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Burgwall, Bötz und Kroll

Petershagen-Eggersdorf . Am Freitag eröffnet eine Ausstellung mit Vortrag in den Räumen der Musikschule "Hugo Distler" den Veranstaltungsreigen zum 675-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung von Eggersdorf. Der Verein Bauernvolk spielt eine maßgebliche Rolle dabei.

  Vor dem Aufhõngen: Andreas L³ders mit Unterlagen f³r die Ausstellung zu den slawischen Urspr³ngen. Foto: GMD ©

Mit dem Eggersdorfer Sühnekreuz und der dazu erzählten Geschichte beim jährlich ausgerichteten Mittelalterfest begann es. Inzwischen hat sich der Verein Bauernvolk längst tiefer in die Historie eingegraben und festgestellt: Slawische Wurzeln sind heute noch sichtbar, nur verdrängen wir sie zu Unrecht oft.

Die Wendensiedlung Bötzow, der Burgwall bei Spitzmühle, Studenitz oder heute Stienitz - allenthalben stößt der Kundige auf Spuren der Slawen in dieser Region, verweist Andreas Lüders auf die unmittelbare Umgebung. Auch an hierzulande hinlänglich bekannten Familiennamen wie Woyack (Krüger), Giertz (Musiker) oder Kroll (König) lasse sich ohne weiteres sprachlicher Bezug zu vielfacher Assimila­tion des Slawischen festmachen, erinnert der Bauernvolk-Vereinsvorsitzende und Gemeindevertreter.

"Wir haben immer nach regionalen Bezügen für unser Hobby gesucht", bezieht sich Lüders auf die Ursprünge der Spurensuche im zehnjährigen Wirken des Vereins. "Dabei sind wir irgendwann auch auf die Prozesse gestoßen, die sich hier vor 1000 Jahren abspielten." Das liege zwar länger zurück als die Ersterwähnung Eggersdorfs 1333. Doch zu den Ursprüngen der Besiedlung nahe dem Bötzsee zählen diese allemal. Zielstrebig wurde das nun in die Vorbereitung des Ortsteil-Jubiläums eingebunden.

Über ein Jahr haben Vereinsmitglieder dafür mit wissenschaftlichem Beistand recherchiert, zusammengetragen, das Internet abgegrast, haben Museumsdörfer wie bei Groß Raden und Ausstellungen wie die im Havelberger Dom besucht, machten sich beim Landesmuseum Schwerin kundig und vertieften sich in Sagen-Chroniken.

Was dabei herausgekommen ist, kann der Besucher der Ausstellungseröffnung am Freitag sehen und Interessantes bis Erstaunliches darüber hinaus in einem Vortrag des Direktors des Wendischen Museums erfahren.

Resultat ist eine Ausstellung, die auf zwölf Tafeln vielfältige Zeugnisse für Leben, Arbeiten und Überleben der slawischen Bevölkerung in der Region um Eggersdorf festhält. Teilbereiche wie Handwerk, Kleidung und Schmuck, Musik und Kultur oder die Christianisierung werden durch Darstellungen und Fotos, Modelle, Anlagen unterlegt.

Repliken (Nachbildung von Originalen) sollen die Exposition künftig noch vervollständigen und dafür in einer Vitrine untergebracht werden. Andreas Lüders zeigt ein Messer, holt ein altes Feuerstein-Set hervor, hält einen schmückenden Schläfenring bereit, spielt auf einer Knochen-Flöte eine mittelalterliche Tonfolge. So werde Geschichte noch begreifbarer, nachvollziehbarer, anschaulicher, ist der Bauernvolk-Chef überzeugt und hofft inständig darauf, dass sich auch Lehrer und Schulen auf diesen Teil der Geschichte besinnen und einlassen.

Unterstützt wurde das gesamte Projekt durch einen Förderbetrag von 3800 Euro aus der Aktion Mensch, der noch mit 1000 Euro vom Verein kofinanziert wurde. Im Sinne bürgerschaftlichen Engagements unter dem Motto "Unsere Heimat Europa" soll damit Identität gefestigt werden, ohne den gesamteuropäischen Blickwinkel auszublenden.

So konnte der Fundus an Fakten und Zeugnissen zudem auf Rollbildern dokumentiert und ein Katalog erstellt werden. "Das alles haben wir mit Hilfe der ortsansässigen Firma Iconda optisch wirksam und praktisch einsetzbar verarbeiten können", sagt Lüders. "Damit kann die Ausstellung auch auf Reisen gehen."

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"Das vergessene Volk - Slawen im Oderland", Ausstellung und Vortrag, Freitag, 19.30 Uhr, Musikschule "Hugo Distler"

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