Eberswalde (moz) Im Blitzlichtgewitter fühlt sich Waltraud Schmidt fehlplatziert. Doch für die langjährige Leiterin des evangelischen Kindergartens an der Pfeilstraße hat die Zeit des Abschiednehmens begonnen. Ende Juli geht die 60-Jährige in den Ruhestand. Und wird bis dahin noch so manches Dankeschön zu hören bekommen.
Kuschelzeit mit Tante Waltraud: Auch Liara (2), Lenja (5), Sophie (5), Lisa (6), Julius (5) und Henriette (2) – von links – freuen sich jeden Tag aufs Neue, wenn sie Waltraud Schmidt begrüßen.
Jeder Arbeitstag beginnt für Waltraud Schmidt mit einem Glücksmoment. Sie betritt den Gruppenraum, in dem sich die Mädchen und Jungen schon zum Morgenkreis versammelt haben, und wird jubelnd begrüßt. Von allen Seiten schallen fröhliche Hallo-Rufe zu ihr herüber. Und das Strahlen aus den Augen selbst der kleinsten Windelträger macht dem Sonnenschein Konkurrenz. „Da wird mir jedes Mal aufs Neue warm ums Herz“, verrät die Erzieherin aus Leidenschaft, die am 1. April 1971 ihren ersten Arbeitstag im Evangelischen Kindergarten absolviert hat, den sie seit März 1979 leitet.
Die Liebe hat Waltraud Schmidt nach Eberswalde geführt. Mit ihrem Geburtsort Greifswald aber fühlt sie sich noch immer verbunden. An der Ostseeküste hat sie – das jüngste von vier Geschwistern – in einem Kirchlichen Seminar den Beruf einer Kinderdiakon gelernt. Und eigentlich das Ziel verfolgt, sich nach der Ausbildung in Stralsund in der Behindertenarbeit zu engagieren. Wer die Menschenfreundin kennt, kann sich vorstellen, dass sie auch dabei ihre Erfüllung gefunden hätte. Doch ihr Mann bekam als Ingenieur Arbeit im Eberswalder Kranbau angeboten. Und so verzog die junge Familie in den damaligen Bezirk Frankfurt (Oder). Ihren Entschluss dazu hat Waltraud Schmidt bis heute nicht bereut.
Beinahe 40 Jahre lang hat die Wahl-Eberswalderin Kinder auf ihrem Weg begleitet, sich über unzählige erfolgreiche Gehversuche und erste Worte mindestens ebenso gefreut wie die Eltern ihrer Schützlinge, die sie stets als Verbündete gesehen hat.
Mehr als 30 Jahre lang stand Waltraud Schmidt als Leiterin in der Verantwortung. „Mir war es immer wichtig, nicht allein den Kurs vorzugeben. Ich habe mich stets auch vor allem als Erzieherin verstanden“, gesteht sie.
Es passt zu ihrer Berufsauffassung, dass sie die Mädchen und Jungen von heute nicht pauschal als hippeliger, unaufmerksamer und überforderter als die von früher bezeichnet. „Vor der Wende gab es weniger, was die Kleinen ablenken konnte. Erst der Überfluss an Spielzeug und an Freizeitangeboten macht die Kinderköpfen doch so voll“, findet Waltraud Schmidt, die mit den Mädchen und Jungen auf Augenhöhe redet, ohne sie zu erhöhen oder sich zu erniedrigen.
Vor allem den seit Jahren konstant 100 Kindern der Einrichtung zu liebe, hat sie zu ihrem Abschiedskonzert den Liedermacher Gerhard Schöne eingeladen. „Seine Lieder, unter anderem das legendäre ,Jule wäscht sie nie‘, begleiten uns im Kindergarten seit Jahrzehnten“, sagt die scheidende Leiterin, die sich auf das Konzert am Sonnabend ab 17 Uhr in der Maria-Magdalenen-Kirche freut. „Schade, dass das Management des Künstlers auf so hohe Eintrittspreise besteht“, bedauert Waltraud Schmidt.
Für ihren Ruhestand hat sie noch keine großen Pläne gemacht. Aber sie ist froh darüber, ab August endlich mehr Zeit für ihre vier Enkelkinder zu haben.
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