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Mehr als eine Würdigung

Müncheberg . Prof. Dr. Jutta Rogasik ist wieder zurück. Seit 1999 arbeitete die Wissenschaftlerin am Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig. Doch kaum im Ruhestand, erlebte sie eine Überraschung.

  Staunte nicht schlecht: Jutta Rogasik mit der Urkunde des IPCC, mit der sie namentlich gew³rdigt wird. Oben ist die Urkunde des Friedensnobelpreises zu sehen. ©

"Mit Jutta Rogasik müssen Sie unbedingt sprechen", hatte Monika Joschko vom Müncheberger Leibniz-Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF) kürzlich am Telefon erklärt. Da stand die Verabschiedung der 61-Jährigen, die 1974 über "Globalstrahlungsschwankungen als Ursache jährlicher Ertragsunterschiede" promoviert hatte, in Braunschweig gerade kurz bevor. Dorthin war sie nach der Schließung des nach der Wende neu gegründeten Instituts für agrarrelevante Klimaforschung der FAL in Müncheberg gewechselt. Zuvor hatte sie schon im Forschungszentrum für Bodenfruchtbarkeit gearbeitet und 1990 zu "Beziehungen zwischen Faktoren der Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenertrag auf Ackerland" habilitiert.

Das Besondere an ihren Forschungen: Jutta Rogasik hatte die Chance, ihre wissenschaftlichen Erfahrungen im IPCC einzubringen. Die vier Buchstaben stehen für Intergovernmental Panel on Climate Change - Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaveränderungen, oft auch als Weltklimarat bezeichnet. Dieser war 1988 durch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mit Sitz in Genf gegründet worden. Und: Das IPCC wurde 2007 - gemeinsam mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore - mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Genau darauf hatte ihre wissenschaftliche Kollegin Monika Joschko aufmerksam machen wollen. Forschungsergebnisse aus langjährigen Versuchsserien wie in Müncheberg und Braunschweig können einen Beitrag zur Klimaforschung leisten und sind deshalb von unschätzbarem Wert. Das hat Jutta Rogasik, inzwischen in der so genannten Freistellungsphase ihrer Altersteilzeit, nun auch schriftlich. Der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri hat einen Brief an sie gerichtet, der allerdings eine Odyssee hinter sich hat. Weil es das Institut für agrarrelevante Klimaforschung in Müncheberg nicht mehr gibt und die Post offenbar nicht auf die Idee kam, im ZALF nachzufragen - dort arbeiten ja nicht nur etliche ehemalige Kollegen, sondern auch ihr Ehemann -, ging der zudem zollamtlich geprüfte Großbrief zurück und kam schließlich über Braunschweig zu ihr.

Die Würdigung ihrer Arbeit mit einer Kopie der Urkunde zum Friedensnobelpreis kann Jutta Rogasik noch immer nicht recht fassen. Doch eines ist ihr ganz wichtig: Den Dank weiterzugeben. "Müncheberg ist seit mehr als acht Jahrzehnten Forschungsstandort", sagt sie und fügt hinzu: "Auch ich habe hier 20 Jahre lang gearbeitet, vor allem aber gelernt." Zudem hätte sie die Dauerversuche allein nie stemmen können. "Es gab immer Mitarbeiter, die die Daten aufgenommen oder bei Hitze und Kälte auf den Versuchsfeldern gearbeitet haben. Die Urkunde, die meinen Namen trägt, ist eine Anerkennung für alle, die mich begleitet haben."

Ihre Versuchsergebnisse will sie übrigens aufarbeiten und gemeinsam mit einer Kollegin pub­lizieren. "Zu meinen Themen gehörte unter anderem die Humusbilanzierung, die gerade auch für Brandenburg mit seinen leichten Böden von Interesse ist", erzählt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Hin und wieder fährt sie auch noch nach Braunschweig. Dort betreut sie einen Doktoranden aus Syrien, der seine Arbeit im nächsten Jahr verteidigen muss.

Auf ihrem Schreibtisch liegen zudem Faltblätter der in Möglin ansässigen Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer. Als Vorstandsmitglied will sie dazu beitragen, das Erbe des Begründers der Agrarwissenschaft zu erhalten. Und auch in Müncheberg würde sie sich gern einbringen, sucht hier aber noch nach einem konkreten Betätigungsfeld.

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