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Jan-Henrik Hnida 14.09.2017 07:30 Uhr - Aktualisiert 14.09.2017 09:03 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Motte schwächt Kastanien

Frankfurt (Oder) (MOZ) Seit sieben Jahren befällt die Miniermotte städtische Roßkastanien, so dass die Blätter bereits im Sommer vertrocknen. Die Allee an der Fürstenwalder Poststraße ist vollständig befallen. Eine Maßnahme ist, das Laub mit den darin enthaltenen Larven-Eiern zu entsorgen.

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Blatt als Kinderstube: Motten-Weibchen legen ihre Eier auf die Blätter, die geschlüpften Larven bohren sich Gänge – braun ist das Resultat.

© Michael Benk

Wenn im Sommer nicht nur gebräunte Haut, sondern auch braune Blätter zu sehen sind, dann scheint in der Flora irgendwas nicht zu stimmen. Seit sieben Jahren verursacht die Miniermotte den vorzeitigen Herbst bei den Roßkastanien. Allerdings nur bei den weißblühenden.

Klein, aber oho - obwohl die Miniermotte nur drei Millimeter groß ist, richtet sie mit ihrem Nistverhalten und in ihrer Vielzahl erheblichen Schaden an. Das Problem: Die Kleinschmetterlinge legen ihre Raupen und Puppen in die Blätter der weißblühenden Rosskastanien, wo diese heranwachsen. Das Ergebnis ist auch an vielen Frankfurter Bäumen sichtbar: "1200 befallene Kastanien habe ich im Baumkataster erfasst", sagt Ricky Käks. Über die Jahre seien inzwischen alle kommunalen Roßkastanien betroffen - alleine bis zu 400 in der Fürstenwalder Poststraße, so der städtische Baumkontrolleur.

Braune Blätter erzeugen die Schädlinge laut Naturschutzbund (Nabu) so: Die Weibchen legen durchschnittlich etwa 20 bis 30 weiße Eier einzeln auf der Blattoberseite ab. Rund zwei Wochen später schlüpfen die jungen Larven aus den Eiern, bohren sich ins Blatt ein und minieren (Blätter werden zwischen ihren Ober- und Unterhäuten angefressen - Gänge, "Minen" entstehen).

Das Blatt stirbt um die Gänge herum ab und wird braun. Bei starkem Befall vertrocknen sie vollständig und fallen zu Boden - wie das Exemplar, dass Ricky Käks in der Hand hält. Woher kommt der geflügelte Kastanienschreck? "Durch die Globalisierung kommen neue Schädlinge zu uns", sagt der Baumexperte.Vermutlich seien sie vor Jahren aus Süd-Europa gekommen. Fast - denn sie wird auch Balkan-Miniermotte genannt. Erstmals 1984 in Mazedonien entdeckt, wurde sie zur Wendezeit in Österreich nachgewiesen. Seither breitet sie sich - wahrscheinlich als "blinder Passagier" an Pkws und Lkws - sehr schnell weiter in Mitteleuropa aus. Ohne natürliche Fressfeinde ist die Vermehrung für die Motte ein wahres Kinderspiel, erklärt Ricky Käks. Allerdings: "Die braunen Blätter sind ein rein optisches Problem." Schlimmer für die Kastanien sei die dadurch folgende Schwächung des Baums, so dass Pilze und Parasiten leichtes Spiel haben. "Wir müssen wegen der Motte keine Kastanien fällen", sagt Käks. Doch befallene Bäume bieten genug Angriffsfläche für neue Feinde - wie Pseudomonas. Das Bakterium raubt der Pflanze ebenfalls ihre Kraft, was letztlich der Grund für das Absterben ist.

Das Gegenmittel? Keine Chemiekeule, sondern Handarbeit. "Die Stadt kümmert sich im Herbst darum, dass das Laub der Kastanien aufgenommen und entsorgt wird", sagt Käks. In dem Laub befinden sich die Puppen der Motte. So könne die erste Population im nächsten Frühjahr um bis zu zwei Drittel verringert werden.

Und bei Neupflanzungen von Kastanien wird auf andere Kastanien-Arten zurück gegriffen, beispielsweise auf die rotblühende. Diese wird nicht so stark von der Miniermotte befallen - vielleicht ist die weißblühende Kastanie schmackhafter.

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