Bad Freienwalde . Arsene, Clemence und Charks sind eine Kleinfamilie. Sie leben in der Nähe von Paris und reisen gern und weit - am liebsten aber durch das grenzfreie Europa. Nur richtig bequem und komfortabel darf es auf ihren Ausflügen nicht sein. Das mögen sie weniger. Denn wenn sie sich auf den Weg machen, dann nicht etwa im Auto, Wohnmobil oder Flugzeug. Die Franzosen reisen per Rad und Zelt - mag die Tour auch noch so weit und beschwerlich sein.
Anfang der Woche stoppten sie ihr zweisitziges Spezialfahrrad kurz in der Bad Freienwalder Altstadt. Der Magen knurrte. Charks, 31 Jahre alt, ruhte sich auf einer Bank aus. Clemence, in kurzen Hosen und T-Shirt, studierte die Radwanderkarte in ihrer Hand. Rechts und links am Rad hängen bunte Taschen und Wasserflaschen, ordentlich verteilt, damit alles im Gleichgewicht bleibt. Zahnbürste, Handtuch und die nötigsten Kleidungsstücke sind darin verstaut. Das wichtigste Frachtgut allerdings liegt hinten im Anhänger. Es ist dick eingepackt und schläft friedlich: Arsene, der Sohn. Sieben Monate ist er gerade mal alt. Es ist die erste große Reise für den kleinen Mann. "Obwohl es uns sehr gut hier gefällt, müssen wir weiter", sagt die 29-jährige Clemence und lacht. Weiter bedeutet nach Polen. Erst an die Ostseeküste, dann Richtung Süden nach Warschau und wieder zurück nach Berlin, so zumindest der Plan. Von da aus geht die Reise für die kleine Familie im Zug weiter - nach Paris. Für die Strecke im Sattel haben Clemence und ihr Mann 1200 Kilometer ausgerechnet. Drei Wochen wollen sie auf dem Rad, das ein Hochzeitsgeschenk war, unterwegs sein. Die Zeit drängt. Es gibt viel zu sehen. Sie schwingen sich auf den Sattel, treten kräftig in die Pedale, winken zum Abschied. Eine Fahne mit dem Symbol der Normandie weht hinter ihnen im milden Wind. Sie könnte auch für grenzenlose Reisefreiheit stehen.
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