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Jörg Kotterba 07.05.2010 20:14 Uhr - Aktualisiert 08.05.2010 13:31 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Rad-Codierung im Minutentakt

Frankfurt (moz) Die Bilanz ist erschütternd: Im zurückliegenden Jahr waren im Stadtgebiet 58 Fahrradfahrer in Verkehrsunfälle verwickelt. 
36 von ihnen wurden dabei leicht verletzt, 13 schwer. Es gab einen Toten. An 34 der 58 Unfälle trugen die Radler selbst schuld.

  Hatte viel zu tun: Kriminaloberkommissar Detlef Gräfling und die 5000 Euro teure Codierungsmaschine. Hier wird das Fahrrad von Antje Haß mit einer Nummer versehen. Foto: MOZ/Dietmar Horn © Dietmar Horn/MOZ

„Mit diesem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein“, meinte am Freitag Polizeikommissarin Nadin Leuther, die zum Fahrrad-Einsatztrupp der Frankfurter Polizei gehört. Sie legte am Rande der Codierungs-Aktion den Finger auf eine weitere Wunde: 2009 wurden Fahrradfahrer 266mal erwischt, da sie auf Geh- oder Radwegen falsch fuhren. Bußgeldhöhe:
15 Euro. 176 Räder hatten technische Mängel oder eine fehlende Beleuchtung. Macht zehn Euro Strafe. „57 Radfahrer mussten wir mit einem Bußgeld in Höhe von fünf Euro belegen, weil sie mit Kopfhörern fuhren; 34, da sie auf dem Rad telefonierten.“ Auch die Missachtung der Rotlicht-Ampel in 24 Fällen zählte 2009 zu den häufigsten Radfahrer-Vergehen. Doch bei Rot wird es richtig teuer, hagelt es Bußgeld in Höhe von 
45 bis 100 Euro.

Wer aber kam Freitag zur Aktion Sicheres Fahrrad auf den Platz der Republik? Die annähernd 250 Frauen und Männer, die ihr Rad codieren und sich an den Ständen von Polizei und Märkischer Oderzeitung beraten und informieren lassen wollten, waren ganz sicher nicht die Knöllchenempfänger, Rotlichtfahrer und Raser auf Gehwegen. Gekommen waren vorrangig Radler der Jahrgänge 1960 und tiefer, die ihr geliebtes Zweirad mit Hackengas mit einer Codierungsnummer als Eigentumsnachweis „einfach noch sicherer machen wollen“, so Käthe Bargenda, Jahrgang 1933. Sie war die Erste und drängelte um Zehn, „denn in einer halben Stunde habe ich ’nen Friseurtermin.“ Die begeisterte Radfahrerin ließ sich gerade beim Fachhändler eine neue Gangschaltung einbauen. Ihr Slogan: „An der Sicherheit darf man auch beim Rad nicht sparen.“

Die Codierung gab es aber am Stand der Polizei, wo Kriminaloberkommissar Detlef Gräfling fast im Minutentakt codierte, aber umsonst. „Junge Leute wissen den Wert eines Fahrrads oft nicht zu schätzen“, suchte Roland Totzauer, Mitglied im Allgemeinen deutschen Fahrradclubs, nach einem Grund, weshalb nur Radler im reifen Alter zur Aktion kamen.

Von der Codierungsaktion von Polizei und Märkischer Oderzeitung war auch Harald Kunze begeistert. Der 67-Jährige aus Nord hatte die erste Ankündigung in der MOZ schon vor drei Wochen gelesen – und übersehen, dass die Aktion vom Brunnenplatz auf den Platz der Republik verlegt war. So stand er kurz vor 10 Uhr mit Renate Watzlaw (66) vergebens und allein auf weiter Flur. Erst die lange Radlerschlange vor den Passagen – sie machte manchmal erst vor der Lenné-Apotheke Halt – klärte das Versehen auf. „Ich wohne seit zwei Jahren im Hansaviertel, komme aus der Lausitz. Für die BSG Schwarze Pumpe bin ich früher Rad gefahren – und kann es auch heute nicht lassen“, erzählte der sportliche Rentner. Die Aktion fand er „einfach toll. Sie soll ja wiederholt werden – vor allem für jene, die werktags nicht können.“

„Stimmt“, bestätigte Polizeihauptkommissarin Katrin Gassner, im Schutzbereich Leiterin der Präventionsstelle. Auch ihr kamen kritische Töne zu Ohren, weil sich berufstätige Radfahrer und Eltern mit Schulkindern bei einem Freitag-Termin nicht angesprochen fühlten. „Wir werden diese Aktion wegen der großen Nachfrage schon im Juli oder August wiederholen. Dann an einem Sonnabend.“

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