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Die "Elster" zeigte allen die Zunge

. Eberswalde Frieder Andrich ist in Fußballkreisen bekannt wie ein bunter Hund. Deshalb ist zum heutigen 60. Geburtstag von Eberswaldes Motor-Trainer mit einer großen Gratulantenschar in Beeskow zu rechnen.

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Spieler und Stationen-Wegbegleiter vom FC Vorwärts, aus Müllrose, Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde, Luckenwalde, Bad Saarow und aus Eberswalde werden sich im neuen Bungalow-Häuschen am Reitplatz ein Stelldichein geben. "Der Dienstag gehört den Sportlern, die Verwandtschaft ist später dran", sagt Andrich, der sich wieder "getraut" hat und jetzt in zweiter Ehe mit Monika verheiratet ist.

Andrich ist im ostdeutschen Fußball tatsächlich bekannt wie ein bunter Hund. Er zeigte allen die Zunge, und das wortwörtlich. Als Oberligaspieler des FC Vorwärts in den 70-er und 80-er Jahren präsentierte er sich auf dem Platz und auf allen Aktionsfotos mit weit geöffnetem Mund und heraushängender Zunge. Kein Zeichen von fehlender Puste, sondern sein typisches Markenzeichen für Konzentration beim Ballführen im Mittelfeld. Später engagierte sich Andrich als Nachwuchs- und Oberliga-Trainer.

Der in Röderau bei Riesa geborene Andrich kam 1972 über die Stationen des Oberliga-Aufsteigers Stahl Riesa und Vorwärts Cottbus in die Oderstadt. "Sprungbrett" war eine Syrien-Reise der DDR-Armeeauswahl, gebildet von Ligisten aus Dessau, Leipzig, Stralsund, Kamenz, Plauen und Cottbus, geführt von Werner "Peitsche" Unger und Karl-Heinz Spickenagel.

Bis 1984 brachte es der technisch versierte, variabel einsetzbare Andrich insgesamt auf 277 Oberliga-Einsätze, erzielte 91 Tore, wurde zweimal in die B-Auswahl berufen.

Einmal wurde er klubintern gesperrt. Im März 1977, nach dem Punktspiel in Rostock (0:2), bereitete sich der FC Vorwärts in Bad Saarow auf den internationalen Vergleich gegen Hammerby IF vor. "Beim Kartenspiel überschritten wir zeitlich etwas weit den Zapfenstreich", erinnert sich der Stahlwerker und diplomierte Sportlehrer. "Hans-Hermann Herbst und ich erhielten etwas härtere Strafen als die jüngeren Lothar "Emma" Enzmann und Lutz Otto." Andrich wurde für ein Jahr zu Vorwärts Kamenz "zwangsdelegiert".

Seinen Spitznamen "Elster" hatte er in Riesaer Oberliga-Zeiten Ende der 60er Jahre verpasst bekommen. "Wir weilten zu einem Freundschaftsvergleich beim ukrainischen, schwer auszusprechenden Erstligisten Dnjepr in Dnjepropetrowsk, tranken da Wasser aus herrlich bunten, geschliffenen Römergläsern, einige nahm ich mit", bekennt sich Andrich zum bunten "Elster"-Ursprung.

Ein Jahr nach dem Meisterschaftssilber (1983) beendete Andrich seine aktive Laufbahn, wurde Nachwuchstrainer beim FCV, Oberliga-Coach bei Viktoria Frankfurt, spielte nach der politischen Wende selbst noch beim FC Märkbeton in der Stadtliga, betreute danach den Müllroser SV (bis 1999), den EFC Stahl, Union Fürstenwalde und bis Saisonende des Vorjahres den FSV Luckenwalde. Mit dem Verbandsligisten hatte er am 16. Mai 2006 eine Sternstunde, als seine Mannschaft in Mannheim gegen die deutsche WM-Auswahl ein Testspiel bestreiten durfte.

Den Oberliga-Absteiger FV Motor hatte er nach dem 10. Spieltag im November 2007 übernommen. Da dümpelte Eberswalde auf dem vorletzten Platz der Brandenburg-Liga herum. "Am Ende sprang wenigstens noch ein siebenter Platz heraus", freut sich Andrich, der jetzt als Lagerist und Transporteur beim Sponsor "Arxes", eine Computerfirma mit Hauptsitz in Berlin, arbeitet.

Die derzeitige sportliche Situation sieht er nicht rosig. "Mit den beiden Manteufels, mit Neumann, Kalohn und Hellmich haben wir fünf wichtige Akteure verloren, wirtschaftlich können wir nicht aufrüsten, müssen Nachrücker aus dem eigenen Nachwuchs profilieren", urteilt der Coach. Einziger echter Zugang ist Rückkehrer Rafet Ates. Und: "Man muss abwarten, wie sich zwei türkisch-stämmige Spieler im Training zeigen."

Trotz der Ungewissheit freut sich Andrich auf die am 16. August beginnende Saison. Neben Viktoria Frankfurt, Schwedt und Strausberg kommt es gegen die Aufsteiger aus Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt zu neuen, interessanten Duellen. "Das ist ja wie zu DDR-Zeiten in der ehemaligen Bezirksliga", wagt er einen Vergleich.

Das Wochenende probte Motor an der Ostsee, absolvierte im kurzen Trainingslager gleich zwei Tests. Zustande kam das über den ehemaligen FCVer Bernd Wunderlich (51). Der Dauerläufer der 80er Jahre heiratete am Freitag. Klar, da war Andrich am Strelasund gratulieren. Während Wunderlich trotz Hochzeits-"Nachwehen" am Sonnabend zum 3. Frankfurter Fußballfest mit dem Oldie-Vergleich FCV kontra 1. FC Magdeburg anreiste, leitete Andrich an der Küste das Trainingslager der Eberswalder.

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