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Straffer zum besseren Abitur

Strausberg . Nur zwölf Jahre bis zum Abitur - damit können die Eltern Brandenburger Schüler meist gut umgehen, kennen sie es doch aus eigener Jugend nicht anders. Doch für Schüler und Lehrer bedeutet die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre bis zum Abitur eine gewaltige Herausforderung. Mit der Ausweitung der Wochenstundenzahl auf 33 für die 11. und 12. Klassen und das Verlagern verschiedener Unterrichtsinhalte in die 9. und 10. Klassen ist es nicht getan. Deshalb fordern der Pädagogenverband Märkisch-Oderland und der Berufsverband der Philologen vom Bildungsministe­rium, mit strukturellen Änderungen in der Unterrichtsgestaltung in der Oberstufe die Schulzeitverkürzung umzusetzen. Naturwissenschaften und Technik sollten gestärkt werden.

"Im ländlichen Raum Ostbrandenburgs kann man angesichts sinkender Schülerzahlen nicht mit dem Kurssystem weitermachen wie bisher", schätzt der Kreis-Vorsitzende des Pädagogenverbandes Märkisch-Oderland, Gunter Gerth, ein. Im Oderbruch entstünden beispielsweise durch die Schließung des Bad Freienwalder Gymnasiums schon lange Schülerwege zu den nächsten Regelschulen mit Gymnasialer Oberstufe. "Den Ausweg sehen wir auch nicht in Ausnahmegenehmigungen für die Bildung von 11. Klassen mit 40 Schülern", stellt der Abteilungsleiter Bildungspolitik im Pädagogenverband Brandenburg Stefan Ptok klar. Denn kleine Schulen können das bisherige Kurssystem mit Anwahlmöglichkeiten und ausreichend Fremdsprachen vom Lehrerpotenzial gar nicht mehr sicherstellen.

Die logische Schlussfolgerung der Praktiker in der Gewerkschaft lautet: Weniger Kurse in kleinen Gruppen, mehr Unterricht im Klassenverband.

In diese Richtung gehen auch die Reformvorschläge des Verbandes der Gymnasialschulleiter. Sie streben an, mehr als zwei Drittel der Stunden, den Pflichtbereich, im Klassenverband zu unterrichten und die Wahl- und Wahlpflichtfächer weiterhin in Kursen. Abweichend von den Gymna­sialschulleitern fordert der Pädagogenverband, dass alle Schüler mindestens zwei Fremdsprachen und drei naturwissenschaftliche Fächer durchgängig bis zum Abitur belegen. Wesentliche Elemente der Reformvorschläge sind die Einteilung der Fächer in Kern- und Basisfächer und die Organisation des Unterrichts im Klassenverband.

Für diese Positionen bekommen beide Brandenburger Berufsverbände Unterstützung von einem weiteren, dem Philologenverband Berlin-Brandenburg. Dessen Vorsitzende Kathrin Wien­cek sagte der MOZ zu den Vorschlägen: "Den Vorteil haben die Schüler, weil sich ihre Studierfähigkeit an den Hochschulen und Universitäten in der ganzen Republik verbessert." Denn die Beherrschung einer zweiten Fremdsprache werde in den meisten Studienrichtungen gefordert. Wer sie nicht in der Schule lernte, holt das an der Uni nach. So brauchen beispielsweise Geschichtslehrer jetzt das Latinum. Das macht man beim Studium nur mit Mühe so nebenbei.

Gunter Gerth, selbst Physik- und Informatik-Lehrer am Strausberger Theodor-Fontane-Gymnasium, weist auf einen anderen Vorteil hin: "Mit dem vermehrten Unterricht im Klassenverband entfallen zwangsläufig die meisten jetzt unvermeidbaren Freistunden. So wächst zwar der Wochenstundenumfang je nach Wahl bzw. Abwahl der Fächer, aber die Lücken zwischen den Unterrichtsstunden verkürzen sich enorm."

Die Reformvorschläge der drei Berufsverbände berücksichtigen besonders die demografische Entwicklung auf dem flachen Land. Zweizügige Gymnasiale Oberstufen könnten kein sinnvolles Kurssystem sicherstellen. Mit der Reform könnte man auch kleinere Schulen erhalten und die Schulzeitverkürzung sogar mit einem Gewinn an Qualität umsetzen. Schülern blieben überlange Schulwege erspart und Landkreisen wachsende Beförderungskosten.

Die Gewerkschafter haben mit den wichtigsten Fraktionen des Landtags über ihre Vorstellungen gesprochen: "Es macht uns Mut, dass alle ohne ideologische Scheuklappen konstruktiv darüber gesprochen und unsere Gedanken schließlich unterstützt haben", sagt Stefan Ptok. Aus dem Bildungsministerium kam auf die ersten Reformvorschläge der Gymnasialschulleiter bisher nur der Verweis, das Brandenburger System müsse mit dem Berliner kompatibel sein, um die Grenze zwischen den beiden Ländern für Schüler durchlässig zu halten.

Im Jahr 2012 werden sowohl die 12. als auch die 13. Klassen gleichzeitig Abitur machen. Die Weichen für den Übergang zum zwölfjährigen Weg zum Abitur muss man jetzt stellen, sind sich alle drei Verbände einig.

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