Paris . Frankreich hat die von Italien gesuchte Ex- Terroristin der Roten Brigaden, Marina Petrella, aus der Haft entlassen. Der Gesundheitszustand der 54-Jährigen, die 1992 in Italien wegen Mordes und Entführung in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, sei nicht mit den Haftbedingungen vereinbar, begründete das Versailler Berufungsgericht nach Medienberichten vom Mittwoch seine Entscheidung. Damit entsprach das Gericht am Dienstag der Forderung der Staatsanwaltschaft, die schwer depressive und selbstmordgefährdete Frau, die seit Ende Juli künstlich ernährt werden musste, unter Auflagen freizulassen.
Die Roten Brigade werden für rund 15 000 in Italien in den 70er und 80er Jahren verübte Anschläge verantwortlich gemacht. Ihr prominentestes Opfer war der 1978 entführte und ermordete italienische Ministerpräsident Aldo Moro.
Frankreich hatte im Juni einer von Italien geforderten Auslieferung zugestimmt. Als sich daraufhin der Gesundheitszustand Petrellas zunehmend verschlechterte, bat der französische Staatschef Nicolas Sarkozy im Juli die italienische Regierung darum, die frühere Terroristin zu begnadigen. Die Familie sieht in der Haftentlassung ein Einlenken Frankreichs und hofft auf eine Einstellung des Auslieferungsverfahrens.
Petrella war 1993 nach Frankreich geflohen. Insgesamt suchten fast 200 italienische Terroristen in Frankreich Zuflucht, wo ihnen der frühere Präsident François Mitterrand Asyl versprochen hatte, falls sie der Gewalt entsagten. 2004 erklärte Paris dieses Versprechen für ungültig.
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