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Bärbel Kloppstech 16.07.2010 17:54 Uhr
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Und vor dem Urlaub noch nach Bayreuth

Frankfurt/Alt Zeschdorf (moz) Gestern Abend musizierte sie noch mit dem Brandenburgischen Staatsorchester auf dem Gendarmenmarkt in Berlin. Am morgigen Sonntag macht sich Michaela Kennke mit 30 anderen Kollegen auf nach Bayreuth. Zum ersten Mal werden die Frankfurter Musiker auf dem Grünen Hügel musizieren und Wagners „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg“ für Kinder vorstellen.

  © michael märker

An Urlaub kann Michaela Kennke noch nicht denken. Erst wenn sie Bayreuth hinter sich hat, wird sie ihre Violine für ein paar Tage wegpacken. „Ich liebe meine Geige, aber irgendwann ist es auch für mich genug“, sagt die Musikerin. Trotz der vergangenen anstrengenden Zeit freue sie sich jedoch sehr auf Bayreuth. „Ich bin gespannt auf das Projekt des Tannhäuser für Kinder. Wir kennen zwar die Musik, haben sie auch schon geprobt, doch wie sie letztlich kindgerecht in Szene gesetzt wird, wissen wir noch nicht“, erzählt Michaela Kennke. Für Kinder zu musizieren, sei eine sehr wichtige Sache, der sich das Orchester erst mit Howard Griffiths, dem Frankfurter Generalmusikdirektor, in jüngster Zeit angenommen habe. „Es macht uns selbst viel Spaß und für die Kinder ganz besonders, wenn sie mitten unter uns im Orchester sitzen und mal den Bogen in die Hand nehmen können.“

Sie stamme selbst aus einer musikalischen Familie, in der viel gesungen wurde. „Alle meine Geschwister haben ein Instrument gespielt. Wir waren dadurch unser eigenes Hausquartett. Ich selbst habe meine Eltern als Sechsjährige mit der Bitte überrascht, dass sie mich zum Vorspielen in die Musikschule begleiten möchten. Ich hatte mich bereits für die Geige entschieden und bin dabei geblieben“, erzählt die gebürtige Eisenhüttenstädterin.

„Nur bei meinen Jungs habe ich es nicht ganz geschafft. Sie haben zwar ein Instrument spielen gelernt, aber es ist zweitrangig für sie geblieben. „Das Musizieren fördert nicht nur die Emotionen, sondern auch Ausdauer und Konzentration. Kinder lernen beim Zusammenspiel, aufeinander zu hören und auch, dass nicht nur sie selbst wichtig sind“, spricht Michaela Kennke aus eigener Erfahrung.

Ihr Lebensweg führte über die Spezialschule für Musik zum Studium an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin. Hier studierte sie Violine und Klavier im Zweitfach. Nach dem Studium saß sie unter den I. Violinen im Großen Rundfunk Orchester Berlin. Zehn Jahre lang. Als der renommierte Klangkörper „aufgelöst“ wurde, musste sich Michaela Kennke einen neuen Job suchen. Den fand sie im Brandenburgischen Staatsorchester, damals noch Philharmonisches Orchester Frankfurt (Oder). Sie spielte unter Nikos Athineos, Heribert Beissel und seit 2007 unter Howard Griffiths.

Konzertreisen führten die Geigerin mit dem Staatsorchester schon in viele Städte und Länder. „Doch solche Konzertreisen sind kein Urlaub, sie sind im Gegenteil sehr anstrengend. Meist sehen wir von den Städten, wo wir spielen, kaum etwas. Die Zeit dafür muss man sich wirklich abknapsen“, erzählt Michaela Kennke. „Wenn wir alle zusammen in einem Hotel untergebracht sind, geht es noch. Jetzt in Bayreuth übernachten wir aber zum Beispiel überall verstreut und haben ganz unterschiedliche Fahrzeiten zum Probenort. Auf jeder Tournee muss sich jeder selbst verpflegen, wir haben also niemanden, der uns diese alltäglichen Dinge abnimmt.“

Auch zu Hause ist der Tag straff organisiert. Zweimal am Tag fährt die Geigerin von ihrem Wohnort Alt Zeschdorf nach Frankfurt in die Konzerthalle zur Probe. Die abendlichen Konzerte, die Auftritte in Kammermusikformationen des Orchesters oder ganz privat mit ein, zwei Kollegen – ihr Kalender ist voll. „Die Zeit, die mir bleibt, gehört zum großen Teil meinem Garten. Dort puzzele ich viel lieber als im Haushalt“, bekennt die Musikerin. „Meine Mutter war Gärtnerin, da habe ich mir viel abgeguckt. Die 
trockene Kirschlorbeerhecke an der Straße haben wir noch von dem vorherigen Hauseigentümer geerbt. Das ist ein mediterranes Gewächs und braucht viel Feuchtigkeit. Liguster ist für diesen Boden besser geeignet“, weiß die Hobbygärtnerin.

Vor zweieinhalb Jahren ist sie mit ihrem Mann nach Alt Zeschdorf gezogen. „Uns gefällt es hier sehr gut. Der Ort bietet alles, was wir brauchen. Selbst zum Einkaufen. So richtig teilnehmen kann ich am dörflichen Leben allerdings kaum. Dafür fehlt mir die Zeit. Als zum Beispiel hier Strandfest am See war, haben wir mit dem Orchester im Kloster Chorin gespielt. Mein dörfliches Leben sind meine Nachbarn“, bekennt Manuela Kennke.

Ihren 50. Geburtstag hat sie in diesem Jahr allerdings auf dem Land, im sanierten Alt Zeschdorfer Kulturhaus gefeiert. „Das ist wirklich schön geworden“, lobt die Musikerin. Ob sie denn in diesem Saal auch mal „Hausmusik“ machen würde? Warum nicht. Sie habe schon mit Kollegen im Lebuser Museum und zum Jubiläum des Schönfließer Kulturhauses gespielt. „Musik klingt überall, wenn sie gut gespielt wird“, betont die Geigerin aus Alt Zeschdorf. 
Am 25. Juli, zur Premiere von „Tannhäuser“ für Kinder, wird sie unter den 30 ausgewählten Frankfurter Musikern auf dem Grünen Hügel in Bayreuth spielen. Vor ausverkauftem Haus.

Das Brandenburgische Staatsorchester lädt am 12. September, 11 Uhr, zum Tag der offenen Tür in die Frankfurter Konzerthalle ein. Auch für Kinder wird es viel Spaß geben – zum Beispiel beim Mitmach-Orchester auf der großen Bühne

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