zu können. Gefeiert wird mit allen, und am Sonntag wird die Eiserne Hochzeit auch in der Kirche begangen.

Mit Freunden, auch aus der Partnerstadt Müllheim, wird über den Rechner Korrespondenz geführt. Richtig mit der modernen Technik zu arbeiten, hat Günter Siebert erst 2003 bei einer weiteren gemeinsamen Beschäftigung mit seiner Frau gelernt. In ihren "Dorfgeschichte(n) aus der Uckermark" haben Sieberts zusammen seine alte Heimat Buchholz in der Gemeinde Gerswalde beschrieben und bebildert. Im dortigen Heimatverein sind sie Mitglieder. Ein Exemplar des Buches hat der Alt-Bürgermeister seinem Parteifreund Matthias Platzeck geschickt, der in der Nähe gebaut hat. Einen riesigen Fundus an Bildern gibt es im Computer inzwischen auch. Mit Astrid Kruse vom Stadtarchiv tauscht sich Siebert gern aus.

Seit einigen Jahren kann Günter Siebert nicht mehr laufen. Da setzt er sich halt die markante Mütze auf und macht sich mit seinem Elektromobil auf den Weg. In der Dr.-Hugo-Rosenthal-Oberschule ist er häufig und gern gesehener Ansprechpartner für Schulleiterin Katharina Schlumm wie für Jugendliche. Auch für den neu gestalteten Kistenplatz findet er Lob. "Die Digitalkamera ist ein großes Glück - es sei denn, der Akku ist nicht aufgeladen", sagt er und zückt den kleinen Apparat. So begleitet er die Veränderungen seiner Stadt mit Fotos, die er anschließend zu Hause auf dem Computer seiner Frau vorführt, denn sie ist schon länger nicht mehr gut zu Fuß. In ihrer Wohnung kommen sie gut zurecht. Und sie machen auch da gemeinsame Sache, wenn er ihr rollend den Rücken zudreht und sie die Griffe ihres Rollators mit denen seines Rollstuhls tauscht.

Beide blicken auf viele erfüllte Jahre zurück, aber auch nach vorne. Trotz Handicaps finden sie ihr Leben immer noch schön. Die Mutter der heute 86-jährigen Ursula Siebert ist 102 Jahre alt geworden, und bei Günter Sieberts Vorfahren gab es über 90-Jährige. Super Voraussetzung für weitere Ehe-Jubiläen!

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