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Proteste gegen Barnimer Stromtrasse werden lauter

Chorin . Während das Raumordnungsverfahren für die von Vattenfall geplante "Uckermark-Leitung" mehr oder weniger geräuschlos über die Bühne ging, mehren sich jetzt massiv Proteste gegen die 380-kV-Freileitung. Unter dem Motto "Biosphäre unter Strom" hat sich eine Bürgerinitiative gegründet.

Die von der Vattenfall Europe Transmission GmbH geplante Trasse Bertikow - Neuenhagen sei "eine riesige Bedrohung", hatte Thomas Pfeiffer, Sprecher der Bürgerinitiative "Biosphäre unter Strom - Keine Freileitung durchs Reservat", während der jüngsten Amtsausschusssitzung seinem Unmut Luft gemacht. "Über unsere Köpfe hinweg werden die Leitungen gezogen", so Pfeiffer, der in Serwest wohnt. Damit würden die Grundstücke enorm an Wert verlieren. Aber nicht nur die Bürger dieses Dorfes seien betroffen. Auch Golzow und Senftenhütte sowie der Landwirtschaftsbetrieb Ökodorf Brodowin werden unmittelbar berührt.

Die Trasse wird durch die Gemeinde Sydower Fließ mit ihren Ortsteilen Grüntal und Tempelfelde in den Niederbarnim geführt. Hier verläuft sie dicht an Albertshof vorbei, um dann zwischen Börnicke und Willmersdorf über Land in Richtung Neuenhagen bei Berlin in Märkisch-Oderland geführt zu werden.

Zudem zerstöre die Freileitung mit 50 Meter hohen Masten die Landschaft, führen die Kritiker weiter an. Und: Die 380-kV-Leitung stellt ein "unverantwortlich starkes Gesundheitsrisiko" dar, insbesondere im Hinblick auf die Gefährdung durch Krebserkrankungen. "In Niedersachsen sind solche Freileitungen inzwischen verboten. Dort setzt man auf Erdverkabelung." Technisch sei dies überhaupt kein Problem, so Pfeiffer.

"Erdverkabelung statt Freileitung" lautet deshalb auch eine Forderung der Bürgerinitiative. Nachdem das Raumordnungsverfahren inzwischen abgeschlossen ist und das Projekt von der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg als "bedingt vereinbar" eingestuft wurde, machen die Gegner der "Uckermark-Leitung" jetzt, da als nächster Schritt, das so genannte Planfeststellungsverfahren ansteht, öffentlich mobil. Der Widerstand formiert sich. Neben der Bürgerinitiative "Biosphäre unter Strom" protestieren unter anderem auch der brandenburgische Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen, der Kulturlandschaftsverein Uckermark, die Liste für Konstruktive Kommunalpolitik Britz-Chorin und die BUND-Ortsgruppe Eberswalde gegen das Vattenfall-Projekt.

In einer Erklärung von Bündnis 90/Die Grünen ist gar davon die Rede, dass Brandenburg mit dem Bau der Stromtrasse durch das UNESCO-Reservat ein "eigener Fall Waldschlösschenbrücke" droht. Die von Vattenfall angeführte Begründung bezeichnet die Landesvorsitzende Ska Keller als unglaubwürdig. Es sei vielmehr zu erwarten, dass über diese Leitung "Strom aus dem geplanten Kohlekraftwerk Lubmin nach Süddeutschland gebracht und der Anschluss Nordwest-Polens vorangetrieben werden soll". Statt die Landschaft weiter "mit Hochspannungsmasten zu verschandeln, wäre es sinnvoll, die Gründung eines bundeseinheitlichen Netzbetreibers abzuwarten".

Für Freitag, 13. Juni, lädt die Bürgerinitiative um 19 Uhr in Serwest (Gaststätte "Aquamarin") zu einer Informations- und Protestveranstaltung ein.

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