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Stalker gesteht vor Gericht Messerangriff auf Schauspielerin / Vor der Tat saß er tagelang im Publikum

"Ich wollte ihr Leben beenden"

Vom Fan angegriffen: Anne Kulbatzki.
Vom Fan angegriffen: Anne Kulbatzki. © Foto: imago/Martin Müller
dpa / 16.05.2017, 20:04 Uhr - Aktualisiert 17.05.2017, 11:23
Berlin (dpa) Die junge Schauspielerin stand auf der Treppe vor dem Deutschen Theater in Berlin, als ein Mann sein Messer zog und zustach. Sieben Monate nach dem Angriff auf Anne Kulbatzki hat ein 29-Jähriger vor Gericht der Hauptstadt weitestgehend gestanden.

"Ich bin zum Theater gegangen und habe versucht, sie zu töten", sagte der Angeklagte am Dienstag zu Prozessbeginn. "Ich war besessen von dieser Person." Die 28-Jährige aber habe ihn "geblockt und abgewiesen". Dem Mann wird versuchter Mord zur Last gelegt.

Der Angeklagte soll der Künstlerin, die er 2007 beim Studium in seiner norwegischen Heimat kennengelernt hatte, bereits längere Zeit vor der Tat nachgestellt haben. "Als ich sie 2013 in Wien besuchte, hat sie mich auch ignoriert", erklärte der mutmaßliche Stalker. Im August 2016 sei er nach Berlin gereist, weil er in Oslo keine Arbeit gefunden habe und "weil hier ein Mensch lebte, den ich mochte". Kaum war die Theatervorstellung am 25. Oktober 2016 beendet, hatte sich der Angeklagte Ermittlungen zufolge erneut seiner Bekannten aus der Studienzeit genähert - gegen ihren Willen. Nach seinem plötzlichen Auftauchen habe Kulbatzki, die wiederholt seine Freundschafts- und Beziehungsofferten abgelehnt habe, ein "letztes, klärendes Gespräch" führen wollen, so die Anklage. Der 29-Jährige habe "in Tötungsabsicht und unter Ausnutzung ihrer Arg- und Wehrlosigkeit" zugestochen.

Vier wuchtige Messerstiche in Richtung Bauch, Gesicht und Hals waren es den Angaben zufolge. Die Schauspielerin habe um Hilfe gerufen und sich gewehrt. Nur durch das beherzte Eingreifen eines Augenzeugen, der den 29-Jährigen weggezogen habe, konnten laut Anklage tödliche Verletzungen der Frau verhindert werden. Sie erlitt Schnittwunden, die in einem Krankenhaus ambulant behandelt worden seien.

Der 29-Jährige schilderte vor Gericht, er habe den Tatplan zwei Tage zuvor gefasst. "Ich wollte sie nach der Vorstellung in der Bar treffen, ohne Hallo zu sagen ihr Leben beenden und dann ins Gefängnis gehen." In den Tagen zuvor habe er im Publikum gesessen - "da war sie irritiert". Einmal sei sie vor ihm in ein Taxi geflüchtet. Zudem habe er ihr viele E-Mails geschickt. "Ich hatte schon den Eindruck, dass sie den Kontakt nicht wollte", gab er zu. Vor der Attacke habe er Hilfe von ihr erhofft, dann aber "keine Hoffnung mehr gesehen".

Der Angeklagte, der in Berlin als Grünflächenmitarbeiter tätig war, befindet sich derzeit in einem psychiatrischen Krankenhaus. Im Prozess geht es auch um die Frage seiner Schuldfähigkeit. Die Verhandlung wird am Donnerstag (18. Mai) fortgesetzt.

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