. Von Ulrike Pehlgrimm, 19 Jahre
Bernau Im September finden in Brandenburg wieder Kommunalwahlen statt. Viele Jugendliche haben dort zum ersten Mal die Chance, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Diese potentielle Wählerschaft sieht auch die NPD. Sie will flächendeckend antreten, um in die Brandenburger Parlamente zu gelangen. Um diesem Vorhaben einen Riegel vorzuschieben, hat sich das Bündnis "Keine Stimme den Nazis" gegründet.
Das Ziel des Bündnisses ist es, faschistisches Gedankengut in keinem Bereich der Gesellschaft zuzulassen. Nicht nur zu den Wahlen, sondern auch im Alltag, auf der Straße, im Verein und im Jugendclub. Denn das sind genau die Bereiche, in denen auch die NPD ihre junge Wählerschaft zu rekrutieren versucht. Sie engagiert sich in Jugendklubs und Vereinen, verteilt Schülerzeitungen und vertreibt Kleidung und Musik. So dringt sie ein in alle Interessengebiete der Jugendlichen. Andere Parteien dagegen scheinen ihre junge Wählerschaft vergessen zu haben und setzen sich wenig für sie ein.
Dadurch erwägen immer mehr Wähler zwischen 18 und 29 Jahren, auf dem Wahlzettel ihr Kreuz bei der NPD zu setzen. Die Internetseite von "Keine Stimme den Nazis" nennt dazu erschreckende Zahlen: Rund zwölf Prozent dieser Wählergruppe könnte sich die Wahl einer rechtsextremen Partei vorstellen. Hier setzt das neue Bündnis an. Es will den Jugendlichen Alternativen aufzeigen und die wahre Natur der NPD deutlich machen. Ihm haben sich Gewerkschaften, Jugendverbände, Parteiorganisationen, Antifa und weitere Gruppen angeschlossen. Dadurch wird ein breites Spektrum angesprochen. Die Antifa und viele regionale Gruppen wie das Jugendbündnis F.E.T.E. in Eberswalde oder das Dosto in Bernau geben den Jugendlichen die Chance, sich in ihrer Freizeit aktiv einzusetzen.
Das Bündnis plant verschiedene Aktionen, um eine Gegenkultur auf die Beine zu stellen. Durch Konzerte, Demonstrationen und monatliche Aktionstage soll auf das Problem des Rechtsradikalismus in Brandenburg hingewiesen werden. Die erste Veranstaltung dieser Art fand in Finowfurt statt. Aufgrund des Sommerfests der DVU organisierten die Jusos, die Linksjugend [,solid] und das Jugendbündnis F.E.T.E. eine Kundgebung mit anschließender Demonstration an der Kirche in Finowfurt. Diese drei Gruppen bilden bisher auch das Regionalbündnis von "Keine Stimme den Nazis". An der Veranstaltung nahmen rund 60 junge Menschen aus Eberswalde und Umgebung teil. Kreativ ging es bei der Kundgebung auf jeden Fall zu: Nach kurzen Reden der Organisatoren Florian Görner und Sebastian Walter verlasen andere Teilnehmer Gedichte gegen Rechtsradikalismus. Unter dem Motto "Es geht auch anders" wurde getrommelt, gesungen und Gitarre gespielt. Anschließend folgte ein einstündiger Demonstrationszug durch Finowfurt. Die Organisatoren der Demo sehen ihre erste Aktion als Erfolg an. Sie haben ein Zeichen gesetzt und verdeutlicht, dass Finowfurt eine Gemeinde ist, in der die Jugend Rechtsradikale nicht duldet.
"Ein Wermutstropfen bleibt jedoch. Als der Demonstrationszug vorbeizog, schauten viele Finowfurter aus ihren Fenstern und standen an den Toren, aber kaum einer schloss sich dem Zug an", so die Organisatoren. Statt offen Farbe gegen Rechts zu bekennen, sei doch lieber zugeschaut worden. Diese Reaktion zeige, dass Finowfurt und Eberswalde dieses neue Bündnis bitter nötig haben.
In ihrer ersten Demonstration sieht das Bündnis den Willen zum aktiven Widerstand gegen die NPD bestätigt. Um den Einzug der NPD in die Kommunalparlamente zu verhindern, müsse allerdings noch viel getan werden, dessen sind sich die Teilnehmer sicher. In den nächsten Wochen sind noch weitere Veranstaltungen geplant.
Am Mittwoch, 15. Juli, findet um 18 Uhr ein Videoabend im Studentenklub statt. Gezeigt wird der Film "Der Feind in meinem Haus", dem sich eine Diskussion anschließen soll. Jeder, der seine Stimme gegen Rechts erheben möchte, ist bei "Keine Stimme gegen Nazis" willkommen. Informationen zu kommenden Veranstaltungen und Plänen sind auf der Seite www.keinestimmedennazis.de nachlesbar.
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