Eberswalde . Damit das Schwimmen im See nicht zum Gesundheitsrisiko wird, schickt der Landkreis Barnim regelmäßig Mitarbeiter zur Wasserqualitätsbestimmung hinaus. Von den Badegästen gewürdigt wird diese Arbeit kaum.
Auf der Suche nach Blaualgen: Die Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes Cornelia Pezenburg am Werbellinsee. Foto: GMD/Thomas Burckhardt
Mit zwei großen Schritten steigt Cornelia Pezenburg (41) in die flatternde Gummi-Latzhose mit den Stiefelbeinen, gibt drei Spritzer Desinfektionsmittel in die Hand und verreibt die Flüssigkeit, dann nimmt sie eines der Probengläser aus ihre Tragetasche und watet los. Richtung Wasser, über den Sand und hinein in den schäumenden Werbellinsee. Badegäste drehen die Köpfe nach der seltsamen Frau um, Kinder bleiben stehen.
Gut zehn Meter ist Cornelia Pezenburg gegangen, der See schwappt ihr jetzt bis zur Brust. Pezenburg stürzt das Fläschchen in die Wellen, dann schraubt sie die rote Kappe ab, Blasen platzen an der Oberfläche, Unterwasser wird wieder zugedreht. Die Mitarbeiterin der Kreisverwaltung entnimmt 250 Milliliter Wasser aus 70 Zentimeter Tiefe. Der See steht vor der Qualitäts-Bestimmung in einem Labor in Lichterfelde, der vierten in dieser Badesaison.
Seit 1. Mai und noch bis Ende August, einmal im Monat, untersucht Cornelia Pezenburg 36 Badeseen im Barnim. Sie nimmt Proben, misst Wassertemperatur und ph-Wert und versenkt weiße Metallplatten an abgezirkelten Seilen, so genannte Secchi-Scheiben, in mehr oder minder trübes Wasser um zu sehen, bis zu welcher Tiefe man ohnmächtige Schwimmer noch erkennen kann. Die Ergebnisse ihrer Arbeit landen in akribisch geführten Protokollen. Jeder Arbeitsschritt ist streng geregelt. Die Brandeburger Badewässerverordnung umfasst 15 Paragraphen.
Ein paar Kinder haben Cornelia Pezenburg beim Herauswaten abgepasst. Jetzt löchern sie sie mit Fragen. Die erwachsenen Badegäste drehen sich auf ihren Liegetüchern bäuchlings.
"Was wir tun, wird oft nicht ernst genommen", sagt Pezenburg. "Selbst wenn wir darauf hinweisen, dass unbedenkliche Werte an Darmbakterien in Seen überschritten sind." Wer die Warnungen der Gesundheitsaufseherin ignoriert, kann Durchfall bekommen oder Hepatitis A. Erhöhte Konzentrationen bestimmter Blaualgen-Arten können allergische Reaktionen auslösen. Cornelia Pezenburg hat stets Warnschilder im Kofferraum ihres Autos - für den Fall der Fälle. Bei Höchstkonzentrationen des Fäkalbakteriums Escherichia-coli etwa kann sie Badeverbote aussprechen. Geahndet werden Übertretungen nicht.
Was im See krank macht, gelangt über den Menschen hinein. Überdüngte Felder oder Bootsbesitzer, die ihre Toiletten ins Wasser entleeren sind die Hauptursachen für die Verschmutzungen. Aber auch Badegäste, die nicht an sich halten können, tragen zur Gesundheitsgefährdung bei.
Die Sichttiefe ist in Ordnung, Pezenburg steigt ein letztes Mal ins Wasser, mit einem Temperaturmessgerät. An vier Badestellen des Werbellinsees wird sie das Prozedere heute wiederholen. Als sie heraussteigt, scheint Pezenburg zufrieden. "21,6 Grad Celsius, ph-Wert 8,3, also total super." Dann geht es weiter zum nächsten Gewässer. Bedenkliches finden, wird sie wahrscheinlich nichts. Die Seen im Barnim, sagt Pezenburg, sind seit vielen Jahren in gutem Zustand.
Infos über die Qualität von 18 EU-registrierten Barnimer Bdeseen gibt es im Interner unter www.luis-bb.de. Über 18 weitere Gewässer informiert das Gesundheitsamt.
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