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Verwandlung eines Plattenbaus in ein Freizeitschiff

Eberswalde . Wohnungsleerstand ist im Brandenburgischen Viertel nach wie vor ein Problem. Zum ersten Mal hat die Wohnungsbaugenossenschaft eine leergezogene Platte jedoch nicht abgerissen, sondern für soziale Zwecke umgebaut.

  Mit an Bord: Norman Musielak (r.) und Siegfried Rudolph vom Modellsportclub Eberswalde geh÷ren zu den Nutznie▀ern des neuen "Freizeitschiffs" der Wohnungsbaugenossenschaft an der Prignitzer Stra▀e. ©

"Wir freuen uns riesig. Zum ersten Mal haben wir ein eigenes Domizil", erzählt Ursula Engmann, Cheffin des Modellsportclubs Eberswalde. Unter den knapp 30 Mitgliedern des Klubs sind so alte Hasen wie der 73-jährige Rentner Siegfried Rudolph, der eine ganze Scheune von Modellen wie einem seetauglichen Hochseeschlepper für Bohrinseln zu Hause hat. Oder der junge Eberswalder Norman Musielak, gerade mal 18, und neben seiner Krankenpflegerausbildung begeisterter Bastler an Modellen von französischen Fregatten. Bisher haben sie jeder für sich im Bastelkeller gefriemelt und sich auf Wettkämpfen oder in den Räumen der Arbeitsgemeinschaft in der Bürgelschule getroffen. "Jetzt hoffen wir, dass die Vereinsarbeit belebt wird und wir auch wieder neue Interessenten finden, die beispielsweise Schüler betreuen", so Ursula Engmann.

Dass das erste eigene Domizil der Modellbauer wie ein Schiff aussieht, ist Zufall. "Wir wollten zumindest einmal ausprobieren, wie so ein Umbau von leerstehenden Wohnblöcken aussehen könnte. Einen Block wegzureißen geht schnell. Aber hier wohnen noch immer viele Mieter und die brauchen auch Angebote, um sich in ihrem Wohnumfeld wohlzufühlen", erklärt Vorstandsvorsitzender Horst Gerbert von der WBG.

Der Wohnblock wurde nur zum Teil abgerissen. In der Mitte blieb eine "Brücke" mit drei Etagen stehen, das "Bug" und "Heck" besteht aus Keller- und erstem Obergeschoss. Mit einem Tag der offenen Tür haben die Genossenschaftler am 6. Juni quasi Schiffstaufe gefeiert. Getauft wurde ein Haus für kulturelle, Bildungs- und sportliche Angebote und die Verbindung der Generationen unter einem Dach. "Hier wollen wir auch den genossenschaftlichen Gedanken von Solidarität untereinander beweisen. Der Umbau ist eine sehr teure Angelegenheit gewesen. Die Vertreterversammlung hat trotzdem dem Projekt zugestimmt und die Mittel dafür bewilligt", so Gerbert.

Im Freizeitschiff eingezogen ist bereits der Verein Dreipunkt, der Angebote wie Kartenspielnachmittage und Englischkurse für Senioren bereithält. In den neuen, größeren Räume samt eigenen Toiletten will der Verein künftig mehr anbieten. "Wir planen, den "Lesezauber" für Kinder auch auf Senioren zu erweitern", erklärt Sozialmanagerin Edelgard Beutling. Sie ist voll des Lobes über das Freizeitschiff. "Wir haben ein gutes miteinander mit anderen Vereinen. Die jungen Leute vom Pokerclub bringen uns schon mal die Mülltonne raus, wenn die zu schwer für uns ist." Weitere Nutzer sind der Verein European Karate Oranienburg, das Kunst- & Kreativ Deck der WBG, das Hobbykünstlern Kurse in Filzen, Floristik und Dekoration, Malen und Zeichnen sowie Nähen anbietet. Auch die erfolgreichen Schachsportler des SV Motor Eberswalde und der neue Underground Pokerclub Eberswalde sind dabei.

Das Brandenburgische Viertel hat mit dem Freizeitschiff ein neues Angebot für sinnvolle Freizeitgestaltung gewonnen. Die WBG hat dafür eigenes Geld in die Hand genommen und Vereinen und Initiativen der Stadt eine neue Heimstatt gegeben. Dieses Projekt wurde sogar vom Verband der Wohnungsunternehmer mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Nur wenige Räume belegt die WBG selbst für eine Elektrowerkstatt und Regiearbeiten. Die übrigen Mieter auf dem Schiff zahlen nicht viel mehr als die Betriebskosten. Die Stadt unterstützte das Projekt mit Fördermitteln aus dem Projekt Soziale Stadt für die Außengestaltung des Objektes.

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