Angermünde . Wer in der Angermünder Puschkin-Grundschule auf die Toilette möchte, muss wohl oder übel den Weg über den Schulhof nehmen. Dagegen protestieren Eltern. "Nach unseren Recherchen gibt es keine Schule im Land Brandenburg, wo Kinder zur Benutzung der Sanitärräume das Schulgebäude verlassen müssen", heißt es in einem Brief an Bürgermeister Wolfgang Krakow.
Die Puschkin-Grundschule steht vor der Sanierung. Für etwa eine halbe Million Euro werden über die Sommerferien Klassenräume vergrößert und Brandschutzvorgaben erfüllt. Im Gespräch ist auch, den maroden Schulhof für noch einmal so viel Geld in eine moderne Pausenoase zu verwandeln. Doch der Teufel steckt im Detail. Eltern monieren nämlich den umständlichen Weg zu den Schultoiletten, die seit zwei Jahrzehnten im Keller eines Nebenhauses untergebracht sind. Das heißt: Die Grundschulkinder müssen über den Hof, wenn sie zur Toilette wollen.
"Nach unseren Recherchen gibt es keine Schule im Land Brandenburg, wo Kinder zur Benutzung der Sanitärräume das Schulgebäude verlassen müssen", schreibt Elternsprecherin Ellen Fährmann in einem Brief an Bürgermeister Wolfgang Krakow (SPD). Wie anderswo auch, ist die Kommune für die Grundschulen zuständig. Der Elternvorstoß wird durch eine Unterschriftensammlung bekräftigt. In der Puschkin-Grundschule lernen 270 Mädchen und Jungen.
Ellen Fährmann verweist auf die "aufwendigen Rekonstruktionsmaßnahmen", die unmittelbar bevorstehen. Dabei sei eine Art Laubengang mit Dach von der Schule bis zu den Toiletten geplant, erklärt sie und fragt, ob es nicht sinnvoller wäre, das dafür zur Verfügung stehende Geld für neue Toiletten im Schulkeller zu nutzen. Beim Weg über den Schulhof seien die Kinder Wind und Wetter ausgesetzt und dadurch oft krank, betont Ellen Fährmann. Das müsse nicht unbedingt sein.
Eine klare Antwort zum Brief steht aus. Bürgermeister Krakow leitete das Toiletten-Problem erst einmal mit dem Hinweis an die Stadtverordnetenversammlung weiter, auch ihm liege die Entwicklung der Grundschulen in der Stadt am Herzen. Doch der Weg sei dabei nicht geradlinig. Inzwischen schaute der städtische Bildungsausschuss in der Puschkin-Grundschule vorbei. Bei dieser Gelegenheit erläuterte Bauamtsmitarbeiter Ekbert Priebe, die gegenwärtig vorhandenen Toiletten seien erst Anfang der 90er Jahre aufwendig saniert worden. Die Kosten dafür hätten bei umgerechnet 250 000 Euro gelegen. Für Priebe handelt es sich um eine moderne Toilettenanlage, die "den Bedarf eigentlich deckt". Nach seiner Rechnung braucht ein Erwachsener von der Schultür bis zu den Toiletten etwa 25 Sekunden.
Bildungsausschussvorsitzender Klaus Vörtmann (FWG) sagte salomonisch: "Wir werden weiter nach einer Lösung suchen." Bei den Toiletten sei es eine Frage der Kosten. Doch nicht nur das. Im Schulkeller ist im Moment kein Platz für Toiletten. Erst müsste dort das Heimatmuseum mit seinem Fundus ausziehen, wenn die Eltern-Idee Wirklichkeit werden soll.
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