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Investor beantragt Groß-Biogasanlage in Eberswalde

Eberswalde . Im Technologie- und Gewerbepark Eberswalde (TGE) ist der Neubau einer großen Biogasanlage geplant. Ein Investor aus Schleswig-Holstein will eine 8,5 Millionen Euro teure Anlage zur Vergasung von Mais-Silage und Rindergülle bauen. Baustart soll bereits im Herbst sein. In den Kommunen wurde das Vorhaben positiv aufgenommen.

Auf dem Gelände des Technologie- und Gewerbeparks Eberswalde (TGE) soll eine große Biogasanlage entstehen. Sie wird nach Angaben des Investors aus Schleswig-Holstein mit Maissilage, Roggen, Sonnenblumen und Rindergülle gespeist und soll im Jahr mehr als 9 Millionen Kubikmeter Biogas erzeugen. Der Bio-Reaktor wäre damit in der Lage, den Wärmebedarf für rund 5000 Haushalte zu erzeugen. Die Anlage hat eine angenommene elektrische Leistung von 2,5 Megawatt und wäre damit fünfmal so groß wie herkömmliche Anlagen auf Landwirtschaftshöfen mit knapp 500 Kilowatt Leistung.

Die Firma hat ihre Baupläne dieser Woche zeitgleich in Eberswalde und Schorfheide in öffentlichen Ausschusssitzungen vorgestellt. Das war nötig, weil die Anlage exakt auf der Gemarkungsgrenze beider Kommunen errichtet werden soll. Planungsrecht und Baurecht muss in beiden Kommunen beantragt werden. Die Gemeinden haben sich darauf verständigt, dass die Stadt Eberswalde die Koordinierung der nötigen Abstimmung leitet. Die Gewerbesteuer soll anschließend zu je 50 Prozent auf die beiden Nachbarkommunen aufgeteilt werden. Mit dem Bau der 8,5 Millionen Euro teuren Anlage werden drei neue Arbeitplätze geschaffen und nach Angaben des Investors zehn Arbeitsplätze in der Landwirtschaft gesichert. Baubeginn soll im Oktober sein.

Das drei Hektar große Grundstück soll von der TGE erworben werden. Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht freute sich darüber: "Es wäre nach einigen Jahren, in denen wir schon Zuschüsse zahlen mussten, endlich wieder ein größerer Grundstücksverkauf und eine größere Investition." Ausschlag für den Standort hätte nach Angaben von Vorstandsmitglied Bernd Köhler von der C4 Energie AG die nahezu ideale Lage gegeben und der Wunsch der TGE, dass von der Investition beide Gesellschafter, Eberswalde und Schorfheide, profitierten.

Das Unternehmen beabsichtigt nämlich nicht, das Biogas sofort in einem Blockheizkraftwerk zu verstromen, was ja über das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert wird und deshalb für einen Boom an Biogas-Projekten sorgt. Die Genehmigungsbehörde Landesumweltamt hat allein für den Osten Brandenburgs derzeit mehr als ein Dutzend solcher Anlagen in der Bearbeitung.

Wenige Kilometer von der C4-Anlage entfernt soll demnach eine weitere Biogasanlage der Firma Renergie-Partner aus Eberswalde in der verlängerten Oderberger Straße in Lichterfelde entstehen. Die 499 kW-Anlage befindet sich bereits im Genehmigungsverfahren. Sie soll Öko-Strom produzieren und die Abwärme zur Heizung der Schule und der Kita in Lichterfelde an die Gemeinde abführen.

Bei der C4-Anlage im TGE ist im Gegensatz dazu die Verdichtung des erzeugten Biogases zu Erdgas-Qualität geplant und dessen anschließende Einspeisung in eine am Grundstück entlang führende Gasleitung der EWE. Damit könne das Biogas direkt zu den Haushalten oder in bestehende BHKW transportiert werden. Die durch Biomasse erzeugte Wärme könne dann theoretisch die Verbrennung von fünf Millionen Liter Heizöl und den damit verbundenen CO2-Ausstoß einsparen.

Das Unternehmen C4 Energie AG will für die Betriebsstätte eine eigene Firma Eberswalde C4 Energie GmbH gründen und unter anderem mit EWE zusammenarbeiten. Mit Bauern der Region seien bereits 12-jährige Verträge zur Lieferung der Biomasse abgeschlossen worden. Geplant ist, im Jahr von den rund 1200 Hektar gebundenen Ackerflächen 30 000 Tonnen Maissilage, 10 000 Tonnen Roggen, 5 000 Tonnen Sonnenblumen oder Hirse und 10 000 Tonnen Rindergülle als Einsatzstoffe zu gewinnen.

Um Stadtverordneten und Gemeindevertretern die Angst vor Geruchs- und Lärmbelästigung zu nehmen, hat der Investor im Juli zu einer Besichtigung seiner vergleichbaren Biogasanlage in Bergen auf Rügen eingeladen. Auch dort stehen die für Eberswalde geplanten 30 Meter breiten und 17 Meter hohen Bioreaktoren, in denen der Biomasse das Methan durch Gärung entzogen wird. Die Behälter seien gas- und geruchsdicht, der Anlieferverkehr deutlich geringer als der eines normalen Supermarktes, so Köhler. Ein zusätzlicher Klimaschutzeffekt werde dadurch erreicht, dass das benachbarte Krematorium Lichterfelde die bisher ungenutzt an die Umwelt abgegebene Abwärme von der Einäscherung Verstorbener als Prozesswärme für die Biogas-Anlage genutzt wird.

Im Bauausschuss Eberswalde und Hauptausschuss Schorfheide wurde das Vorhaben in dieser Woche wohlwollend aufgenommen.

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